Der Elektrofilter des ehemaligen Steag-Kraftwerks wurde am Freitag (8. Januar) gesprengt. © Hagedorn
Hagedorn-Gruppe

Steag-Kraftwerk: Große Sprengung unter Ausschluss der Öffentlichkeit?

Am Freitag (8. Januar) hat es erneut eine Sprengung am ehemaligen Steag-Kraftwerk gegeben - die dritte insgesamt. Der ganz große Knall kommt aber noch. Die Frage ist nur: wie?

Nach der Rauchgasentschwefelungsanlage, die in zwei Etappen gesprengt wurde, war nun der Elektrofilter des ehemaligen Steag-Kraftwerks in Lippholthausen fällig: Der Gebäudeteil wurde nach Angaben der Hagedorn-Gruppe, die Eigentümerin des alten Kraftwerks ist, am Freitagnachmittag (8. Januar) planmäßig gesprengt.

„Über 50 Meter misst der am Kesselhaus sitzende Filter und bringt etwa 3000 Tonnen auf die Waage“, teilte Unternehmenssprecherin Judith Roderfeld mit. Zur Staubminderung habe man Wasser aus Feuerwehrschläuchen sowie zusätzliche Wasser- und Nebelkanonen benutzt. „Der Sicherheitsbereich war auf das Kraftwerksgelände begrenzt und fand in Absprache mit den Behörden unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.“

Unmittelbar nach der Zündung kippte das Gebäude wie geplant um.
Unmittelbar nach der Zündung kippte das Gebäude wie geplant um. © Hagedorn © Hagedorn

Genau so war Hagedorn auch bei den beiden bisherigen Sprengungen verfahren. Grund: Man befürchtete im Falle einer Vorankündigung größere Menschenaufläufe, was gerade in Coronazeiten fatal gewesen wäre. Zudem ist die Unternehmensgruppe aus Gütersloh nicht verpflichtet, kleinere Sprenungen anzukündigen.

Sicherheitsradius wird deutlich größer

Bei den großen Sprengungen von Kesselhaus, Kühlturm und Schornstein sieht das hingegen anders aus. Der Zeitplan hat sich laut Judith Roderfeld nicht geändert, es soll nach wie vor im Frühjahr – bisher war stets von Ende März die Rede gewesen – über die Bühne gehen. Allerdings müssen für diese Aktionen größere Maßnahmen getroffen werden – der Radius für die Absperrungen ist deutlich größer als bei den kleinen Sprengungen, wo das Kraftwerksgelände ausgereicht hatte.

Und natürlich kann eine solche Sprengung nicht ohne Information der Öffentlichkeit ablaufen. Und damit steht Hagedorn vor einem Problem: „Durch Corona ist ja alles ein bisschen anders“, sagt Judith Roderfeld. Tatsächlich ist es ziemlich wahrscheinlich, dass zum Zeitpunkt der Sprengung weiterhin Kontakteinschränkungen gelten – möglicherweise nicht mehr so strikt wie ab dem 11. Januar, jedoch geht niemand davon aus, dass das Virus bis dahin aus der Welt ist. „Da müssen wir nun gucken, wie wir das machen“, so die Sprecherin, ohne näher ins Detail zu gehen.

Klar ist: Die Sprengung wird nicht unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden können. Sprengtourismus wird es jedoch auch nicht geben können – eine knifflige Aufgabe, die das Unternehmen und die Behörden in den kommenden Wochen zu lösen haben.

Auf der Baustelle in Lippholthausen geht es indes ungehindert weiter. Ab Februar soll laut Judith Roderfeld dann auch Deutschlands größter Abrissbagger, der KMC1600s, endlich in Lünen eintreffen. Sein Einsatz war ursprünglich schon im Herbst geplant, hatte sich jedoch immer wieder verschoben.

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Redaktion Lünen
Journalist, Vater, Ehemann. Möglicherweise sogar in dieser Reihenfolge. Eigentlich Chefreporter für Lünen, Selm, Olfen und Nordkirchen. Trotzdem behält er auch gerne das Geschehen hinter den jeweiligen Ortsausgangsschildern im Blick - falls der Wahnsinn doch mal um sich greifen sollte.
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Daniel Claeßen

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