Ute Lange ist nach wie vor auf der Suche nach einem Nachfolger, der ihr „Steckenpferdchen mit genauso viel Herzblut führen möchte, wie sie es 30 Jahre lang tat. © Quiring-Lategahn (Archiv)
Einzelhandel

„Steckenpferdchen“: Unsichere Zukunft des Bastelgeschäfts in Lünen

Kunden aus dem weitem Umkreis fragen sich, wie es mit dem Laden für Bastelbedarf an der Münsterstraße weitergeht. Ursprünglich wollte sich Inhaberin Ute Lange Ende 2020 zur Ruhe setzen.

Wie in vielen Läden hängt auch im Schaufenster des „Steckenpferdchens“ seit Mitte Dezember ein Zettel: „Wegen des Lockdowns geschlossen“. So weit, so „normal“. Doch derzeit fragen sich Kunden weit über die Grenzen Lünens hinaus, ob der Laden für Bastelbedarf, der etwas versteckt in einer Nische des Lippezentrums an der Münsterstraße liegt, nach dem Lockdown überhaupt wieder öffnet.

Nicht weil er nicht gut liefe. „Diesen Laden gibt es seit über 30 Jahren in Lünen“, sagt Inhaberin Ute Lange. „Die Kunden schätzen ihn als einen Ort für Beratungen, den persönlichen Kontakt, an dem man hochwertige Bastel-Utentisilien zu realen Preisen bekommen kann. An Kunden mangelt es mir nicht.“ Sondern weil Lange schon im November 2019 angekündigt hatte, sich zur Ruhe setzen zu wollen.

Das „Steckenpferdchen“ liegt etwas versteckt in einer Nische des Lippezentrums an der Münsterstraße. Dennoch läuft der Laden von Ute Lange gut.
Das „Steckenpferdchen“ liegt etwas versteckt in einer Nische des Lippezentrums an der Münsterstraße. Dennoch läuft der Laden von Ute Lange gut. © Nora Varga © Nora Varga

Eine mögliche Nachfolgerin, die den Laden hatte übernehmen wollen, war tatsächlich bald gefunden. Ab dem 1. Januar 2021 sollte sie das „Steckenpferdchen“ mit allem was es an kleinen Schätzen für Bastelbegeisterte birgt, weiterführen. Doch die endgültige Übernahme scheiterte letztlich an den Finanzen.

„Ich habe noch überlegt, dann eben eine Weile Teilhaberin zu bleiben, aber dann wäre ich wahrscheinlich ständig vor Ort gewesen, um nach dem Rechten zu sehen“, erklärt Ute Lange. „Wenn ich das Geschäft übergebe, möchte ich aber einen echten Schlussstrich ziehen.“

Laden öffnet wieder

Nach dem Lockdown wird Ute Lange ihre Ladentür also erst einmal wieder selbst aufsperren. Doch an ihrem Plan, sich bald zur Ruhe zu setzen, hält sie nach wie vor fest: „Mein Herz hängt schon sehr an dem Laden und das ist auch mit vielen Emotionen verbunden“, sagt sie mit brüchiger Stimme. Sie atmet tief durch.

Doch so schwer es ihr fällt, ihre Entscheidung steht fest: Noch in diesem Jahr wird sie sich zurückziehen. Entweder der Laden wird in dieser Form komplett geschlossen – „das wäre dann schon ein herber Verlust“, sagt Lange – oder – „das wäre wie ein Sechser im Lotto“- es findet sich doch noch ein Nachfolger. Einen Stichtag hat sie sich nicht gesetzt, kein konkretes Datum festgelegt. Doch eines steht fest: 2022 wird die gelernte Einzelhandelskauffrau diesen besonderen Laden nicht mehr führen.

Eröffnet hatte Ute Lange ihr „Steckenpferd“ vor 30 Jahren gemeinsam mit einer Freundin am Roggenmarkt. Als die Freundin vor 15 Jahren ausstieg, zog Lange auf die andere Seite der Lippe ins Lippezentrum. Bis vor zweieinhalb Jahren hatte sie noch eine etwas jüngere Mitarbeiterin. Doch seit die in Folge eines Unfalls ebenfalls ausstieg, führt sie das Geschäft alleine.

Fundiertes Bastelwissen

„Ein Nachfolger müsste ein gewisses Kapital mitbringen, um den Laden auszulösen“, formuliert Lange das Profil, „und ein bisschen kaufmännisches Verständnis. Er müsste gut mit den Kunden umgehen können und auf jeden Fall über fundiertes Bastelwissen verfügen.“

Dabei kann sie sich eine dreimonatige Einarbeitungszeit ihres Nachfolgers vorstellen, um Kunden- und Lieferantenkontakte weiterzugeben. „Natürlich gibt es auch Monate in denen es nicht so gut läuft“, fügt sie hinzu, „deswegen müsste derjenige auch eine gute Portion an Idealismus mitbringen.“

Die Suche nach diesem „Sechser im Lotto“ betreibt sie dabei über persönliche Kontakte, vor allem, als der Laden noch geöffnet war, über ihre Kunden. „Mit dem Internet habe ich´s nicht so“, sagt sie.

Unterstützt wird sie dabei auch durch den Bauverein zu Lünen, der als Vermieter des 120 Quadratmeter großen Ladenlokals fungiert. Auf dessen Homepage ist das „Steckenpferdchen“ inseriert. „Anfragen gab es bisher keine“, berichtet Bauverein-Mitarbeiter Lars Podchull, „weder für eine Nachfolge noch für eine andere Nutzung. Aber der Laden gehört unbedingt nach Lünen, so dass wir Frau Lange in ihrer Nachfolgersuche unterstützen, wo wir können.“

Über die Autorin
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In und um Stuttgart aufgewachsen, in Mittelhessen Studienjahre verbracht und schließlich im Ruhrgebiet gestrandet treibt Kristina Gerstenmaier vor allem eine ausgeprägte Neugier. Im Lokalen wird die am besten befriedigt, findet sie.
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Kristina Gerstenmaier

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