Spargelfreunde werden sich freuen - in diesem Jahr dürfte die Ernte spätestens Anfang April beginnen. Biobauer Vitus Schulze Wethmar sieht dies auch als eine Folge des Klimawandels.

Lünen

, 06.03.2019, 16:45 Uhr / Lesedauer: 3 min

Seit zwei Wochen ist Landwirt Vitus Schulze Wethmar mit seinen Mitarbeitern schon auf den Feldern des Bio-Bauernhofs in Wethmar bei der Arbeit. Deutlich früher als in vergangenen Jahren. „Die sandigen Felder kann man als erstes bearbeiten und das sind eben die Spargelfelder.“ Auch die ersten Möhren sind bereits ausgesät. 15 verschiedene Gemüsesorten werden auf dem Biohof angebaut und zwischen April und Oktober geerntet.

Spargel könnte dieses Jahr sehr früh geerntet werden, möglicherweise schon Ende März.

Spargel könnte dieses Jahr sehr früh geerntet werden, möglicherweise schon Ende März. © picture alliance / dpa

Der erste Spargel könnte in diesem Jahr auf den Feldern des Bio-Bauernhofs schon Ende März gestochen werden, spätestens aber in der ersten Aprilwoche. Das wäre in den zurücklegenden Jahren undenkbar gewesen. Im vergangenen Jahr startete die Spargelernte erst Mitte April. In diesem Jahr liegt Ostern spät, da können die Lüner auf jeden Fall Spargel fürs Festtagsmenü einplanen.

„Wir haben Temperatursensoren im Boden und messen so die Temperatur an der Wurzel der Spargelpflanzen“, so Vitus Schulze Wethmar. In diesem Jahr wurden Ende Februar 40 cm unter dem Hügel neun Grad gemessen, in den Jahren zuvor lag die Temperatur zur gleichen Zeit bei unter fünf Grad.

Die Tendenz bei den Landwirten, die Gemüse und Getreide anbauen, geht dahin, das Risiko zu streuen. „Eine relativ breite Fruchtfolge ist sinnvoll, um das Risiko zu mindern, dass das Klima die Ernte gefährdet, weil es zu trocken oder zu regnerisch ist“, so Petra Drees, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes. Das Hauptproblem sei, so Bernhard Rüb von der Pressestelle der Landwirtschaftskammer NRW, dass der Klimawandel nicht berechenbar sei.

Pflanzen haben eine innere Uhr

„Im vergangenen Jahr hatten wir einen Dürresommer, davor zwei sehr nasse Perioden“, sagt Rüb. Wüsste man eindeutig, dass 2020 das Wetter in Deutschland wie in Andalusien oder der Provence sein wird, könnte man sich darauf einstellen. Dennoch müsse man bei den Pflanzen auch die jeweilige Tageslänge bedenken, denn die sei für die innere Uhr der Pflanzen verantwortlich. Und die Tageslänge ist in Deutschland im Sommer nun einmal anders als in Spanien oder Südfrankreich. Rüb: „Deshalb kann man nicht einfach Sorten aus anderen Klimazonen exportieren.“

Die Dämme brauchten Regen, damit sie richtig halten. Hier wird dann der Spargel gestochen.

Die Dämme brauchten Regen, damit sie richtig halten. Hier wird dann der Spargel gestochen. © Beate Rottgardt

In diesem Jahr war der Frühling schon mal im Februar auf Stippvisite. Sehr früh. Das sieht Vitus Schulze Wethmar mit Sorge: „Ich hoffe, dass die Natur noch etwas gebremst wird, sonst steht alles viel zu früh in voller Blüte.“ Wenn dann noch einmal Frost kommt, geht viel kaputt. Dem 38-Jährigen sind der Regen und die etwas kälteren Temperaturen derzeit viel lieber.

Drei Jahre brauchen junge Spargelpflanzen bis zur Ernte

Die Spargelpflanzen bekommt der Biohof, wenn sie ein Jahr alt sind, von einem speziellen Pflanzenzüchter. Spargel von den neuen Pflanzen, die dieses Jahr in die Felder gesetzt werden, kann erst 2021 geerntet werden, allerdings dann nur drei Wochen lang, weil sie noch geschont werden müssen. Die erste richtige Ernte ist 2022 möglich.

Der Spargel, der dieses Jahr erstmals in der Saison gestochen wird, ist 2016 gepflanzt worden. „Etwa fünf bis sieben Jahre bringt eine Pflanze Spargel“, so Schulze Wethmar. Spargelpflanzen wurzeln sehr tief, der Bio-Landwirt hofft, dass seine Pflanzen im vergangenen trockenen Jahr nicht zu viel von ihrem Wurzelwerk verloren haben. „Die Wasserspeicher im Boden sind noch nicht wieder aufgefüllt. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass es mal in einem Februar so auf den Feldern gestaubt hat.“

Neue Sorten, die besser Trockenheit vertragen

Er ist sicher: „Da wird klimamäßig in Zukunft auf uns Landwirte einiges zukommen.“ Während er Kartoffeln pflanzt und im selben Jahr ernten kann, sei Ausfall bei Spargel langfristiger. Möglicherweise müsse man in einigen Jahren neue Sorten züchten, die resistenter bei Trockenheit sind. Aber das, sagt Petra Drees, braucht natürlich viel Zeit.

Neue Sorten sieht Bernhard Rüb von der Landwirtschaftskammer nicht als einzige Lösung. „Natürlich könnte man neue Züchtungen angehen, aber was ist, wenn es dann einen nassen Sommer gibt und trocken-resistente Pflanzen damit nicht klar kommen? Wir hatten auch schon mal 20 Jahre lang eher milde Winter und dann 2010/11 Frostschäden auf 60.000 Hektar Fläche.“

Die Arbeiten auf den Spargelfeldern laufen bereits seit Mitte Februar.

Die Arbeiten auf den Spargelfeldern laufen bereits seit Mitte Februar. © Beate Rottgardt

Auf dem Biohof in Lünen wird zu 95 Prozent weißer Spargel angebaut und geerntet. Es gibt aber auch seit einigen Jahren grünen Spargel und zum zweiten Mal lila Spargel, der vor allem als Rohkost gefragt ist, denn wenn man ihn brät oder kocht, verliert er seine lila Farbe. Übrigens dominiert in allen anderen umliegenden Ländern der grüne Spargel, der nicht geschält werden muss. Die Deutschen jedoch bevorzugen den weißen Spargel. Zu den Preisen für Spargel der Saison 2019 könne er erst etwas sagen, wenn die Ernte tatsächlich beginnt, so Vitus Schulze Wethmar.

Temperaturen sind angestiegen

Die Bio-Bauern leiden unter den Folgen des Klimawandels am meisten, hat Bernhard Rüb von der Landwirtschaftskammer beobachtet. Aber auch alle anderen Landwirte machen sich Gedanken und deshalb stand das Thema im Mittelpunkt der Kreisverbandstagung des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes. Sprecherin Petra Drees: „Im Laufe der letzten 100 Jahre sind die Temperaturen um 1 bis 1,5 Grad angestiegen. Die Tendenz ist, dass sie weiter steigen. Wir können aber auch kalte Jahre bekommen. Es ist nicht einfach, sich darauf einzustellen.“

Wütend reagierten Landwirte auf den Vorwurf, die Landwirtschaft sei mit schuld am Klimawandel, so Bernard Rüb. Er sagt:. „Essen muss man täglich, Auto fahren nicht.“

Lesen Sie jetzt