Seit einem knappen Jahr lebt Maik Pohl (40) nun schon mit in der Zwei-Zimmer-Wohnung seiner Mutter Ute Pohl. Eigentlich sollte es nur kurzzeitig sein. © Günther Goldstein
Wohnen

Schwerbehinderter lebt bei Mutter: Suche nach eigener Wohnung erfolglos

Seit einem knappen Jahr sucht Mike Pohl eine Wohnung. Als Schwerbehinderter möchte er im Umfeld seiner Mutter leben. Doch die Wohnungsgesellschaft wolle nicht an ihn vermieten, sagt er.

Mike Pohl ist aufgrund einer schweren Lymphdrüsenerkrankung schwerbehindert. Wasser sammelt sich in seinem Körper an, 98 Mal wurde er deswegen operiert. Als er im vergangenen März nach 15 Monaten Krankenhausaufenthalt entlassen wird, steht er obendrein ohne eigene Wohnung da. So kam er erst einmal bei seiner Mutter unter.

„Unser Plan war, eine Wohnung im direkten Umfeld für Mike zu finden, beim gleichen Vermieter“, erzählt Mutter Ute Pohl. Seit zwölf Jahren ist sie Mieterin bei Viwavest in der Steinstraße. Nie habe es Probleme gegeben, sagt sie. Sie ging davon aus, schnell eine Wohnung für ihren Sohn zu finden.

Bewerber: Wohnungen immer an andere vergeben

Tatsächlich, so berichtet Mike Pohl, habe es in der Zeit zwischen März und Ende 2020 vier Wohnungen, gegeben, die für ihn in Frage gekommen wären. „Bei der ersten hat uns unser Kundenbetreuer sogar mündlich zugesichert, sie für mich frei zu halten, aber dann ist eine Frau eingezogen“, erzählt der 40-Jährige. Danach habe es freie Wohnungen im Nachbarhaus, in der Etage darüber oder einen Block weiter gegeben. Doch trotz Kontakts zu besagtem Kundenbetreuer seien die Wohnungen immer anderweitig vergeben worden. Einmal habe er tatsächlich eine Wohnung angeboten bekommen, sie aber nicht beziehen können, da er wegen seiner Schwerbehinderung auf Wohnraum im Erdgeschoss angewiesen ist.

Und so lebt Mike Pohl also seit einem knappen Jahr zusammen mit seiner 64-jährigen Mutter und seinem Bruder in einer Zwei-Zimmer-Wohnung und schläft auf dem Sofa.

„Wir haben das Gefühl, die Vivawest möchte einfach keine behinderten Mieter in ihren Wohnungen haben“, sagt Ute Pohl. „Wir werden nur hingehalten, niemand meldet sich. Und seit November haben wir keinerlei Kontakt mehr mit dem Kundenbetreuer gehabt.“

Die Sicht von Vivawest: „Bemühen uns weiter“

Die Wohngesellschaft widerspricht. Sie schildert die Situation so. Mike Pohl sei im Juli 2020 erstmals an sie herangetreten. „Wir konnten ihm seitdem bereits mehrfach Wohnungen im Umfeld seiner Mutter anbieten“, so Vivawest-Sprecherin Katrin Lamprecht. „Für zwei der Wohnungen lagen uns weitere Bewerbungen vor. In diesen Fällen ist die Entscheidung gegen den genannten Interessenten gefallen“, bestätigt sie. Auf ein Angebot vom 28. Dezember habe die Gesellschaft bisher keine Rückmeldung erhalten. Ute Pohl wiederum gibt an, ihr sei dieses Angebot nicht bekannt.

Dass Vivawest an Schwerbehinderte keine Wohnung vermieten wolle, weist Lamprecht entschieden zurück. „Im Gegenteil“, sagt sie, „die vor Ort tätigen Kollegen in der Vermietung arbeiten mit großem Engagement daran, für jede Lebenssituation den passenden Wohnraum zu finden. So werden sie sich auch weiterhin darum bemühen, dem Bewerber eine geeignete Wohnung anzubieten.“

Über die Autorin
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In und um Stuttgart aufgewachsen, in Mittelhessen Studienjahre verbracht und schließlich im Ruhrgebiet gestrandet treibt Kristina Gerstenmaier vor allem eine ausgeprägte Neugier. Im Lokalen wird die am besten befriedigt, findet sie.
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Kristina Gerstenmaier

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