Statt Besuchsverbot: Altenheime in Selm und Lünen reagieren auf Coronafälle

mlzCorona-Risikogebiet

Isolation war gestern, oder besser im Mai. Jetzt setzten Altenheime in Lünen und Selm statt auf Abschottung auf Prävention und Tests. Einige Corona-Fälle wurden dabei auch schon entdeckt.

Lünen, Selm

, 20.10.2020, 19:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Dass Bewohner von Alten- oder Pflegeeinrichtungen aufgrund ihres Alters oder wegen Vorerkrankungen (z.B. Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen) zu dem Personenkreis gehören, bei denen eine Covid-19-Infektion einen schweren Verlauf nehmen könnte, ist inzwischen hinreichend bekannt. In einem sind sich dennoch alle einig: Die alten Menschen dürfen nicht mehr - wie es im Frühjahr der Fall war - präventiv isoliert und von sozialen Kontakten abgeschottet werden. Somit gibt es, auch trotz steigender Zahlen, in keinem Lüner oder Selmer Altenheim als reine Vorsichtsmaßnahme ein Besuchsverbot.

Besuchsverbot für einige Besucher

Trotzdem hat die Caritas Lünen-Selm-Werne für das Lüner Altenzentrum St. Nobert zumindest für Teile der Bewohner ein Besuchsverbot ausgesprochen. Denn hier wurden im Zuge der sogenannten Reihentestungen bei drei Bewohnern eine Covid-19-Erkrankung festgestellt. „Zwei der Bewohner befinden sich im Krankenhaus, aber es geht ihnen, laut Auskunft der Angehörigen den Umständen entsprechend gut“, informiert Hans-Peter Benstein, Vorstand der Caritas Lünen-Selm-Werne. „Die dritte Person ist symptomfrei.“

Im Seniorenzentrum an der Lippe wurde bei zwei Personen eine Erkrankung festgestellt. Eine davon sei eine Mitarbeiterin, die sich jetzt in häuslicher Quarantäne befindet. Innerhalb der Einrichtungen stünden jetzt die Wohnbereiche, in denen die Infizierten leben, unter Quarantäne, so Benstein weiter. Für die dort lebenden Personen gibt es bis zum 29. Oktober auch ein Besuchsverbot.

„Besuchsverbote wollen wir weiterhin so weit es geht vermeiden. Isolation tut den Bewohnern nicht gut“, sagt Benstein. „Auf der anderen Seite ist es natürlich kolossal wichtig, dass die Bewohner gesund bleiben. Das ist eine schwierige Gradwanderung. Eine positive Erkenntnis ist, dass auch Senioren symptomfrei sein können.“

Angebote sind auf wenige Personen beschränkt

Über die Reihentestungen hinaus werde das Hygienekonzept, das auf Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts basiert, konsequent umgesetzt. Auch bleiben die Gruppen, mit denen „tagesstrukturierende an Corona angepasste Konzepte“, wie Benstein es nennt, stattfinden, jeweils auf wenige Personen beschränkt.

Die Reihentestungen führte die Caritas Lünen-Selm-Werne als Reaktion auf die massiv steigenden Fallzahlen im Kreis Unna in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt in allen ihren Einrichtungen durch. So wurde auch im Selmer Altenwohnhaus St. Josef getestet. Die Testergebnisse der Bewohner seien durchweg negativ, berichtet Benstein. Die Ergebnisse der Mitarbeiter stehen zum Teil noch aus.

Alloheim „befürwortet“ Reihentest - ohne sie durchzuführen

Die Reihentestungen werden aber keineswegs in allen Altenheimen durchgeführt. So sagt eine Sprecherin der Alloheim-Senioren-Residenzen, die in Lünen drei und in Selm zwei Einrichtungen führen: „Alloheim nimmt seine Verantwortung für das Wohl von Bewohnern, Mitarbeitern und Besuchern aller Einrichtungen auch im Zusammenhang aller Herausforderungen rund um den Corona-Infektionsschutz sehr ernst. Wir passen somit ständig Hygieneregeln und Schutzmaßnahmen nach den veränderten Rahmenbedingungen an.“ Dazu sei im März ein Krisenstab eingerichtet worden, der sich täglich austausche. „Auch sind wir in einem regelmäßigem Austausch mit den lokalen Behörden, die entscheiden, wie und wann in Einrichtungen Testungen stattfinden“, so die Sprecherin weiter. Noch seien keine Tests durchgeführt worden.

Man beschäftige sich mit der Möglichkeit, so die Sprecherin, und befürworte das. Es liege in der kommunalen Entscheidung, ob und wie Reihentestungen und in welcher Regelmäßigkeit in den Einrichtungen durchgeführt werden. „Wir vertreten dabei die Position, dass Bewohner und Mitarbeiter von Pflegeeinrichtungen unabhängig von einem vorhandenen Infektionsgeschehen regelmäßig und prophylaktisch getestet werden sollten.“

Awo prüft Möglichkeit von Soforttests

Auch die Sprecherin der Alloheime spricht von einem Balanceakt. Besuche sind im Rahmen eines strengen Hygienekonzeptes erlaubt: Telefonische Anmeldung der Angehörigen vor jedem Besuch, Registrierung und Kurzscreening und Fiebermessen am Empfang.

Ebenfalls noch nicht durchgeführt aber geplant werden die Tests bei der Awo. „Wir rechnen damit, mit den Reihentests Anfang nächster Woche beginnen zu können. Die Möglichkeiten (z.B. Frequenz und Umfang) werden noch geprüft“, sagt Awo-Sprecher Jörg Richard. Noch müsse geklärt werden, ob zum Beispiel Schnelltests mit Sofortergebnis beim Pflegepersonal und den Bewohnern, aber auch den Besuchern durchgeführt werden können. Angedacht sind Soforttests, die ähnlich wie ein Schwangerschaftstest direkte Ergebnisse liefern. Die Awo betreibt in Lünen etwa die Seniorenzentren Minister Achenbach, An der alten Gärnterrei und ein Seniorenwohndorf in Brambauer. In Selm leitet die Awo die Tagespflege an der Ludgeristraße.

Besuchsverbote gibt es auch hier, trotz der stark steigenden Zahlen an Infizierten, keine. „Die machen keinen Sinn“, so Richard. „Wir müssen doch abwägen: Was sind die Folgen der Isolation, was der Nutzen. Wir sind heute alle viel geübter und erfahrener im Vergleich zum März.“ Vielmehr arbeiten die Awo-Einrichtungen nach dem so genannten Kohortierungs-Prinzip, einer Empfehlung des RKI: Drei Bereiche werden räumlich und personell voneinander abgegrenzt, wobei ein Bereich für Bewohner ohne Symptome bzw. Kontakt vorgesehen ist, ein zweiter für Verdachtsfälle und ein dritter für Menschen, die positiv getestet wurden.

Lesen Sie jetzt

Die Corona-Neuinfektionen bleiben in den Kreisen Coesfeld und Unna auf einem hohen Niveau. - auch wenn sich für das Münsterland eine Entspannung abzeichnet. Wir tickern live aus Selm, Olfen und Nordkirchen.

Lesen Sie jetzt