Straßenbäume in Lünen: Stadt soll nach Fällungen für Ersatz sorgen

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Sie säubern die Luft, spenden Schatten und kühlen im Sommer: Straßenbäume. Oft werden sie krank und müssen gefällt werden – meist ohne einen Ersatz. Das soll sich bald ändern.

Lünen

, 18.06.2020, 09:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Baumstümpfe und kleine begrünte Bereiche unterbrechen den gepflasterten Gehweg. Sie sind die letzten Hinweise auf Bäume, die einst dort am Straßenrand wuchsen. Dass einige davon nicht ersetzt werden, stößt bei vielen auf Unverständnis.

Straßenbäume nicht durch Baumschutzsatzung geschützt

In Lünen gibt es etwa 10.000 Straßenbäume. Vor allem Linde und Ahorn stehen hier am Straßenrand. Dabei haben es die Bäume in den versiegelten Flächen nicht gerade leicht, werden schneller krank und müssen im Extremfall wieder entfernt werden.

Während andere Bäume laut städtischer Baumschutzordnung bei Entfernung ersetzt werden müssen, gilt diese Regelung nicht für Straßenbäume.

Die SPD in Brambauer fordert deshalb vom Rat eine Reformierung der Ordnung, sodass nach der Fällung eines Straßenbaums künftig auch eine Ersatzpflanzung erfolgen muss. Zudem fordert die Partei eine „Selbstverpflichtung bezüglich der Anzahl der jährlich zu pflanzenden Bäume“ von der Stadt.

Wie hier in der Ottostraße in Brambauer gibt es überall in der Stadt Straßenbäume, die aus unterschiedlichen Gründen gefällt, aber nicht ersetzt wurden.

Wie hier in der Ottostraße in Brambauer gibt es überall in der Stadt Straßenbäume, die aus unterschiedlichen Gründen gefällt, aber nicht ersetzt wurden. © Dennis Görlich

Willi Dickhöfer unterstützt den Antrag der SPD. „Allein in Brambauer gibt es einige Stellen, an denen Bäume weggenommen wurden, aber nicht nachgepflanzt worden ist – teilweise seit zehn Jahren nicht“, weiß der Vorsitzende des Arbeitskreises für Umwelt und Heimat. Das soll sich mit der Änderung der Baumschutzordnung ändern.

Dann könnte die Stadt verpflichtet werden, Straßenbäume zu ersetzen, die wegen Krankheit gefällt werden müssen oder von denen Gefahren ausgehen. Die Verkehrssicherungspflicht ist ein häufiger Grund für die Entfernung von Bäumen am Straßenrand.

Stadt kennt die Bäume und ihren Zustand

Willi Dickhöfer wünscht sich zudem mehr Transparenz im Umgang mit dem Thema. Die Stadt Lünen verfügt über ein Baumkataster. In dieser Datenbank ist jeder Baum der Stadt erfasst – auch die Straßenbäume. Selbst der Zustand der Bäume und welche Maßnahmen notwendig sind, lässt sich dort einsehen. Aber nur für die Verantwortlichen der Stadt.

„Wir würden das Baumkataster gerne leichter zugänglich machen und arbeiten auch daran“, teilt Stadtsprecher Benedikt Spangardt mit. Die Umsetzung eines öffentlich zugänglichen und leicht bedienbaren Baumkatasters sei allerdings aufwendig.

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Bäume säubern die Luft und kühlen die Umgebung

Die Anwohner sollten sich laut Willi Dickhöfer aber über den Zustand ihrer grünen Nachbarn informieren können, denn: „Straßenbäume sind sehr wichtig und haben viele Vorteile für die Stadtbewohner,“ so Dickhöfer. Sie spenden nicht nur Schatten und reinigen die Luft, sie senken auch durch Wasserverdunstung die Temperatur in ihrer Umgebung.

Er sieht allerdings ein Problem: „Durch die letzten heißen Sommer bekommen die Bäume zu wenig Wasser und da ist die Gefahr, dass sie irgendwann absterben. Auch da sollte mehr unternommen werden.“

Arbeitskreis fordert Patenschaftsmodell für Bäume

Der Verein schlägt dafür ein Patenschaftsmodell vor, wie es in anderen Städten bereits erfolgreich angeboten wird. Dort können sich Bürger um eine Patenschaft für eine Baumscheibe bewerben, um den Baum und das angrenzende Beet pflegen und gestalten zu dürfen. Teilweise spendieren die Kommunen dafür Blumenmischungen oder ein Startgeld.

„Das sind Themen, die müssen die Städte wieder aufgreifen“, ist Dickhöfer im Hinblick auf den Klimawandel überzeugt.

„Wenn an dem Baum gearbeitet werden muss, sollte die Stadt dann aber auch fairerweise Kontakt mit dem Paten aufnehmen und das besprechen“, findet er. Denn wenn der Pate regelmäßig Wasser zum Baum bringe und die Stadt den dann ohne Rücksprache fällt, „würde ich mich veräppelt fühlen.“

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