Telefongebühr trotz Besuchsverbot in Lünen: Angehörige ist verärgert

mlzKatholisches Krankenhaus Lünen/Werne

Ihre Mutter (88) liegt im Marienhospital. Durch das Besuchsverbot kann die Tochter nur mit ihr telefonieren. Doch die Klinik-Telefonkarte kostet täglich 4 Euro. Eine Lösung ist gefunden.

Lünen

, 21.10.2020, 07:40 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eine halbe Nacht habe Andrea Jantzen nicht geschlafen. Ihre Mutter liegt seit Dienstag (13.10.) im St.-Marien-Hospital, das zum Katholischen Klinikum Lünen/Werne gehört. Wegen des Besuchsverbots kann sie nur per Telefon erfahren, wie es ihr geht. Doch um sie erreichen zu können, muss Andrea Jantzen für vier Euro pro Tag eine Klinik-Telefonkarte laden.

Als sie eines Abends anrufen wollte, war das Guthaben aufgebraucht und ein Gespräch nicht möglich. „Das ist doch die einzige Verbindung zu ihr, die ich habe“, ist Andrea Jantzen enttäuscht. Sie machte ihrem Ärger im sozialen Netzwerk Facebook Luft. Da ihre 88-jährige Mutter wohl länger im Krankenhaus bleiben muss, gehen die Ausgaben ins Unermessliche, fürchtet sie im Gespräch mit dieser Redaktion.

Geschäftsführer Axel Weinand erläutert, dass es sich bei den 4 Euro primär um die Nutzung des TV-Angebots inklusive Sky-Fernsehen handele. Darin sei die Telefonflatrate enthalten. Bei der Einführung vor einigen Jahren habe sich das Krankenhaus bei umliegenden Kliniken informiert. „Vor dem Hintergrund der aufwendigen Technik sind die 4 Euro knapp kalkuliert. Eine Preiserhöhung habe es seitdem nicht gegeben, sagt Weinand.

Fernsehen werde nicht genutzt

Während sich manche Patienten über den eigenen Bildschirm am Nachttisch mit Fernsehen und Sky-Sender sicherlich freuen, ist das für Andrea Jantzens Mutter keine Option. Sie nutze das gar nicht, sagt die Tochter. Sie telefoniere auch nicht. Das Telefon werde gebraucht, um die 88-Jährige erreichen zu können. Ob sie mit einem Handy zurecht käme, sei die Frage.

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„Leider war bei uns dieses Problem nicht bekannt, so dass wir keine individuelle Lösung anbieten konnten“, erklärt Geschäftsführer Axel Weinand auf Anfrage dieser Redaktion am Montag (19.10.). Er habe veranlasst, dass die Stationsleitung Andrea Jantzen informiere, dass Kosten erstattet würden. Es gebe immer wieder „sehr seltene Einzelfälle, wie hier, bei denen sich PatientInnen oder Angehörige an die Stationsleitung oder Patientenverwaltung mit einem individuellen Problem wenden“, so Weinand. Das werde dann sorgfältig geprüft, damit auch kein Missbrauch entstehe.

Entgegenkommen der Klinik

In dem vorliegenden Fall habe die Patientin kein TV buchen, sondern „nur“ telefonieren wollen, weil sie kein Mobiltelefon hat. Das sei plausibel. Deshalb werde man Andrea Jantzen entgegenkommen. Bis Dienstagnachmittag (20.10.) hatte die Lünerin aber noch keine Rückmeldung.

Übrigens wird die täglich Gebühr für Telefon-und TV-Karte bei Privatpatienten anders verrechnet: „Bei privat versicherten Patienten ist die TV- und Telefonoption im Leistungsangebot enthalten, muss also nicht extra dazu gebucht werden“, so Weinand.

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