Streik bei Lieken: 130 Mitarbeiter legen in Lünen die Arbeit nieder

mlzBrot- und Backwaren

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten hatte zum Warnstreik in der Lüner Großbäckerei Lieken aufgerufen. Zwei komplette Schichten folgten dem Appell. Der Betriebsrat zeigt sich zufrieden.

Lünen

, 11.08.2020, 16:17 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zwischen 10 und 15 Uhr fiel die Produktion der Großbäckerei Lieken am Standort Lünen flach. Wie die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) mitteilte, waren 130 Angestellte in der Wethmarheide dem Streik-Aufruf gefolgt und hatten für fünf Stunden die Arbeit niedergelegt.

Anlass des Streik-Aufrufes waren die ins Stocke geratenen Verhandlungen über einen neuen Tarifvertrag. Die Arbeitnehmerseite fordert nach Angaben der NGG ein Lohnplus von 6,2 Prozent für die kommenden zwölf Monate. Ein konkretes Gegenangebot gibt es bisher nicht - der Verband Deutscher Großbäckereien, dem die Firma Lieken angehört, verwies auf Anfrage unserer Redaktion auf einen Vorschlag aus dem Juni: „Unser Angebot war, den Abschluss eines Tarifvertrages zu verschieben, um weitere Klarheit über die Rahmenbedingungen zu bekommen. Bis dahin würden die derzeitigen Tarifverträge schlicht verlängert.“

Grund für die Aussetzung der Gespräche sei die Corona-Pandemie, die nicht nur das Einkaufsverhalten der Kunden verändert habe, sondern auch eine besondere Herausforderung für die Betriebe darstelle: „Es ist daher ausgesprochen schwierig, die Unternehmen in dieser Situation per Tarifvertrag für die Zukunft verpflichten zu wollen.“

„Mieten und andere Kosten fressen Einkommen auf“

Die Arbeitnehmer sahen das naturgemäß anders - sie wollen nicht länger auf eine Gehaltserhöhung warten. „Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer haben jeden Tag eine harte Arbeit geleistet“, heißt es seitens der NGG. Und diese Arbeit müsse jetzt angemessen honoriert werden. „Außerdem fressen Mieten und andere Kosten einen großen Teil der Einkommen der Beschäftigten auf.“

Insgesamt sieben Standorte unterhält die Lieken Brot- und Backwaren GmbH mit Hauptsitz in Wittenberg. Nach Angaben des Betriebsrates arbeiten am Standort Lünen rund 400 Menschen. Betriebsratsvorsitzender Thomas Schäfer war mit dem Warnstreik zufrieden: „Der Betrieb stand hier komplett still.“

Jetzt lesen

Allerdings hätten nicht alle Angestellten um Punkt 10 Uhr ihren Arbeitsplatz verlassen können. „Wenn wir um 10 Uhr die Maschinen abschalten, gibt es ja beispielsweise immer noch Teig, der darin ist und verarbeitet werden muss.“ Folglich müssten die Kolleginnen und Kollegen, die zum Beispiel für das Verpacken am Ende der Produktion zuständig sind, noch warten, bis alles verarbeitet sei. „Wir lassen hier ja nichts einfach liegen.“

Um 15 Uhr seien dann wie vereinbart alle Maschinen eingeschaltet und die Produktion wieder aufgenommen worden. Lieken arbeitet an der Wethmarheide im Schichtbetrieb, weshalb nie alle 400 Angestellten gleichzeitig im Einsatz sind.

„NGG zerstört mutwillig Vertrauen“

Die Arbeitgeberseite reagierte wie schon auf die Streikankündigung mit Unverständnis. Der Verband Deutscher Großbäckereien erklärte am Dienstagnachmittag (11.8.): „Noch sind die betriebswirtschaftlichen Auswirkungen der 1. Welle der Pandemie nicht umfassend geklärt, noch befinden sich Mitarbeiter in Kurzarbeit, natürlich mit Aufstockungsgeld.“

Verhandlungsführer Armin Juncker verwies darauf, dass zahlreiche Bäckereifilialen vorübergehend oder für immer geschlossen seien. Über diese Situation habe man bei der ersten Tarifrunde diskutiert und allen Beteiligten sei klar gewesen, dass die Verhandlungen fortgesetzt würden. „Wer aber bereits nach der ersten Verhandlungsrunde zu Arbeitsniederlegungen aufruft, handelt unverantwortlich“, so Juncker.

Belegschaften und Arbeitgeber, die gerade eine oft existenzbedrohende Krise gemeinsam überstanden haben, würden so in ein kräfteraubendes Gegeneinander gezwungen. „Damit arbeitet die NGG nicht im Sinne einer Tarifpartnerschaft, sondern zerstört mutwillig Vertrauen.“

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt