Eines der Lieblingsbücher des Lüner Erfolgs-Autors Dirk Husemann ist „Ein Jahr voller Wunder", in dem an jedem Tag des Jahres ein klassisches Werk vorgestellt wird. „Auch für Nicht-Klassik-Fans geeignet", sagt er. © Kristina Gerstenmaier
Lesestoff

Spannung, Romantik, Grusel: Lüner Autoren empfehlen ihre Lieblingsbücher

Ab aufs Sofa: Mit den Lieblingsbüchern von Dirk Husemann, Dorothea Stiller oder Sabine Ludwigs geht das gut. Gänsehaut, Grusel, Spannung, Witz und Romantik, Musik: Von allem ist etwas dabei.

Herbstzeit ist Lesezeit. Umso mehr, da die Corona-Zahlen Rekorde schreiben, das graue Wetter Corona-konformere Outdoor-Veranstaltungen verregnet und vernebelt. Gemütlich aufs Sofa kuscheln und in fremde Welten abtauchen, die raue Umgebung da draußen für eine Weile mal ausblenden. Wir haben Menschen gefragt, die selbst Schriftsteller sind, mit welchen Büchern das am besten geht: Lüner Autoren geben Buch-Empfehlungen, erzählen über ihre Lieblingsliteratur und davon, was das jeweilige Buch für sie bedeutet.

Sabine Ludwigs empfiehlt:
„Der stille Herr Genardy“ von Petra Himmelsfahr

„Petra Himmelsfahr hat großes erzählerisches Talent. Sie schafft es, ohne blutige Massaker Spannung aufzubauen“, begründet Sabine Ludwigs die Wahl ihres Lieblingsbuchs. Die Lünerin ist Autorin mehrerer Romane, die sich in das Genre „Thriller“ einordnen lassen: „Stirb! Rotköpfchen“, „Acht Tage bis zur Ewigkeit“ oder „Meine Seele weiß von dir“. Außerdem veröffentlichte sie mehrere Kinderbücher und zahlreiche Kurzgeschichten. Liest sie selbst, sind es ebenfalls am liebsten Thriller. Aber nicht die blutigen, sondern die, die auf subtile Art die Grausamkeit des Lebens beschreiben. „Weil es ja auch die Wirklichkeit sein könnte“, sagt sie. Ich versuche nachzuvollziehen, wie Menschen anderen Menschen bestimmte Dinge antun können.“

Sabine Ludwigs ist durch ihre Thriller bekannt geworden.
Sabine Ludwigs ist durch ihre Thriller bekannt geworden. © Sabine Ludwigs (Archiv) © Sabine Ludwigs (Archiv)

In „Der stille Herr Genardy“, 1997 mit Iris Berben in der Hauptrolle verfilmt, geht es um einen stillen, freundlichen, unauffälligen Herrn aus der Nachbarschaft – Herrn Grenady. Als ganz in der Nähe ein kleines Mädchen missbraucht und tot aufgefunden wird, beginnt die alleinerziehende Mutter, bei der Grenady zur Untermiete wohnt, an seiner Harmlosigkeit zu zweifeln. Das Buch handelt von Kindesmissbrauch und davon, dass meist nicht „die Fremden“ dafür verantwortlich sind.

„Besonders faszinierend finde ich, dass es Petra Himmelsfahr gelungen ist, dass man auch in dem Kopf dieses Mannes ist“, sagt Sabine Ludwigs. „Man entwickelt keinen Hass. Und das ist das eigentlich Gruselige daran.“ Das Thema sei zeitlos, spannend und fesselnd. Die 57-Jährige bewundert dabei an ihrer Autoren-Kollegin die stille, ruhige Art, in der sie schreibt. Auch bei anderen ihrer Bücher, die sie fast alle gelesen hat. „Die Frau wickelt Sie einfach ein“, so Ludwigs.

Nach einer dreijährigen Schreibpause hat die Lünerin gerade ebenfalls einen neuen Thriller fertig geschrieben. „Sweet Home Sweet“ handelt von einer Frau, die ihr Leben wie das Drehbuch einer Daily Soap geplant hat und alles dafür tut, den Plan zu erfüllen. Es erscheint voraussichtlich im Herbst 2022.

Wenn es draußen grau in grau ist, lockt das Sofa – und ein Buch. © dpa © dpa

Dirk Husemann empfiehlt:
„Ein Jahr voller Wunder. Klassische Musik für jeden Tag“
von Clemency Burton Hill

Dirk Husemann ist Erfolgs-Autor zahlreicher historischer Romane und zuletzt – gemeinsam mit seiner Frau Jutta Wieloch – des Toscana-Krimis „Trattoria Mortale – Die tote Diva“.

Er selbst liest alles, was ihm in die Finger kommt, wie er sagt: Krimis, Thriller, Fantasy, ab und zu einen Klassiker.

Empfehlen möchte der 56-jährige Lüner ein Sachbuch: „Ein Jahr voller Wunder. Klassische Musik für jeden Tag.“ In dem Buch werden auf je einer Seite in kurzen Beschreibungen klassische Musikstücke vorgestellt. Quer durchs Jahr zieht die Autorin Tage der Erstaufführungen, Todes- oder Geburtstage heran, um Komponisten und ihre Werke vorzustellen. Dazu erzählt sie viel zu den Hintergründen der Stücke, zum Beispiel unter welchen Umständen sie entstanden sind.

