Intime Einblicke ins Stundenhotel: So sieht das Lüner „Museumshotel“ von innen aus

mlzIm Lüner Industriegebiet

Von außen sieht es unscheinbar aus, wie ein normales Wohnhaus. Ist es aber nicht. Es ist Treffpunkt für Geliebte, Ehepaare und Escort-Damen mit ihren Kunden - ein Stundenhotel in Lünen.

Lünen

, 12.12.2019, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

In der Vorweihnachtszeit erlebt das Team von Leon de Chard (57) so manche Überraschung, wenn es nach dem Besuch von Paaren die Zimmer des Stundenhotels an der Frydagstraße mitten im Industriegebiet in Lippholthausen reinigt. „Wir finden immer wieder Geschenkpapier“, sagt de Chard. Offenbar nutzen die Paare die Zeit hier für die Bescherung, „Menschen, die sich lieben“, so de Chard.

Niemand schläft im Stundenhotel wirklich

Seit fünf Jahren führt de Chard, der seinen richtigen Namen nicht nennen will und unter diesem Pseudonym auch im Impressum des „Museumshotels“ steht, das Etablissement. Ein Hotel ist das Gebäude natürlich nicht. Es geht um Sex, niemand schläft hier. „Die meisten Kunden buchen die Zimmer für drei Stunden“, sagt de Chard. Das kostet dann 50 Euro.

Ein Museum ist das Hotel aber auf eine Art schon. Die Zimmer sind im Stil verschiedener Epochen gestaltet: Es gibt das Steinzeit-Zimmer, außerdem Räume, die eine Zeitreise ins alte Rom ermöglichen, in den Wilden Westen, nach Japan oder in die Renaissance.

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Das Museumshotel von innen

Unscheinbar ist das Haus von außen, von innen ist es umso außergewöhnlicher: Es ist ein Stundenhotel mit vielen verschiedenen Themenzimmern.
12.12.2019
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Das römische Zimmer© Marc Fröhling
Das römische Zimmer. De Chard hat hier einen Raum nachgebaut, der bei den Ausgrabungen in Pompeii aufgetaucht war. Hier waren Sklavinnen als Prostituierte beschäftigt. Heute ist das nur zum gucken, das eigentliche Bett steht daneben.© Marc Fröhling
Im Mittelalter-Zimmer werden Freunde aus der SM-Szene fündig.© Marc Fröhling
Im Mittelalter-Zimmer werden Freunde aus der SM-Szene fündig.© Marc Fröhling
Im Mittelalter-Zimmer werden Freunde aus der SM-Szene fündig.© Marc Fröhling
Das japanische Zimmer mit auffälliger Beleuchtung.© Marc Fröhling
Keine Epoche in diesem Zimmer - es ist das Spiegelzimmer.© Marc Fröhling
Im Wilden Westen der USA kann man sich in einer Kutsche vergnügen.© Marc Fröhling
Im Wilden Westen der USA kann man sich in einer Kutsche vergnügen.© Marc Fröhling
Das Videozimmer, ausgestattet mit Kameras, die live auf große Monitore im Raum übertragen. Aufgezeichnet wird nichts.© Marc Fröhling
Die Malerin, die auch viele Raumwände angemalt hat, hat in De Chards Auftrag auch viele Leinwände mit Szenen aus der Geschichte der Prostitution bemalt.© Marc Fröhling
Die Malerin, die auch viele Raumwände angemalt hat, hat in De Chards Auftrag auch viele Leinwände mit Szenen aus der Geschichte der Prostitution bemalt.© Marc Fröhling
Begrüßung und im Preis inklusive: Schokolade, Wasser, ein Fläschchen Sekt und Kondome.© Marc Fröhling
Das afrikanische Zimmer© Marc Fröhling
Die steinzeitliche Höhle© Marc Fröhling
Fachliteratur im Büro von Leon de Chard. Er hat sich intensiv eingarbeitet in die Fachliteratur zur Geschichte der Prostitution.© Marc Fröhling
Im Treppenhaus hängen Bilder von Männern, deren Kontakte zu Prostituierten bekannt geworden waren.© Marc Fröhling

Frauen oder Männer zur Begleitung gibt es dort übrigens nicht zu buchen: „Wir sind ein reines Stundenhotel, Pärchen sind unser Hauptgeschäft“, sagt de Chard. Vereinzelt seien auch „Escortdamen oder -herren“ darunter. „Zu 90 Prozent weiß ich aber, ob es ein richtiges Pärchen ist“, sagt de Chard. „Die strahlen eine Energie aus, die sind aufgeregt und neugierig, die Augen funkeln.“

Diskretion ist den Gästen extrem wichtig

Hochbetrieb an der Frydagstraße ist morgens, viele müssen abends ja wieder bei ihren Familien sein. Unter den Gästen seien aber auch verheiratete Paare. „Die kommen hierher, weil sie zu Hause keine Möglichkeit haben, alleine zu sein und die Nachbarn hinter der Wand mithören“, sagt de Chard. Manche sind seit der Anfangszeit vor fünf Jahren dabei.

In der Regel erfährt de Chard aber nicht viel über seine Kunden. Diskretion ist für die meisten extrem wichtig. Man könnte mit Karte zahlen, viele hinterlassen aber lieber keine Spuren und zahlen bar. „Wir fragen nie nach Namen, die Anonymität gehört dazu.“

Unscheinbarer geht's nicht: das Museumshotel von außen.

Unscheinbarer geht's nicht: das Museumshotel von außen. © de Chard

So wie für de Chard selbst, der Frau und Kinder hat und vor der Gründung des Hotels als Maschinenbauingenieur in Bönen gearbeitet hat, wie er erzählt, Festigkeitsberechnungen seien seine Aufgabe gewesen.

Dann kaufte er das Haus an der Frydagstraße. Seine Idee: ein normales Hotel eröffnen. Aber es gab kein Geld von der Bank für den Umbau. „Die haben gesagt, es gibt schon genug Hotels, die meisten schreiben rote Zahlen.“

Stundenhotel für Bank schlecht fürs Renommée

Also entwickelte de Chard das Konzept für das Stundenhotel. Die nächste Bank wollte damit aber nicht in Verbindung gebracht werden - schließlich sei ein Stundenhotel rechtlich ein „bordellartiger Betrieb“ und damit schlecht fürs Renommee.

Also habe er andere Wege gesucht. Wie genau er es am Ende geschafft hat, verrät er nicht. Nur: Er hat so gut wie alles selbst gemacht, vier Jahre lang in dem Haus gearbeitet.

Die Geschichte der Prostitution interessiert ihn, im römischen Raum ist ein Ort nachgestellt, wie er in Pompeii ausgegraben wurde. In de Chards Büro stapelt sich die Fachliteratur. Am liebsten würde er ein richtiges Museum eröffnen. „Um die Erscheinung der Prostitution aus sozialhistorischer Sicht zu beleuchten, so etwas gibt es noch nicht.“

Kunstwerke zur Geschichte der Prostitution auf Leinwand

Nur: Dazu fehle ihm ungefähr eine Million Euro. Stattdessen hat er eine Malerin engagiert, die für ihn Szenen aus der Geschichte der Prostitution auf Leinwand festhält. Man sieht Jesus und Maria Magdalena oder den Herrscher Gilgamesch, in dessen Epos Tempelprostituierte Tiere zum Menschen machen.

Die Bilder stehen noch in einem Partyraum, den er mal für Junggesellenabschiede vermieten möchte. Erstmal bleibts aber beim Stundenhotelbetrieb: „Es läuft gut, aber es kann ja immer besser laufen“, sagt de Chard.

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