Hans-Joachim und Jutta Georgi am 10. Februar 1978. Während es draußen eisig kalt war, schnitt das Paar gemeinsam seine Hochzeitstorte an. © Georgi
Standesamtliche Trauung

Tochter wiederholt die Hochzeit ihrer Eltern von 1978 im Schneechaos

Die Tochter von Hans-Joachim und Jutta Georgi tritt am 10. Februar 2021 vor den Standesbeamten - so wie es ihre Eltern am gleichen Tag des Jahres 1978 taten. Das Wetter sorgt für die Pointe.

Wirklich nervös war Hans-Joachim Georgi an diesem Freitagvormittag nicht. Seit Tagen war es ziemlich kalt und Unmengen an Schnee hatten für Verkehrsbehinderungen gesorgt, aber das ließ den 21-jährigen Lüner buchstäblich kalt. Daran änderte auch die Frage seines Schwagers nichts: „Sag‘ mal, vermisst du nicht etwas?“ Hans-Joachim Georgi runzelt die Stirn. „Nein, wieso?“ Der Schwager grinste. „Na, deine Braut ist entführt worden.“

Es stimmte: Beide Schwager von Hans-Joachim Georgi hatten dessen Braut Jutta am Morgen des 10. Februar 1978 unter ihre Fittiche genommen – wie das durchaus üblich war am Tag der Hochzeit. Die „Entführung“ endete in der Regel in einer Kneipe, wo der Bräutigam seine Zukünftige finden und dann die Zeche für sie und ihre Entführer zahlen musste. Aber an diesem besonderen Tag war es eben tiefster Winter, und Hans-Joachim Georgi winkte zur Verblüffung aller ab: „Lasst mal, ist viel zu kalt draußen.“

Also kehrten seine Schwager samt Braut nach dem Besuch dreier Kneipen wieder zurück zum Bräutigam – die Hochzeit platzen lasse wollte ja auch niemand. Heute, 43 Jahre später, würde Hans-Joachim Georgi sich jedoch nicht als coolen Hund bezeichnen: „Nein nein, ruhig war ich eigentlich nie. Ich war immer der Verrückte von uns beiden.“

Erfolgreiche Ehe als gutes Omen

Dass er und seine Jutta im Schneechaos des Jahres 1978 heiraten würden, ist der Ungeduld des Paares geschuldet. „Ich war 20, er 21. Wir hatten es eilig und wollten es schnell machen“, sagt Jutta rückblickend. Eine gute Entscheidung, denn die Ehe hält auch 43 Jahre später noch. „Vielleicht war das ja auch mit ein Grund, warum unsere Tochter sich für diesen Termin entschieden hat.“

Denn die Pointe kommt tatsächlich 43 Jahre später: Tochter Nadine Georgi wird am Mittwoch, 10. Februar 2021, ihren Alexandru heiraten. Der Termin war natürlich mit Blick auf den Hochzeitstag der Eltern gewählt. Dass aber auch exakt die gleichen Bedingungen wie damals herrschen würden – eisige Kälte und Schneechaos – konnte niemand ahnen. „Das kann doch fast kein Zufall sein“, sagt die Mutter heute mit einem Lächeln.

Das Hochzeitsfoto von Jutta und Hans-Joachim Georgi vom 10. Februar 1978. Exakt 43 Jahre später wird ihre Tochter heiraten - unter den gleichen Bedingungen.
Das Hochzeitsfoto von Jutta und Hans-Joachim Georgi vom 10. Februar 1978. Exakt 43 Jahre später wird ihre Tochter heiraten – unter den gleichen Bedingungen. © Georgi © Georgi

Eine weitere Parallele ist die gewisse Eile, die beim Hochzeitspaar eine Rolle spielt. Einen gemeinsamen Sohn haben die beiden bereits, für April hat sich weiterer Nachwuchs angekündigt. „Die Hochzeit sollte vor der Geburt stattfinden“, sagt Jutta Georgi.

Allerdings wird ihre Tochter nicht wie sie damals im Rathaus heiraten, sondern in der Schlossmühle in Lippholthausen. „Wir haben uns auch schon vergewissert, dass alles geräumt ist und wir den Parkplatz erreichen.“

Aufgrund der Corona-Pandemie findet die Hochzeit im kleinsten Kreis statt. Genau wie bei den Eltern damals wird es auch am 10. Februar 2021 nach der Trauung zum Essen nach Hause gehen.

Ein Festtag, auf den sich die Brautmutter freut – denn zuletzt war ihr weniger nach feiern zumute: „Ich bin seit Januar arbeitslos, mein Job wurde ersatzlos gestrichen.“ Mit 63 Jahren macht sich die gelernte Buchhalterin keine großen Hoffnungen auf eine neue Beschäftigung, blickt aber positiv nach vorn: „Auch wenn es eine harte Zeit war, freue ich mich darauf, jetzt mehr Zeit für mein Enkelkind zu haben.“

Künftiger gemeinsamer Hochzeitstag

Und ein weiteres Enkelkind ist ja bekanntlich unterwegs – da trifft es sich gut, dass Hans-Joachim Georgi als Rentner ebenfalls mit einspringen kann. Den Hochzeitstag wird wohl keines der Paare in Zukunft vergessen. „Den können wir jetzt immer zusammen feiern und vielleicht essen gehen. Ich bezahle dann auch“, sagt der 64-Jährige. Damit hätte er dann wohl auch seine Schulden von der verpassten Brautentführung vor 43 Jahren abbezahlt.

Über den Autor
Redaktion Lünen
Journalist, Vater, Ehemann. Möglicherweise sogar in dieser Reihenfolge. Eigentlich Chefreporter für Lünen, Selm, Olfen und Nordkirchen. Trotzdem behält er auch gerne das Geschehen hinter den jeweiligen Ortsausgangsschildern im Blick - falls der Wahnsinn doch mal um sich greifen sollte.
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Daniel Claeßen

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