„Wenn man das Buch zehn Tage benutzt hat, geht einem das Herz auf“, sagt Husemann. „Ich genieße es, mich hinzusetzen und das Klassikstück des Tages vorzulesen“, erzählt er. Dazu gibt es das Stück dann auch über den Streaming-Dienst seiner Wahl zu hören. „Das Buch erzählt die Geschichten hinter der Musik, Geschichten, die helfen, die Musik zu verstehen.“

Gerade hat Dirk Husemann einen weiteren Roman fertig gestellt: „Die Beute. Auf der Flucht mit der Mona Lisa“. Der Roman spielt 1940 in Frankreich. Colonel Pierre Delort, Organisationsgenie der französischen Armee, erhält einen unmöglichen Auftrag: Er soll über 3000 Gemälde, Statuen und Artefakte aus dem Louvre evakuieren, bevor die Deutschen in Paris einmarschieren. Den größten Schatz trägt Delort stets im Handgepäck bei sich: die Mona Lisa. „Die Beute“ erscheint im Februar 2022.

Die Lüner Autorin Dorothea Stiller hat ihren zweiten Inselmord-Krimi veröffentlicht.
Die Lüner Autorin Dorothea Stiller hat ihren zweiten Inselmord-Krimi veröffentlicht. © Dorothea Stiller © Dorothea Stiller

Dorothea Stiller empfiehlt:
„Emilia und das Flüstern von Liebe“ von Angelika Lauriel

„Ich lese gerne Sachen, die Realitätsflucht ermöglichen“, verrät Dorothea Stiller. „Das Leben ist schon hart genug. Es darf Anspruch haben und tiefgehend sein, muss aber auf jeden Fall gut ausgehen.“ Solche Bücher schreibt die 47-Jährige auch selbst: So wie ihre „Inselmord“- Reihe, Bücher wie „Tod im Theater“ oder „Tödliche Zeiten“ aus dem Genre „Cosy Crime“, also „gemütlicher, heimeliger Krimi“. Auch bei ihren historischen Romanen wie „Ein unverhofftes Winterwunder“, geht dieses Prinzip auf.

Ihre Buchempfehlung geht ebenfalls in diese Richtung. „Dieses Buch, ‚Emilia und das Flüstern von Liebe‘ von meiner lieben Kollegin Angelika Lauriel, hat etwas von ‚Die wunderbare Welt der Amelie‘. Es ist genau das richtige für nebelige Herbsttage auf dem Sofa. Es ist leise und ruhig und es geht viel um Gefühle. Es ist ein sehr zartes Buch.“

Emilia, Ende 30, arbeitet als Theater-Souffleuse. Sie ist introvertiert und verträumt. Als ihre Mutter in ein Pflegeheim zieht und Emilia ihr Zuhause verlassen muss, ändert sich ihr Leben komplett. Plötzlich muss sie es alleine regeln. In dieser Lebenssituation verliebt sie sich in die Bühnenfigur eines Schauspielers, dem sie Liebesbriefe zu schreiben beginnt. „Es geht um eine sehr verträumte Protagonistin und ist ein sehr fantasievolles Buch“, beschreibt Dorothea Stiller.

Sie selbst ist kurz davor, den dritten Band ihrer „Inselmord“-Reihe „Inselmord und Hochzeitsglocken“, fertig zu stellen. Er soll im Frühsommer nächsten Jahres erscheinen.

Günter Sehrbrock empfiehlt:
Nacht unter Wölfen von Bruno Apitz

Der 96-jährige Günter Sehrbrock hat bereits 23 Bücher veröffentlicht.
Der 96-jährige Günter Sehrbrock hat bereits 23 Bücher veröffentlicht. © Verlag Dortmunder Buch © Verlag Dortmunder Buch

„Ich lese alles, was ich irgendwie finden kann“, erzählt Günter Sehrbrock. Seit einigen Jahren werden die Augen des 96-jährigen gebürtigen Lüners aber immer schwächer, sodass er inzwischen fast blind ist. Seine Wahlheimat Münster verfügt aber über eine ausgezeichnet ausgestattete Blindenhörbücherei, aus der er sich wöchentlich ein Exemplar holt: Biographien (Hillary Clinton, Willy Brandt, Beethoven), Romane, am liebsten Abenteuer- oder Anti-Kriegs-Geschichten, Städtebeschreibungen. „Bücher begeistern mich alle“, gesteht er. So sehr, dass er selbst inzwischen 22 Stück veröffentlicht hat. Zuletzt ist „Stempelgeld“ erschienen, ein Roman der in der Weimarer Republik spielt. Schauplatz ist Lünen. Paul, ein heimgekehrter Soldat, muss sich arbeitslos und hungrig durch die Jahre zwischen Kaiserreich und Machtergreifung der Nationalsozialisten schlagen.

Auch das Buch, das Sehrbrock empfiehlt ist eine Kriegsgeschichte: Im Frühjahr 1945 wird ein dreijähriger Junge in das Konzentrationslager Buchenwald eingeschleust. Es ist die Geschichte der Rettung eines Kindes, des Widerstands gegen den Faschismus und der Menschlichkeit. „Das Thema allein fasziniert mich schon und wie es möglich ist, das Leben des Jungen zu retten. Es ist einfach eine Geschichte, die unter die Haut geht“, begründet Günter Sehrbrock seine Auswahl.

Über die Autorin
Freie Mitarbeiterin
In und um Stuttgart aufgewachsen, in Mittelhessen Studienjahre verbracht und schließlich im Ruhrgebiet gestrandet treibt Kristina Gerstenmaier vor allem eine ausgeprägte Neugier. Im Lokalen wird die am besten befriedigt, findet sie.
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Kristina Gerstenmaier

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