Michael Thews sitzt am Frühstückstisch in der Küche seiner Doppelhaushälfte in Lünen-Brambauer: „Ich mag Deftiges und danach Süßes.“ © Storks
Bundestagswahl 2021

SPD-Kandidat Michael Thews ist lieber barfuß unterwegs

„Wer nur mit Hilfe des Abgeordnetenstuhls existenzfähig ist, der kann keine gute Politik machen.“ Das sagt Michael Thews (57), der seine dritte Amtszeit im Deutschen Bundestag anstrebt.

Barfuß oder Lackschuh? Michael Thews (57) zögert keine Sekunde: „Barfuß natürlich“. Ohne mit den dunklen Wimpern zu zucken, beantwortet der Lüner Sozialdemokrat die Frage seines Frühstücksgastes. Es sei ihm wichtig, immer Bodenkontakt zu haben.

Seit 2013 sitzt der heute 57-Jährige für den Wahlkreis 145 Hamm/Unna II mit den Kommunen Hamm, Lünen, Selm und Werne im Deutschen Bundestag. Und wenn es nach Thews geht, wie könnte es auch anders sein, sollen es weitere vier Jahre in der Hauptstadt Berlin werden.

Wobei er selbstbewusst betont, dass er „sich zurzeit überhaupt keine Gedanken darüber macht was passiert“, wenn es bei Bundestagswahl am 26. September nichts wird mit seiner Wiederwahl:

„Erstens gehe ich davon aus, dass es klappt, und zweitens muss ich auch den Kopf frei haben für den Wahlkampf.“ Und auch außerhalb der Wahlkampfzeiten sei die Sorge um den potenziellen Verlust des Mandates kein Thema.

„Wer nur mit Hilfe des Abgeordnetenstuhls existenzfähig ist, der kann keine gute Politik machen.“

Wir haben mit Michael Thews nicht nur über die politischen Inhalte zur Bundestagswahl 2021 gesprochen, sondern auch über persönliches.
Wir haben mit Michael Thews nicht nur über die politischen Inhalte zur Bundestagswahl 2021 gesprochen, sondern auch über persönliches. © Torsten Storks © Torsten Storks

Einfach eingerichtet zu Hause

Dass Thews eher der bodenständige Typ ist wie er sagt, dafür spricht neben dem einfach und übersichtlich eingerichteten Wohnzimmer und der Küche, auch der von ihm eigenhändig eingedeckte Frühstückstisch an diesem Montagvormittag.

Die Zahl der Möbelstücke im Wohnzimmer hält sich neben der herausstechenden roten Wohnzimmercouch und dem von ihm fotografierten und nachträglich am Computer bearbeiteten Bild in ganz engen Grenzen, die in weiß gehaltene Einbauküche glänzt durch Funktionalität. Diese Übersichtlichkeit setzt sich auf dem Frühstückstisch fort:

Da ist der gut sortierte Korb mit Körnerbrötchen aller Art, neben dem halben Pfund Butter auf der friesisch angehauchten Schale steht der deftige Wurst- und Schinkenteller, wobei der Hausherr an diesem Morgen auf den Verzehr der in Stücke geschnittenen Mettwurst verzichtet.

Italienfan trinkt am liebsten Latte macchiato

Zur Auflockerung des kräftigen Frühstückangebotes dürfen der Vitaminteller mit Tomate und Schlangengurke sowie das selbstgemachte Himbeergelee und der Speisequark nicht fehlen. Normalen Kaffee gibt es übrigens keinen. Italienfan Michael Thews trinkt lieber Latte macchiato.

