So verlief der Blitz-Marathon in der Region

Bilanzen im Überblick

Die Polizei hat bei ihrem neunten bundesweiten Blitz-Marathon von Donnerstag Bilanz gezogen. Wir haben die Ergebnisse für die Städte und Gemeinden der Region zusammengefasst. Hier gibt es den Überblick über Geblitzte, Kontrollierte und Verstöße.

LÜNEN

, 22.04.2016, 16:35 Uhr / Lesedauer: 5 min

Der Blitz-Marathon 2016 ist vorbei - die Ergebnisse liegen vor. Für einzelne Städte und Gemeinden gibt es separate Zahlen. Hier ein Überblick:

Neben dieser Zahlen über kontrollierte und geblitzte Bürger hat die Polizei die höchsten Temposünden und Bußgelder, ebenso ihre persönliche Bilanz veröffentlicht.

Bochum, Herne und Witten

Die Polizei Bochum war in Bochum, Herne und Witten unterwegs - bis Mittags waren nur 44 der 2236 überprüften Fahrer zu schnell unterwegs. Am Ende des Tages stiegen die Zahlen in den drei Städten auf insgesamt 3731 Kontrollierte und 104 Geblitzte an. Mit diesem Ergebnis zeigte sich die Polizei sehr zufrieden.  Das kurioseste Ereignis in diesem Jahr: Ein Bochumer fuhr laut Angaben der Polizei zwar die erlaubte Geschwindigkeit, missachtete dabei aber zwei rote Ampeln. Als die Beamten den Senioren anhielten, soll er seine Tat sofort zugegeben haben. Die Begründung des Mannes: Er habe am Tag des Blitz-Marathons besonders auf die Geschwindigkeit geachtet, dabei habe er die roten Ampeln einfach übersehen. Die Polizisten schrieben ihm trotz der ungewöhnlichen Begründung eine Anzeige.

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Castrop-Rauxel

16 Stunden waren die Beamten an insgesamt 92 Messstellen im Kreis Recklinghausen unterwegs, um die Geschwindigkeit zu kontrollieren, acht Stellen waren es in Castrop-Rauxel. 464 Fahrzeuge kontrollierte die Polizei, dabei stellten sie 25 Geschwindigkeitsverstöße fest. Die höchste gemessene Geschwindigkeit in einer 50er-Zone lag bei 74 Kilometer pro Stunde, die meisten Autofahrer fielen aber in 30er-Zonen mit erhöhter Geschwindigkeit auf.

Besonders auffällig und dreist war ein Autofahrer aus Schermbeck, der in Castrop-Rauxel unterwegs war. Er wurde gleich zweimal hintereinander geblitzt. Zunächst war er in einer 30er-Zone mit 66 Kilometer pro Stunde unterwegs – doppelt so schnell wie erlaubt. Nach der Messung war er so uneinsichtig, dass er mit 59 Kilometer pro Stunde von der Messstelle der Polizei wegfuhr und dabei erneut geblitzt wurde. Ihn erwarten nach dieser Aktion mindestens vier Wochen Fahrverbot, zwei Punkte in der Verkehrssünderdatei in Flensburg und eine saftige Geldbuße.

Die Polizei zieht nach dem zweiten europaweiten Blitzmarathon aber ein positives Fazit. Grundsätzlich seien die Autofahrer langsamer unterwegs als noch im Vorjahr. Wurden im vergangenen Jahr noch 10400 Fahrzeuge im Kreis gemessen, waren es am Donnerstag nur noch 8910. Davon waren 324 zu schnell unterwegs, 2015 waren es 391.

Dortmund und Lünen

119.823 kontrollierte Fahrzeuge, 2.553 Geschwindigkeitsverstöße, 25 zu erwartende Fahrverbote - das ist der Blitz-Marathon im Zuständigkeitsbereich der Polizei Dortmund in nackten Zahlen. Die Beamten waren auf den Straßen in Dortmund und Lünen sowie auf den Autobahnen des Regierungsbezirks Arnsberg unterwegs. An Messstellen, die die Beamten aus den einzelnen Wachbereichen selbst vorgeschlagen hatten - weil sie die Gefahren dort und auch die Verlockungen für Raser aus ihrer täglichen Arbeit kennen.

Spitzenreiter in Dortmund war eine Motorradfahrerin auf der Brackeler Straße. Sie überschritt die zulässige Höchstgeschwindigkeit von erlaubten 100 km/h um vorwerfbare 69 km/h. In Lünen fuhr ein Verkehrsteilnehmer mit 77 km/h bei erlaubten 50 km/h und somit mit einer vorwerfbaren Überschreitung von 24 km/h durch das Stadtgebiet.

Insgesamt zieht der Polizeiführer des Einsatzes, der Leitende Polizeidirektor Ralf Ziegler, eine positive Bilanz zum neunten Blitz-Marathon im Bereich des Polizeipräsidiums Dortmund: „Lediglich etwas mehr als 2 % Prozent der gestern kontrollierten Fahrerinnen und Fahrer waren zu schnell unterwegs - damit sind wir sehr zufrieden.“

Ziegler weiter: „Ich gehe daher davon aus, dass wir die Menschen mit unseren Botschaften zum Blitz-Marathon mittlerweile erreicht haben. Viele der Verkehrsteilnehmer haben verstanden, dass es uns darum geht, Unfälle zu verhindern - und damit möglicherweise Leben zu retten!“

Kreis Coesfeld

7107 gemessene Fahrzeuge im Kreis Coesfeld an 39 Kontrollstellen, 205 davon zu schnell unterwegs.Zum Vergleich: 2015 gab es nur zwölf Kontrollstellen, 5300 gemessene Fahrzeugführer und 82 Verstöße. Das an mehr Orten gemessen wurde erklärt Martin Pollmann, Leiter der Polizeipressestelle so: "Das lag am Konzept. Wir haben vorher Kontrollstellen schnell wieder verlassen, wenn klar wurde, dass hier niemand zu schnell fährt. Dadurch war die Polizei auf der Straße in der Wahrnehmung der Menschen eigentlich präsenter - denn sie war viel unterwegs." Die Idee dahinter: "Wir haben auf den Effekt gesetzt, dass beim Ansehen von Streifenwagen einige mehr animiert werden, angemessen zu fahren." Das habe aber nicht funktioniert. 

