Zunächst war nur die übliche Schließung im Sommer geplant. Doch die Türen der Stolzenhoff-Filiale an der Königsheide in Brambauer öffneten sich nicht mehr. Der Firmenchef hat zu dieser Filiale eine ganz besondere Verbindung.

Brambauer

, 11.09.2018, 06:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein Familienbetrieb verabschiedet sich nicht einfach so, nicht anonym: „Helmut Stolzenhoff mit Familie und Mitarbeitern“ steht unter dem Plakat im Schaufenster der Filiale an der Königsheide in Brambauer. Das Plakat informiert darüber, dass es jetzt eine ehemalige Filiale ist. Aus nach 59 Jahren an diesem Standort.

Schrittweise bergab

Schrittweise, sagt Seniorchef Helmut Stolzenhoff, ist es an der Königsheide bergab gegangen mit der Zahl der Kunden. Darauf habe man reagieren müssen. Die Öffnungszeiten waren zuletzt auf den Vormittag beschränkt. Und in den Hochsommer-Wochen machte die Filiale ganz zu.

Jetzt hat sie nach der Sommerpause nicht mehr aufgemacht. „Wir konnten die Frische der Ware nicht mehr sicherstellen“, erläutert der Fleischermeister. Heißt: Wo zu wenig abverkauft wird, bleibt zu viel zu lange liegen. Auf dem Plakat im Schaufenster ist es so formuliert „Aus Sorge, unseren Qualitätsansprüchen nicht mehr gerecht zu werden, sind wir leider gezwungen, diese Filiale in unserem alten Stammhaus dauerhaft zu schließen.“

Die Stolzenhoff-Filiale an der Königsheide gab es seit fast 60 Jahren.

Die Stolzenhoff-Filiale an der Königsheide gab es seit fast 60 Jahren. © Beate Rottgardt

Stammhaus - das ist für Helmut Stolzenhoff ein sensibler Begriff. An der Königsheide befand sich zwar nicht die Urzelle des Unternehmens, das sich von einer kleinen Fleischerei zu einem bedeutenden Catering-Unternehmen entwickelte. Die Urzelle war von 1949 bis 1959 das Geschäft in der Karl-Haarmann-Straße, gegründet von Helmut Stolzenhoffs Vater. Doch 1959 folgte der Umzug zur Königsheide „Dort habe ich meine Lehrzeit verbracht“, erzählt Helmut Stolzenhoff, „deshalb ist mir die Schließung menschlich sehr schwer gefallen.“

Keine Parkplätze

Menschlich ja, betriebswirtschaftlich nein. Dass es keine Parkplätze an der Königsheide gab, sei ein gravierender Nachteil gewesen. Fast 1:1, sagt Stolzenhoff über die Erfahrungen der letzten Wochen, hätten sich die bisherigen Kunden der Filiale Königsheide zum Geschäft Auf der Höhe 9 orientiert, wo im dortigen Gewerbegebiet die Firmenzentrale ihren Sitz hat. Die zwei Beschäftigten aus der Filiale Königsheide hätten „selbstverständlich“, betont Helmut Stolzenhoff, ihre Arbeitsplätze im Unternehmen behalten. Die Immobilie an der Königsheide befinde sich im Besitz der Familie. „Wir kümmern uns um Nachmieter, erste Anfragen gibt es schon“, berichtet der Seniorchef.

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Das Unternehmen ist der Familien-Fleischerei schon lange entwachsen, beschäftigt laut Homepage über 400 Mitarbeiter und bezeichnet sich selbst als „einen der größten Event-Caterer Deutschlands“. Auch deshalb sind die 12.000 Quadratmeter Firmengelände in Brambauer zu knapp geworden. Die Chefetage hat sich deshalb schon vor längerer Zeit auf die Suche nach einem Alternativstandort begeben. Und ihn in Lünen gefunden. In diesen Tagen, so heißt es, werde der Kaufvertrag für das Grundstück unterschrieben.

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