Dabei plaudert der Politprofi auf Nachfrage ganz entspannt aus dem Nähkästchen. So liegen die Wurzeln von Michael Thews nicht etwa in Lünen. „Ich bin in Bremerhaven geboren und dort auch aufgewachsen – mit meiner leiblichen Schwester.“ Eine Zeit lang habe sein Vater eine Tankstelle betrieben, danach eine Art Restaurant, das einer Reithalle angegliedert war.“

Leidenschaftlicher Koch

„Schon früh“, sagt Michael Thews, „ich glaube das war so mit 14 Jahren, nachdem meine Eltern geschieden waren, habe ich in der Küche des nun von meiner Mutter geführten Gastbetriebes den Ton angegeben.“

An der Leidenschaft zum Kochen hat sich bis heute nichts geändert. „Meine Lebensgefährtin und ich laden uns gerne Gäste ein, für die ich mich dann auch in die Küche stelle.“

Was das Ton angeben angeht, dazu sagt Michael Thews. „Ich bin bestimmt ein Teamplayer. Wenn jedoch schnelle Entscheidungen gefragt sind, dann ist irgendwann Schluss mit diskutieren – ja, ich kann auch ungeduldig sein.“

Michael Thews und seine Lebensgefährtin Michaela Engelmeier haben sich nach dem Einzug in den Deutschen Bundestag 2013 näher kennengelernt.
Michael Thews und seine Lebensgefährtin Michaela Engelmeier haben sich nach ihrem Einzug in den Deutschen Bundestag 2013 bei einer SPD-Fraktionssitzung kennengelernt. © Storks © Storks

Inzwischen hat Thews‘ Lebensgefährtin, Sozialdemokratin und früheres Mitglied der deutschen Judonationalmannschaft Michaela Engelmeier (60) am Frühstückstisch Platz genommen. Seit sieben Jahren sind die beiden ein Paar. Zusammen bewohnen sie die weiß gestrichene Doppelhaushälfte in Lünen-Brambauer und eine kleine Wohnung in Berlin.

Kennen und lieben gelernt

Kennengelernt haben sich Thews und Engelmeier im Herbst 2013 nach der Bundestagswahl. Beide zogen damals erstmalig in den Deutschen Bundestag ein und saßen „bei der ersten Fraktionssitzung der SPD zufällig nebeneinander“.

Und wie das im Leben manchmal so ist, wurde im Laufe der Monate mehr daraus. „Im Juni 2014 waren wir dann richtig zusammen“, sagt Michaela Engelmeier.

Im Gegensatz zu ihrem Lebensgefährten schaffte sie den Wiedereinzug in den Bundestag 2017 nicht, im September versucht es die Generalsekretärin der Deutsch-Israelischen Gesellschaft erneut – für den Oberbergischen Kreis.

Warum nicht doch noch heiraten?

Michael Thews war nie verheiratet. Mit einer früheren langjährigen Partnerin hat er einen erwachsenen Sohn. Dass er noch einmal heiratet, schließt er nicht aus: „Das kann schon sein. Das war eigentlich nie richtig ein Thema.“

Engelmeier hat zwei erwachsene Kinder. Alle zusammen bilden die Patchwork-Familie Thews-Engelmeier, die sich regelmäßig trifft.

„Wirklich Verantwortung zu übernehmen“, lernte Michael Thews im Alter von 22 Jahren. „Da war ich nicht nur Vater eines Sohnes, sondern noch Student an der Universität-Gesamthochschule Paderborn. 1994 schloss er das Studium als Diplom Chemie-Ingenieur ab. Zu seinen größten Errungenschaften der Studienzeit, sagt Thews, zähle die Einrichtung eines Betreuungsraumes für Kinder von Studenten.

Berufspolitiker ist Umweltexperte

Vor seiner Wahl in den Bundestag arbeitete Thews von 1998 bis 2013 als Umweltbeauftragter, Prokurist und Sicherheitsfachkraft bei der Innovatherm GmbH in Lünen. Der Umweltexperte mit sozialdemokratischem Antrieb fährt gerne Motorrad, mag gute Bücher und „trinkt gerne auch mal“ einen guten Rotwein.

Über den Autor
Redaktion Lünen
Jahrgang 1968, in Dortmund geboren, Diplom-Ökonom. Seit 1997 für Lensing Media unterwegs. Er mag es, den Dingen auf den Grund zu gehen.
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Torsten Storks

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