Stadtteilarbeit vorm Aus: Geistviertel kämpft für Quartiersmanagement

mlzInnenstadt Lünen

Der Herbst könnte bitter werden für das Geistviertel. Wenn die Stadt Lünen nicht einspringt, stehen die rund 5500 Bewohner dann ohne Anlaufstelle und Kümmerer da.

Lünen

, 17.07.2020, 19:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Lottoladen am Hülshof 7 hat längst dicht. Das, was jetzt dort ist, erscheint vielen im Geistviertel westlich der Innenstadt wie ein Sechser im Lotto: das Quartiersmanagement mit seinem hauptamtlichen Mitarbeiter Tim Jesella. Er ist der Kümmerer des Quartiers, Problemlöser, Netzwerker, Kumpel. Ende Oktober könnte es heißen: Er war.

Förderprogramm läuft Ende Oktober aus

Jesellas Vertrag läuft zum 31. Oktober aus - zusammen mit dem gesamten Förderprogramm für das Quartiersmanagement. Die Glückssträhne in der Geist - einem Viertel mit einem vergleichsweise hohen Anteil an Sozialhilfe- und

Arbeitslosengeldbeziehern, Migranten und älteren Menschen - könnte damit Ende des Jahres ein Ende finden, wenn die Lichter im Lottoladen wieder ausgehen. So weit wollen es die Anwohner nicht kommen lassen.

Etwas versteckt: der ehemalige Lottoladen, der für das Geistviertel ein echter Gewinn ist.

Etwas versteckt: der ehemalige Lottoladen, der für das Geistviertel ein echter Gewinn ist. © Sylvia vom Hofe

„Das Quartiersmanagement ist eine Riesen-Bereicherung“, sagt Armin Ott. Er wohnt nicht nur gerne im Geistviertel, sondern gehört auch zu den „Geistern“: ein Stammtisch, der sich regelmäßig trifft, um die Gemeinschaft im Stadtteil zu verbessern, Nähe zu schaffen, Selbsthilfe zu organisieren - „das Leben besser zu machen“, wie er sagt. Die „Geister“ treffen sich im ehemaligen Lottoladen. Bei Tim Jesella. Eine gute Zusammenarbeit, die nicht wegbrechen darf, wie Ott und die anderen „Geister“ im Stadtteil meinen.

Fernsehlotterie hatte gespendet für Stadtteilarbeit

Die Deutsche Fernsehlotterie finanziert zurzeit die Arbeit im Lottoladen. Die 1956 gegründete gemeinnützige Lotterie unterstützt mit 40 Prozent ihrer Einspiel-Erlöse im Auftrag der ARD und der kommunalen Spitzenverbände bundesweit soziale Projekte: in diesem Fall auch das Quartiersmanagement in Lünen. Ziel ist es, mehr Lebensqualität zu schaffen und den Dialog der Generationen zu fördern. Das sei im Geistviertel gelungen, sagt Horst Störmer.

Er ist so etwas wie ein Urgestein dies Viertels. Und jemand, der die Geschichte seiner Heimat genau kennt: „Der Name Geist hat nichts mit dem Heiligen Geist zu tun“, sagt er. Und auch nicht damit, von allen guten Geistern verlassen zu sein. „Das weist auf die Bodenart hin: Geest.“

Geist ist aus der Geest entstanden

Um 1900 waren die ersten Häuser gebaut worden für Mitarbeiter der damals entstandenen Eisengießerei. Die Geschichte des Stadtteils hat Störmer schon mehrfach auf Spaziergängen und Treffen vermittelt, die Tim Jesella organisiert hat. Quartiersarbeit ist Arbeit für die Heimat, wie er sagt. Und ohne Quartiersarbeit fehle der Heimat was.

„Wir können das Projekt nicht weiterführen“, sagt Matthias Stiller. Wenn er „Wir“ sagt, dann meint er das Deutsche Rote Kreuz. Stiller ist Alleinvorstand des DRK-Kreisverbandes und damit Tim Jesellas Vorgesetzter. Seit November 2019 ist es das DRK, das sich vor Ort in der Geist engagiert - mit Hilfe von Spenden. Wenn die jetzt versiegen, könne der Wohlfahrtsverband die Finanzierungslücke nicht stopfen. „Da müsste die Stadt einspringen.“ Nicht zum ersten Mal.

Stadt müsste einspringen: Mit 48.000 Euro jährlich

Die Stadt Lünen hatte das Quartiersmanagement für die Geist vor fünf Jahren aufgebaut unter dem Titel „Altersgerechtes Quartier“. Zwei Mitarbeiterinnen hatten damals angefangen, den Stadtteil zu beleben, Kontakte zu knüpfen, Gruppen zu bilden. Das DRK hat daran angeknüpft. Inzwischen gebe es eine breite Vertrauensbasis im Viertel, sagt Tim Jesella. „Fünf Jahre reichen nicht, um stabile Strukturen aufzubauen.“ Es brauche weiter eine hauptamtliche Begleitung und eine festen Anlaufstelle. Beides kostet. Das DRK hat die Zahlen offen gelegt.

Von 48.000 Euro im Jahr ist die Rede für die 75-Prozent-Stelle, Miete, Bürobedarf und Kosten für Feste und Aktionen mit den Quartiers-Bewohnern. Ob sich die Stadt Lünen das leisten kann? Dezernent Ludger Trepper verweist auf die Haushaltsberatungen.

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