Tankstellen-Räuber kann Haftzeit für Drogentherapie nutzen

Urteil nach „Hem“-Überfällen

Innerhalb von zehn Tagen überfiel ein 22-jähriger Mann in Lünen zweimal die Hem-Tankstelle an der Münsterstraße. Am Mittwoch hat das Dortmunder Landgericht das Urteil gesprochen.

Lünen

, 27.02.2019, 15:39 Uhr / Lesedauer: 1 min
Tankstellen-Räuber kann Haftzeit für Drogentherapie nutzen

Der Angeklagte (r.) legte auf Anraten seiner Verteidigerin Ina Klimpke sofort ein Geständnis ab. © Martin von Braunschweig

Am Ende konnte der 22-Jährige fast schon erleichtert aufatmen. Dass er für die beiden Überfälle mit einer langen Zeit hinter Gittern rechnen musste, wusste er schon seit Beginn des Prozesses. Dass er die Zeit jedoch dazu nutzen kann, an seinem größten Problem, der Drogenabhängigkeit, zu arbeiten, verschafft ihm eine echte Zukunftsperspektive.

Geschlossene Einrichtung

Vier Jahre und zehn Monate Haft verhängte die 32. Strafkammer am Mittwoch, 27. Februar. Doch diese Strafe steht erst einmal nur auf dem Papier. Der Angeklagte wechselt nämlich sofort nach Rechtskraft des Urteils in eine geschlossene Therapieeinrichtung, wo er wahrscheinlich zwei Jahre lang behandelt werden wird.

Sollte der junge Mann die Therapie erfolgreich beenden, winkt ihm direkt im Anschluss die vorzeitige Entlassung auf Bewährung. Dann nämlich würde es nach Ansicht der Richter keinen Sinn mehr machen, ihn weiter einzusperren.

Die beiden Überfälle vom 10. und 20. August 2018 hat der 22-Jährige ohne Umschweife zugegeben. Allenfalls der Umstand, dass sein Mittäter bei der zweiten Tat mit einem Messer bewaffnet war, brachte ein paar kleinere Probleme mit sich. Die Staatsanwältin wollte dem Lüner partout nicht glauben, dass er von der Existenz des Messers erst unmittelbar in der Tankstelle erfahren haben will. „Ich bin sicher, das war ihm vorher schon bekannt und Teil eines gemeinsamen Tatplans", sagte die Anklagevertreterin in ihrem Plädoyer. Sie beantragte deshalb sogar fünf Jahre und neun Monate Haft.

Minder schwere Fälle

Verteidigerin Ina Klimpke schaffte es jedoch, die Richter davon zu überzeugen, dass beide Taten „minder schwere Fälle" gewesen seien. Die Gesamtbeute von rund 1000 Euro will der Angeklagte sofort wieder für Drogen ausgegeben haben. Den Namen seines bislang unbekannten Mittäters wollte er im Prozess nicht verraten.

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