Seit Anfang dieses Jahres führen Heiko Rautert (r.) als Vorstandsvorsitzender der Sparkasse an der Lippe und Vorstand Martin Abdinghoff die Geschäfte des Geldinstituts. Ende 2020 war der frühere Vorstandschef Thomas Lohmann in den Ruhestand gegangen. © Goldstein (A)
Geldanlage

Sparkasse an der Lippe führt Negativzinsen für Privatkunden ein

Die Sparkasse an der Lippe will noch in diesem Jahr Negativzinsen für ihre Privatkunden einführen - nur ein Bruchteil der Sparkassen-Kundinnen und -Kunden soll jedoch davon betroffen sein.

Die Dortmunder Volksbank mit ihren Niederlassungen in Lünen und Brambauer hat es vorgemacht, jetzt zieht die Sparkasse an der Lippe (Lünen/Selm/Werne) nach:

Das öffentlich-rechtliche Geldinstitut mit Sitz in Lünen führt noch in diesem Jahr Negativzinsen für Privatkunden ein. Kleinsparer sollen nicht betroffen sein.

Das kündigten Heiko Rautert, seit Anfang dieses Jahres Vorstandsvorsitzender der Sparkasse an der Lippe, und Vorstand Martin Abdinghoff am Montag (26. April) in einem Pressegespräch an.

Negative Marktzinsen kosten

„Seit 2014 hat die Sparkasse an der Lippe ihre Privatkunden vor den Auswirkungen der negativen Marktzinsen, die wesentlich durch die Geldpolitik der EZB beeinflusst werden, schützen können. Keine Sparkasse möchte auf Kundeneinlagen ein Verwahrentgelt erheben, aber auch hier können wir uns dieser Entwicklung nicht verschließen“, sagte Heiko Rautert:

„Wir werden deshalb in diesem Jahr ein Verwahrgeld im Privatkundenbereich flächendeckend einführen, bei dem es allerdings hohe Freigrenzen geben wird, so dass ca. 98 Prozent der Kunden nicht betroffen sind.“

Die zum 1. Januar 2016 aus der Sparkasse Lünen/Selm und der Stadtsparkasse Werne zusammengeschmolzene Sparkasse an der Lippe zählt etwa 76.000 private und gewerbliche Kunden. Die Freigrenze soll für Gewerbetreibende bei 250.000 Euro liegen, für private Kunden bei 100.000 Euro pro Kopf, für Eheleute also bei 200.000 Euro.

Zum genauen Starttermin für die Einführung des sogenannten Verwahrgeldes, im Volksmund auch Strafzinsen genannt, machten die Vorstände keine Angaben.

„Wir werden in den kommenden Wochen mit den Betroffenen Gespräche führen und ihnen alternative Anlageformen vorstellen“, sagte Sparkassen-Vorstand Martin Abdinghoff.

Die Einführung eines Verwahrgeldes beziehungsweise Negativzinsen für Privatkunden begründete Sparkassenvorstand Martin Abdinghoff mit den hohen Kundeneinlagen im abgelaufenen Geschäftsjahr 2020:

„Wir könnten mit den Marktergebnissen wirklich uneingeschränkt zufrieden sein, wären da nicht die negativen Zinsen, die die Rentabilität der Sparkassen stark belasten“, sagte Abdinghoff.

Überhang bei Kundeneinlagen

„Die Passivseite, also die Kundeneinlagen, weisen ein Wachstum von 148 Millionen, vornehmlich von Privatkunden auf. Das entspricht einem Plus von 16 Prozent bei Privatkunden. Die Gelder landen zum Großteil im ‚Vorsichtssparen‘, sind also kurzfristig verfügbar. Nicht alles konnte die Sparkasse in Form von Krediten wieder ausleihen, der Passivüberhang stieg auf 254 Millionen Euro.“

Und das ist das Problem: Mit diesen Einlagen sei es kaum möglich zu arbeiten, weil sie täglich abverfügt werden könnten, sagte Heiko Rautert: „Ganz im Gegenteil: Hierfür zahlen wir 0,5 Prozent Negativzinsen bei der Bundesbank und das kostet uns erhebliches Geld.“ Und diese 0,5 Prozent sollen nunmehr auch an Privatkunden weitergegeben werden, wenn sie weiterhin am „Vorsichtssparen“ festhalten.

Wertpapiere für Vermögensaufbau

Das muss nach Angaben der Sparkassen-Vorstände nicht sein: Wie es Montag hieß, empfehle die Sparkasse nicht nur in Zeiten anhaltender Niedrigzinsen den Vermögensaufbau in Wertpapieren, insbesondere Fonds, die sich durch eine Risikostreuung auszeichnen.

„Das haben wirklich viele unserer Kunden getan und sind sehr gut damit gefahren“, sagte Martin Abdinghoff. Netto sei der Absatz von Wertpapieren im Geschäftsjahr 2020 um 21,1 Millionen Euro gestiegen, sagte Abdinghoff weiter: „Insbesondere das regelmäßige Sparen in Fonds wird in Anbetracht der Zinssituation immer beliebter. Der Bestand an Wertpapiersparverträgen stieg um mehr als 2.000 Stück.“

Über den Autor
Redaktion Lünen
Jahrgang 1968, in Dortmund geboren, Diplom-Ökonom. Seit 1997 für Lensing Media unterwegs. Er mag es, den Dingen auf den Grund zu gehen.
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Torsten Storks

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