10.066 Lüner pendeln zur Arbeit nach Dortmund und fahren täglich 10,8 Kilometer

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In Lünen wohnen, andernorts arbeiten. Oder umgekehrt. Pendlerzahlen steigen seit Jahren. Wir sind der Frage nachgegangen, was die Lippestädtler zu immer weiteren Arbeitswegen treibt.

von Antonia Gutzmann

Lünen

, 23.10.2019, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Allmorgendlich das Auto oder den Zug besteigen und die Gemeindegrenze überfahren, um zur Arbeit zu kommen. Dabei werden oft lange Staus und überfüllte Züge in Kauf genommen. Jedes Jahr werden es mehr Pendler. Auch in Lünen.

Zuletzt betrug die Zahl der Menschen die täglich aus Lünen heraus oder nach Lünen reinpendelten 42.095 (Stand 2017) und damit knapp 4000 Menschen mehr als noch 2013. Das geht aus dem Pendleratlas des Statistischen Landesamtes hervor. Als Grund für die steigende Anzahl an Pendlern werden vor allem der Mangel an bezahlbaren Wohnraum in den Städten und gleichzeitig der Umstand, dass gerade dort in den vergangenen Jahren besonders viele Jobs entstanden sind, genannt.

? Wie sieht es in Lünen aus? Lünen ist tagsüber leerer als nachts: Im Jahr 2017 gab es über 17.000 Einpendler und knapp 25.000 Auspendler (2013: 15.439 Einpendler, 22854 Auspendler). Zusätzlich werden die Verkehrswege von den innergemeindlichen Pendlern belastet - in Lünen sind das ungefähr 15.000 - sowie von denjenigen, die von nördlichen angrenzenden Gemeinden (z.B. Selm, Werne oder Lüdinghausen) kommend auf dem Weg ins Ruhrgebiet, Lüner Stadtgebiet durchqueren.
Dabei sind es deutlich mehr Männer (24.389) als Frauen (17.706), die weite Arbeitswege in Kauf nehmen.

? Wo arbeiten die Lüner, wer pendelt in die Lippestadt? Die mit Abstand meisten Lüner, nämlich 10.066 hatten 2017 ihren Job in Dortmund und fuhren deshalb täglich durchschnittlich 10,8 Kilometer. Auch Werne, Unna, Selm und Kamen gehören zu den bevorzugten Arbeitszielen der Lüner. Die am weitesten entfernte Pendler-Stadt ist Essen. Ca. 520 Lüner legen die knapp 80 Kilometer täglich zurück.
Von außerhalb nach Lünen kommen ebenfalls vor allem Dortmunder (ca. 4500), Selmer und Werner, dazu aber auch Menschen aus Bergkamen und Waltrop.
Die hohen Pendlerzahlen überlasten nicht nur häufig während der Hauptverkehrszeiten die Straßen und Autobahnen und sorgen für überfüllte Züge. Sie fallen auch der Umwelt zur Last. Laut Stadtsprecher Benedikt Spangardt sind in Lünen die Brechtener Straße, Dortmunder Straße [B54], Gahmener Straße, Jägerstraße und die Derner Straße besonders vom Pendlerverkehr betroffen.

? Wie können Stadt und Arbeitgeber entgegenwirken? Durch flexible Arbeitszeiten könnten Staus während der Rushhour umgangen werden. Auch Home Office wäre eine gute Alternative.
An bezahlbaren Wohnraum arbeitet die Stadt laut Spangardt bereits: „Mit dem in der letzten Ratssitzung verabschiedeten Konzept ‚Zusammenleben 2030‘, welches das Ziel verfolgt, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen“. Trotzdem geht die Stadt aufgrund der höheren Auspendlerzahlen davon aus, dass Lünen „die Funktion eines Wohnstandortes hat“.
Laut der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) seien außerdem erhebliche Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur nötig. Diese erforderlichen Maßnahmen und Investitionen könne die Stadt, genau wie viele andere Städte, aufgrund der schwierigen finanziellen Situation kaum alleine bewältigen. „Vielmehr handelt es sich um eine Aufgabe, die in den nächsten Jahrzehnten Bund, Länder und Kommunen intensiv beschäftigen wird“, so Spangardt.
Investitionen würden meist für den Erhalt des bereits vorhanden Straßennetzes verwendet, statt zum Beispiel weitere Umgehungsstraßen zu bauen. Das sei nicht nur aus finanzieller Sicht schwierig, sondern auch weil Umwelt- oder geografische Faktoren beachtet werden müssen.
Die Stadt Lünen hat es sich deshalb zum Ziel gemacht, für die Pendler attraktive Umstiegsmöglichkeiten vom Auto weg zu bieten. Dazu werden in den nächsten zwei Jahren jeweils 190.000 Euro unter anderem in zusätzliche Buslinien investiert. Ein weiteres Ziel ist, eine durchgängige Radschnellverbindung bis ins Stadtzentrum von Dortmund zu schaffen.

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