So steht es um die Bäckerstraße in Lünen

Geschäftsleute berichten

Lange Zeit galt die Bäckerstraße als "Stiefkind" der Lüner Innenstadt. Viele Zukunftschancen wurden ihr nicht eingeräumt. Doch das scheint sich zu ändern. Wir haben mit einigen der Lüner Ladenbesitzer gesprochen. Das ist ihr Fazit für den Standort.

LÜNEN

, 08.01.2016, 18:34 Uhr / Lesedauer: 3 min

„Wir sahen und sehen die Entwicklung der Bäckerstraße immer noch mit Sorge“, erklärt zwar auf Anfrage Thomas Berger, Leiter der Lüner Stadtplanung. Viele ansässige Geschäftsleute zeichnen allerdings ein viel positiveres und optimistischeres Bild. Denn auch die Geschäftsaufgabe von Bärbel Klaas (68), Inhaberin des Geschäfts „Die Praline und Tee“ - oder kurz „“, ist nicht dem fehlenden Umsatz geschuldet. Sie möchte „endlich mehr Freizeit für mein Enkelkind haben“, erklärt sie und verabschiedet sich damit in den Ruhestand. Ab dem 1. März sucht Klaas einen Nachmieter, der gerne auch das Konzept so übernehmen darf. „Ich blicke auf zufriedene Jahre zurück – wenn ich jünger wäre, würde ich gerne noch weiter machen“, erklärt die 68-Jährige.

Zufrieden am Ende der Straße

Auch weiter die Straße runter gibt es nur Positives zu berichten: Er liege mit seinem Geschäft zwar "at the end of the road‘", so Egbert Theissen, Besitzer des Ehrenbrusthoffs, Fachgeschäfts für Gardinen und Innendekoration, „aber ich kann mich nicht beschweren“. Seit nun mehr als 35 Jahren betreibt er das Geschäft und kann auf einen großen Kreis von Stammkunden bauen. „Auch junge Leute lassen sich lieber bei mir beraten, als im Internet zu kaufen“, erklärt Theissen.

 

 

Direkt gegenüber allerdings, da will es mit der Vermietung des Ladenlokals nicht so recht funktionieren, denn „da war schon alles drin – zuletzt ein Fitnesstudio“, erinnert er sich. Es ist aber auch das einzige Geschäft, das auf der Bäckerstraße leer steht.

Immer mehr Kundschaft

Bei seinem Nachbarn, Gabriel Bistas, Geschäftsführer von , läuft es seit der Eröffnung im Oktober 2014 immer besser. „Es wird von Monat zu Monat mehr, das ist sehr zufriedenstellend“, erklärt der 31-Jährige. Sein Geschäft, in dem er vor allem Handys, aber auch Laptops repariert, kann auch von der dortigen Laufkundschaft profitieren. „Klar haben wir auch Stammkunden, aber es kommen auch immer welche spontan – mittlerweile hat ja auch jeder ein Smartphone“, erklärt er.

Auch Hans-Jürgen Willfroth, Inhaber vonZweirad Mönninghoff, will auf seinen zusätzlichen Verkaufsraum für E-Bikes, eröffnet im März 2014, nicht mehr verzichten: „Wir bekommen von den Kunden eine super Resonanz“, erklärt er, „sie schätzen die Ruhe, wenn sie auch mal mehr als 3000 Euro ausgeben.“

Keine Konkurrenz befürchtet

Ähnlich läuft es auch bei Klaus Gass (28), dessen Geschäft wieder etwas weiter Richtung Innenstadt liegt. Seit April 2011 verkauft er dort nicht nur die neuesten Konsolenspiele, vor allem tauscht, kauft und verkauft er auch gebrauchte Games, „daher ist Saturn auch keine große Konkurrenz, die verkaufen ja nur Neuware“, erklärt er. Über 3500 Titel stehen in seinen Regalen, das lockt nicht nur die vorbeilaufenden Kunden an – sogar aus Dortmund und Werne kommen die Käufer, vor allem „wenn man beim Tauschen noch ein paar Euro sparen kann.“

Als kleines Extra lässt sich Gass auch immer wieder besonderen Aktionen einfallen: „Wenn es Zeugnisse gibt, bekommen die Schüler für jede Eins einen drei Euro Gutschein – dann ist der Laden voll“, sagt der Besitzer mit einem Grinsen. „Mindestens fünf Jahre noch“ möchte Gass sein Geschäft für Videospiele noch weiterführen und blickt damit, wie alle anderen Händler auch, optimistisch in die Zukunft der Bäckerstraße. 

 

 

Drei Fragen an...

Thomas Berger, Leiter Stadtplanung, äußert sich zu der Situation der Bäckerstraße. Dem komplett positiven Eindruck der Geschäftsleute kann er dabei nicht ganz zustimmen.Wie beurteilt die Stadt Lünen die Entwicklung in der Bäckerstraße? Die Ämter für Stadtplanung und Stadtentwicklung haben die Entwicklung immer mit etwas Sorge betrachtet und sie macht auch immer noch etwas Sorgen.... und die aktuelle Lage? Die Lage ist nicht hoffnungslos, auch wenn wir gefühlt eine erhöhte Leerstandsrate haben. Es ist ein Sonderstandort mit einer eigenen Dynamik – Nischenanbieter haben sich hier ihre Bereiche gesucht.Gibt es ein Konzept für die Zukunft? Erst einmal wollen wir abwarten, wie genau sich die Revitalisierung von Hertie gestaltet und wohin sich dann die Bäckerstraße entwickelt. In der Zukunft wird die Perspektive wahrscheinlich nicht mehr nur im Einzelhandel liegen, sondern aus einer Mischung mit zum Beispiel Gastronomie oder Dienstleistungen.

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