Stadthafen fährt ein Minus von 6,3 Prozent beim Güterumschlag ein

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Deutlichen Gegenwind spürte der Stadthafen 2018. Das Aus des Steag-Kraftwerks und das Rhein-Niedrigwasser reduzierten den Güterumschlag um 6,3 Prozent. Trotzdem steht die schwarze Null.

Lünen

, 19.02.2019, 05:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

In schwierigem Fahrwasser war die Stadthafen Lünen GmbH im vergangenen Jahr unterwegs. Der Güterumschlag ging von 939.000 Tonnen auf 880.000 zurück. Bei der Kohle, dem größten Posten in der Hafenbilanz, schlug das Abschalten des Steag-Kraftwerks durch: Der Umschlag sank von 263.000 auf 174.000 Tonnen. Das entspricht einem Minus von 34 Prozent.

Kohle bleibt für den Hafen wichtig

Trotzdem bleibt die Kohle ein wichtiges Produkt für den Hafen. „Wir bewegen zwar keine Kraftwerkskohle mehr, aber Kohle für die Zementindustrie oder zum Beheizen von Gewächshäusern“, erläutert Geschäftsführer Andreas Hüsing.

Dass er trotz der Zahlen nicht pessimistisch in die Zukunft blickt, liegt daran, dass der Stadthafen in manchen Segmenten mehr verdienen konnte als mit Kohle. Das gilt beispielsweise für Wasserbausteine (23.000 t). Neu im Portfolio sind auch Hüttensand (10.000 t), Kesselasche (18.000 t) und Zement (11.000 t).

Der Umschlag von Serox, ein Tonerde-Rohstoff zur Aufarbeitung von Aluminium-Salzschlacke, stieg von 108.000 auf 137.000 t.

Stahlgeschäft gesteigert

Während Flugasche, die der Stadthafen aus den Kraftwerken in Werne und Bergkamen bekommt, von 110.000 auf 37.000 t (-66 Prozent) zurückging, verdoppelte sich der Umschlag von Gips von 66.00 auf 130.000 t. Und auch Stahl konnte sich um 14 Prozent von 70.000 auf 80.000 t steigern. Mit Stahl ist hauptsächlich Walzdraht gemeint. Hier macht sich der neue Greifer bezahlt. Während früher drei Mitarbeiter zum Verladen nötig waren, kann jetzt einer das Gerät bedienen.

Bei Niedrigwasser Schiffe nur halb beladen

Wie stark sich die Trockenheit des Sommers auf das Hafengeschäft ausgewirkt hat, zeigt die Anzahl der Schiffe: 432 haben 539.000 Tonnen geliefert, im Vorjahr schafften 394 Schiffe 618.000 Tonnen. „Durch das Niedrigwasser konnten die Schiffe oft nur die Hälfte an Ladung aufnehmen“, erklärt Andreas Hüsing.

Er wünscht sich mehr hafen-affine Firmen in Lünen und sieht den Stadthafen als wichtige Drehscheibe im Kreis Unna. Das Unternehmen vernetze Wasser, Schiene und Straße und sorge für weniger Staus. Für die Zukunft wolle man versuchen, den Wegfall der Kraftwerkskohle weiter zu kompensieren. Bei den 32 Mitarbeitern soll Ende des Jahres eine durch Ruhestand frei werdende Stelle nicht mehr besetzt werden.

Lünen ist Teil eines Forschungsprojektes

Doch Hüsing blickt noch weiter in die Zukunft: Lünen ist einer von acht Häfen, die sich am Bundes-Forschungsprojekt zur Entwicklung eines digitalen Hafennetzwerks beteiligen. Will heißen: Züge oder Schiffe kündigen ihr Kommen digital an, sodass personell besser geplant werden kann.

Auch das Thema Container spielt perspektivisch eine Rolle: Dazu müssten allerdings einige Brücken entlang des Datteln-Hamm-Kanals eine Durchfahrtshöhe von 5,25 Meter bekommen. „Sonst können die Schiffe nur einlagig beladen durchfahren, es rechnet sich aber erst, wenn sie zwei Lagen Container aufnehmen können“, so Hüsing. Seiner Meinung nach spreche viel für Containertransport zu Wasser.

Autonome Binnenschifffahrt

Auch Wirtschaftsförderer Eric Swehla sieht den Stadthafen im Zusammenhang mit dem Thema Zukunft der Mobilität. Schon jetzt entlaste die Schifffahrt die Straßen und sei eine gute Transportmethode. Es geben bereits Überlegungen zur autonomen Binnenschifffahrt.

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