Schweinefleisch wird teurer - der Markt ist leergefegt in Deutschland

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Als Fleischermeister Wilhelm Scharbaum jetzt Schweinefleisch-Nachschub für die Weihnachtsmarkt-Bratwurst bestellen wollte, da war schon nichts mehr da - die Ursache liegt in China.

Lünen

, 29.11.2019, 15:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Fleischermeister Wilhelm Scharbaum wollte am Dienstag (26.12.) Schweinefleisch beim Lieferanten bestellen. Für die Wurst auf dem Weihnachtsmarkt. „Das zu Beginn der Woche schon eigentlich nichts mehr zu kriegen ist, das habe ich noch nie erlebt“, sagt der Fleischermeister und Inhaber der gleichnamigen Fleischerei am Roggenmarkt. Und Scharbaum ist schon lange - vier Jahrzehnte - im Geschäft. Dass am Wochenanfang bei seinem Lieferanten schon für die Woche eigentlich nichts mehr zu bekommen ist, daran kann er sich nicht erinnern. Schließlich aber ist der erfahrene Mann dann doch noch an sein Fleisch gekommen.

Überschuss geht nach Fernost

Also werden die Lüner wie immer die gewohnte Bratwurst auf dem Weihnachtsmarkt essen können - und auch weiter Schweinefleisch auf dem heimischen Teller. Nur: Sie werden dafür mehr bezahlen müssen als gewohnt. Der Grund: In China grassiert seit Monaten die Afrikanische Schweinepest. Klaus Kühn vom Deutschen Fleischverband in Frankfurt rechnet deshalb mit „einem Ausfall der Eigenproduktion von 50 Prozent“. Die Folge: Die Chinesen kaufen weltweit große Mengen an Schweinefleisch auf. „Der Markt in Deutschland ist zusammengebrochen“, sagt Wilhelm Scharbaum. Seit einem Vierteljahr sei das so extrem. Für den Fleischermeister ist nach eigenen Angaben der Einkaufspreis seit Jahresbeginn um die Hälfte gestiegen. Deutschland produziere etwa 125 Prozent des Eigenbedarfs an Schweinefleisch, so Scharbaum.

„Wir mussten bereits Preisanpassungen vornehmen“

Der Überschuss gehe sowieso nach Fernost, vor allem nach China. Darüberhinaus kaufen die Chinesen auf dem Weltmarkt nun, was sie kriegen können. Das führt unweigerlich dazu, dass die Preise steigen. Nicht nur für Fleischermeister Scharbaum, sondern auch für seine Kunden: „Wir mussten bereits Preisanpassungen durchführen“, sagt er. Aber: Die Zahl der Schweine in China steige wohl langsam wieder, so Scharbaum. Aber bis ein Schwein geschlachtet werden könne, dauere es eben neun, zehn Monate.

Rind und Geflügel als Alternativen

Der Fleischermeister versucht, die unbefriedigende Situation mit ein wenig Humor zu nehmen und seinen Kunden aufkommende Sorgen, dass an Weihnachten nicht wie geplant der Schweinebraten auf dem Tisch liegen könnte: „Keine Sorge, wir werden uns Weihnachten wie gewohnt überfressen können“. Und auch Carl Schulz-Gahmen, Vorsitzender der Lüner Landwirte im Bauernverband betont: „Das Schweineschnitzel ist sicher“. Das Problem gebe es seit einem halben bis dreiviertel Jahr, sagt er. Aber: Geflügel und Rind seien ja nicht betroffen. An Alternativen mangelt es also für die heimische Küche und Weihnachten nicht.

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