Seit der Corona-Notbremse kommen immer weniger Menschen in die Lüner Innenstadt, weil sie keine Lust oder Zeit zum Testen haben. © Goldstein (A)
Coronavirus

Testpflicht für Geimpfte beim Einkaufen sorgt in Lünen für Unverständnis

Bundesgesundheitsminister Spahn hat angekündigt, dass für Geimpfte bald die Testpflicht beim Einkaufen entfallen soll. In Lünen rennt er damit offene Türen ein - nicht nur bei den Händlern.

In Lünen gelten aktuell die Regelungen der Corona-Notbremse. Das bedeutet: Wer in der Lüner Innenstadt in einem Möbelhaus, Bekleidungsgeschäft oder Elektromarkt einkaufen will, muss einen tagesaktuellen negativen Coronatest vorlegen. Dabei wird aktuell jede und jeder gleich behandelt, ob bereits geimpft oder nicht.

Doch gerade das stößt bei vielen aktuell auf Unverständnis. „Warum? Eigentlich sollte man doch jetzt clean sein“, heißt es zum Beispiel in einer Beschwerde an unsere Redaktion. Lange war das nicht klar. Doch nach neuen Erkenntnissen des Robert-Koch-Instituts ist das Risiko, dass vollständig geimpfte Personen das Virus weitergeben geringer als bei negativ getesteten Personen.

Ernste Lage für die Einzelhändler

Auch wegen dieser Erkenntnis hoffen die Einzelhändler, dass sich an den Regelungen für den Einzelhandel bald etwas ändert. Denn das sei dringend nötig, erklärt Helmut von Bohlen, Vorsitzender des City-Rings Lünen. „Ich bin kein Arzt, ich kann die Richtigkeit der Regelungen nicht einschätzen“, erklärt er und fügt hinzu: „Aber wie soll man das auch, wenn sich alles ständig ändert und nicht alle Geschäfte gleich behandelt werden.“

Denn die Debatten um neue Regelungen und Verschärfungen – besonders auf Bundesebene – gehen fortlaufend weiter. Was also für Geimpfte, für die Einzelhändler oder die Kreise mit einer Inzidenz von über 100 heute noch gilt, kann sich morgen schon wieder ändern.

Von Bohlen habe absolutes Verständnis, dass die Corona-Pandemie eingedämmt werden müsse. Doch nun werde auch die Lage für die Einzelhändler sehr ernst. „Den Geschäften geht es sehr schlecht, einige machen sich ernsthafte Sorgen um ihre Zukunft und ihre Existenz.“

Keine Zeit und Lust zum Testen

Das „Click & Meet“ hätten viele Einzelhändler noch ganz gut verkraftet. „Das lief gut“, so von Bohlen. Doch mit der Testpflicht seit der Corona-Notbremse kämen fast gar keine Kundinnen und Kunden mehr in die Geschäfte. „Das Einkaufen wird ihnen unnötig schwer gemacht“, sagt von Bohlen.

Das merkt auch Tabitha Tegtmeier, die Filialleiterin des Schuhhouse in Lünen. „Für die Kunden ist es schwierig. Die haben auf das Testen keine Lust und ich kann das auch nachvollziehen“, erklärt sie. Oftmals dauere der gesamte Prozess mit der Terminbuchung und dem Testen sehr lange und das wiederum bedeute Stress für alle Einkaufenden.

Das Schuhhouse in der Fußgängerzone würde gerne alle vollständig Geimpften ohne einen Test reinlassen - darf es aber aktuell laut Coronaschutzverordnung nicht.
Das Schuhhouse in der Fußgängerzone würde gerne alle vollständig Geimpften ohne einen Test reinlassen – darf es aber aktuell laut Coronaschutzverordnung nicht. © Goldstein (A) © Goldstein (A)

Sie weiß, dass durch diese Regelungen viele Menschen auf andere Onlineshops zurückgreifen oder den Einkauf ganz verschieben. „Das bedeutet für uns eine großen Einbruch.“ Doch so sehr Tabitha Tegtmeier auch möchte: Geimpfte dürfen bei ihr ohne einen negativen Corona-Test keine Schuhe kaufen. So steht es schließlich auch in der Corona-Schutzverordnung des Landes NRW und in der Allgemeinverfügung des Kreises Unna.

Hoffnung auf baldige Änderungen

„Wir haben ein paar ganz wenige Stammkundinnen und -kunden, die in der Pflege oder im Krankenhaus arbeiten. Die sind schon vollständig geimpft und werden sowieso alle zwei Tage getestet“, erklärt sie. Nur diese kleine Gruppe könne nach der Vorlage beider Nachweise auch jeden Tag bei ihnen einkaufen.

Kompliziert ist die Regelung allemal, für Kundinnen und Kunden sowie auch für die Geschäfte. Doch daran soll sich womöglich bald etwas ändern – auch wegen der zuvor beschriebenen neuen Erkenntnisse der RKIs. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat angekündigt, dass vollständig gegen Corona geimpfte Personen mehr Freiheiten bekommen sollen.

Die Geimpften wieder ins Leben schicken

Sie sollen demnach dann auch ohne einen negativen Corona-Test einkaufen gehen können oder müssen als Kontaktperson einer infizierten Person nicht mehr in Quarantäne. Über so eine Änderung der Verordnung soll noch im Laufe des Aprils diskutiert werden.

Tabitha Tegtmeier findet diese Überlegungen gut. „Wir müssen alles wieder ans Laufen bekommen und jede Möglichkeit wahrnehmen, sonst sind wir am Ende. Warum dann nicht die Geimpften wieder ins Leben schicken?“, meint sie. Denn an den Kundinnen und Kunden hängt ihr Umsatz und damit auch ihr Arbeitsplatz. Je mehr Menschen unkompliziert einkaufen können, desto besser.

Geschäfte brauchen eine Perspektive

Ungerecht findet die Lüner Filialleiterin so eine Regelung nicht. „Ich persönlich würde mich nicht ungerecht behandelt fühlen und freue mich für jeden Geimpften“, sagt sie. Auch Helmut von Bohlen sieht das so. Ihm sei bewusst, dass bei noch ungeimpften Personen der Neid groß sein könnte.

Trotzdem weiß er auch: „Wenn wir jetzt bald nicht wieder Perspektiven haben, dann bin ich überzeugt, dass nicht alle Geschäfte in Lünen wieder öffnen können.“ Das sei auch abhängig davon, ob Hilfen kommen und wie lange der Lockdown noch dauere. Doch wenn vollständig Geimpfte schon jetzt ohne Tests unkompliziert einkaufen könnten, so von Bohlen, dann wäre das ein Schritt in die richtige Richtung.

Jens Spahn hat eine entsprechende Änderung noch für April in Aussicht gestellt. Er betonte aber auch, dass der Nachweis der Impfung eine „zusätzliche, aber keine hundertprozentige Sicherheit“ gebe.

Über die Autorin
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Ich liebe es, auch die unscheinbarsten Geschichten zum Leben zu erwecken – deswegen studiere ich Journalistik an der TU Dortmund und bin begeisterte Lokalreporterin, immer einer interessanten Geschichte auf der Spur.
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Viktoria Michelt

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