Unrühmlicher "Tagessieger" war ein Motorradfahrer aus dem Kreis Recklinghausen, der auf der Landstraße 810 bei Südkirchen bei erlaubten 70 km/h mit 103 Stundenkilometern unterwegs war. An der Messstelle an der Landstraße 810 stellte die Polizei bei zwölf Motorradfahrern fest, dass sie zu schnell unterwegs waren. Auf dieser Straße im Ortsgebiet von Nordkirchen gab es besonders viele Verstöße.

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Pollmann dazu: "Die Zahl der gemessenen Motorradfahrer in den ersten schönen Tagen eines Jahres finde ich jedenfalls bedenkenswert. Die letzten Jahre hatten wir immer wieder schwere Motorradunfälle – oft auch von Fahrern, die nicht aus dem Kreis Coesfeld gekommen sind. Unser Kreis – die Baumberge als Stichwort – scheint attraktiv für Motorradfahrer aus dem Ruhrgebiet zu sein. Aber zwölf zu schnell fahrende Motorräder an einem Nachmittag, das ist schon verrückt."

Trotzdem zieht der Polizeisprecher folgende Bilanz: "Ich bin nur bedingt zufrieden. Die Relation aus Gesamtzahl der gemessenen Fahrzeuge und der Verstöße ist in diesem Jahr schlechter als 2015. Ich mache das daran fest, dass die mediale Aufmerksamkeit diesmal nicht mehr so groß war wie sonst. Es liegt sicher auch am schönen Wetter – die Leute hatten das vielleicht nicht so auf dem Schirm." Besser versteckt sollen die Kontrolleure nicht gewesen sein: "Wir treten offen auf. Heckenschützenmethoden haben wir nicht nötig." 

In NRW ist der Blitz-Marathon seit 2010 ein Baustein der Strategie für mehr Verkehrssicherheit. Belief sich die Zahl der Verkehrstoten durch überhöhte Geschwindigkeit 2011 noch auf 235 Verkehrstote, waren es letztes Jahr 159. Das sind rund ein Drittel weniger. Im Kreis Coesfeld gab es 2015 mit 9 getöteten Verkehrsteilnehmern einen großen Rückgang bei den Verkehrstoten: Im Jahr 2014 verloren noch 18 Verkehrsteilnehmer ihr Leben auf den Straßen im Kreisgebiet.

Kreis Unna

Der Blitzmarathon im Kreis Unna hat in diesem Jahr ein deutliches Ergebnis im Vergleich zum Blitzmarathon 2015: Die Polizei kontrollierte weniger Fahrzeuge, aber stellte mehr Verstöße wegen überhöhter Geschwindigkeit fest. So meldete sie 4976 Fahrzeuge, 218 Fahrer waren zu schnell. Nicht mit in der Berechnung: Die Stadt Lünen, da die Polizei Dortmund für diesen Ort zuständig ist.  „Trotz vieler Ankündigungen“, so die Polizei weiter, waren das im Gegensatz zum Vorjahr mehr Verstöße (damals 169) bei weniger gemessenen Fahrzeugen (damals 6560). Hat das vielleicht mit „besseren“ Blitzerstandorten oder einem versteckterem Auftreten zu tun? „Das kann ich mir nicht vorstellen, dann wir haben ja die Blitzerstandorte vorher mehrfach angekündigt“, so Thomas Röwekamp, Sprecher der Behörde. In Selm, Schwerte und Werne, so der Sprecher, gab es in diesem Jahr keine besonderen Vorkommnisse.

„Rekordhalter“ im negativen Sinne war ein Fahrer, auf den zwei Punkte in Flensburg und vermutlich 160 Euro Bußgeld zukommen. Er fuhr bei einem Tempolimit von 70 km/h mehr als 50 km/h zu schnell. Die Polizei maß ihn belastbar bei 119 km/h – das heißt: nach Abzug der Toleranz, die in einer möglichen Unschärfe bei der Messung zusammenhängt und gesetzlich geregelt ist.  Der Kreis Unna beteiligte sich auch an den Messungen. Er hat ja die den Bürgern oftmals schon bekannten Messwagen, die am Straßenrand stehen und nach hinten und nach vorne durch die Scheiben den Verkehr kontrollieren. Von den fast 3300 Messungen fielen 235 als zu schnell aus.

Und was sagt nun die Polizei in ihrer Bilanz? Thomas Röwekamp: „Der Blitzmarathon wird intensiv und häufig angekündigt. Dass es immer wieder zu so vielen Verstößen kommt, ist überraschend.“ Seine Mutmaßung: „Vielleicht nehmen einige Verkehrsteilnehmer ihn einfach nicht mehr ernst genug. Er ist durchaus umstritten, aber wir versuchen untere anderem damit, die Fahrzeugführer zu einem Umdenken zu bringen.“ 

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