Schulpflegschaft in Lünen fordert verbindliche Vorgaben für Unterricht

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Von einem normalen Schulbetrieb darf im Augenblick nur geträumt werden. Wobei das für Lüner Eltern nicht einfach ist. Mangels klarer Perspektiven schlafen viele unruhig, heißt es bei der SSPL.

Lünen

, 15.05.2020, 20:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nach fast zwei Monaten corona-bedingtem Schulausfall nimmt die Stadtschulpflegschaft Lünen (SSPL) das Düsseldorfer Schulministerium und die Bezirksregierung Arnsberg in die Pflicht: „Wir, von der Elternschaft in Lünen, wünschen uns einfach eine klare Aussage, wie es in den kommenden Wochen und Monaten mit dem Schulunterricht weitergeht. Dann können wir Eltern auch wieder ruhig schlafen.“

Das sagte SSPL-Sprecher Robert Goelzner (42) am Donnerstag (14. Mai) im Gespräch mit unserer Redaktion. Bei der SSPL handelt es um eine „engagierte Elterngemeinschaft, die mit der Stadtverwaltung und den Schulen eng zusammen arbeitet“.

So steht es zumindest auf der Homepage der Interessengemeinschaft. Dort findet sich auch folgendes Zitat, dem in Zeiten der Corona-Krise und dem damit verbundenen Schulausfall umso mehr Bedeutung zukommen dürfte als an normalen Tagen:

Elternhaus und Schule sind zwei Lebenswelten und Lernorte, die für die Entwicklung des Kindes entscheidende Bedeutung haben. Es liegt also nahe, dass die verantwortlichen Erwachsenen - Mütter, Väter, Lehrerinnen und Lehrer - miteinander kooperieren und das, was sie für die Erziehung und Bildung des Kindes leisten, aufeinander abstimmen.

„Eltern fühlen sich im Stich gelassen“

Während die Zusammenarbeit mit den Schulleitern trotz der widrigen Umstände laut Goelzner ganz gut klappt, „fühlen wir Eltern uns von den oberen Instanzen schlichtweg im Stich gelassen“.

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Goelzner selbst ist Vater von drei schulpflichtigen Kindern im Alter von 13, 14, und 16 Jahren, von denen zwei auf die Käthe-Kollwitz-Gesamtschule (KKG) gehen und ein Kind die Heinrich-Bußmann-Hauptschule in der Lippestadt besucht. Als Beispiel dafür, wie auch die Schulleiter von „denen da oben ziemlich alleine gelassen werden und praktisch jede Schule in NRW und natürlich auch in Lünen macht, was sie will“, nannte Goelzner das Thema Frontalunterricht:

„An der Bußmann-Schule mit rund 400 Schülern gibt es bis zu Beginn der Sommerferien (29. Juni, Anm. d. Red.) sechs Präsenztage für jeden Schüler, an der KKG mit etwa 1200 Schülern nur vier. Für Außenstehende ist das nur schwer nachvollziehen.“

Dass man eine Schule nicht langsam hochfahren könne, hatte KKG-Schulleiter Reinhold Bauhus Anfang April unlängst im Gespräch mit unserer Redaktion erklärt. Zu diesem Zeitpunkt war von den am 6. Mai in Berlin beschlossenen Lockerungen noch gar keine Rede.

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Das sagt die Landeselternschaft

Ins gleiche Horn wie die SSPL stößt auch Professor Franz-Josef Kahlen von der Landeselternschaft der Gymnasien (LEGYM) NRW. Die Landeselternschaft hoffe, sagte Kahlen im Gespräch mit unserer Redaktion, auf „erhellende Antworten“ von Seiten des Schulministeriums: „Aktuell bedauern wir sehr, dass es bisher überhaupt keine Vorgaben für die Beschulung im kommenden Schuljahr gibt.“

Schule, sagte Kahlen weiter, müsse als Ort der Wissens- und Persönlichkeitsbildung mitgedacht werden: „Das schließt für die Zukunft einen abgestimmten Präsenz- und Onlineunterricht ein. Nicht nur die Wirtschaft braucht Planbarkeit, und Schule darf nicht um Wirtschaft ,drumherum‘ geplant werden.“

SSPL-Sprecher Robert Goelzner erklärte, dass die Stadtschulpflegschaft davon ausgehe, dass es bis Ende dieses Jahres Online-Unterricht geben wird: „Frontal-Unterricht an fünf Tagen ist nicht möglich.“

Sorgen bereitet der SSPL, dass sehr viele Schüler zu Hause nicht über die technische Austattung wie Computer für Home-Schooling verfügen „und die Eltern finanziell auch nicht in der Lage sind, ihren Kindern einen PC zu kaufen“.

Deshalb könne sich die SSPL vorstellen, sagte Goelzner weiter, dass von Seiten der Stadt Lünen Geld aus dem Digital-Pakt an betroffene Haushalte fließe.

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