Katze in Lünen überfahren und direkt entsorgt - trotz Chip wurden Besitzer nicht informiert

mlzTotes Haustier

Kater Loui trug einen Chip im Ohr. Doch auch der nutzte seinen Besitzern nichts. Nur über Umwege erfuhren sie vom Tod ihres Tieres. Was danach passierte, machte die Familie richtig wütend.

von Kristina Gerstenmaier

Lünen

, 14.11.2019, 18:34 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nicole, Amelie und Shirin Gringel sind sprachlos, traurig und wütend zugleich. Aber nicht allein, weil am vergangenen Dienstag der Kater der Familie in der Nähe seines Zuhauses in der Robert-Koch-Straße überfahren wurde.

Das wäre schon traurig genug. „Dass Freiläufer überfahren werden, kann man nicht verhindern“, sagt Nicole Gringel (53), zusammen mit Tochter Shirin (26) Besitzerin von Kater Loui. „Aber, dass es dann so gelaufen ist, das finde ich moralisch total verwerflich.“

Kater wurde schon früh überfahren

Wie an jedem Tag war der zweieinhalbjährige Kater gegen halb sechs am Morgen rausgelassen worden. „Er war ein ganz, ganz liebes und sehr verspieltes Tier“, erzählt Shirin Gringel. „Den hätte man nicht im Haus halten können, er wollte immer raus.“

Schon um 7.45 Uhr sei er dann wohl tot gewesen. Überfahren, der Fahrer flüchtig. Eine Nachbarin sprach die Familie darauf an, dass eine Straße weiter ein Kater tot auf der Straße läge. Ein paar Minuten später rief Markus Wieloch, Vater von Shirin, von der Arbeit aus an: Er habe ein Bild eines Katers, der aussehe wie Loui, auf Facebook gesehen.

Katze in Lünen überfahren und direkt entsorgt - trotz Chip wurden Besitzer nicht informiert

Kater Loui wurde überfahren und entsorgt. Seine Familie erhielt trotz eines Chips im Ohr keine Nachricht. © Gringel

„Wir sind dann direkt los und haben an der Stelle, wo die tote Katze liegen sollte nachgeschaut, vielleicht 100 Meter von der Haustür entfernt. Aber da lag keine Katze“, berichtet die zweite Tochter Natascha Gringel (30). „Wir haben alle Gebüsche abgesucht. Nichts.“

Wirtschaftsbetriebe entsorgen toten Kater schnell

Zu dieser Zeit hatten die Wirtschaftsbetriebe Lünen (WBL) Loui bereits eingesammelt. Das hatte wiederum der Vater per Anruf herausgefunden. Als Shirin Gringel mittags dort eintraf, war der Kater aber auch dort nicht mehr.

Die Mitarbeiter verwiesen die Katzenhalterin an die Firma Saria, die auf dem Remondis-Gelände an der Brunnenstraße eine Verwertungsanlage für tierische und pflanzliche Produkte betreibt.

Über Verbleib des Tieres nicht informiert

Doch auch dort war die Familie erfolglos: Obwohl es gechipt war, wurden die Gringels weder über den Verbleib ihres Tieres informiert, noch konnten sie ihren toten Kater mit nach Hause nehmen, um sich von ihm zu verabschieden oder ihn zu beerdigen. „In Deutschland sind Tiere noch immer eine Sache, aber letztendlich sind sie doch Lebewesen und vor allem Teil der Familie“, sagt Nicole Gringel mit Tränen in den Augen.

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Was Shirin Gringel besonders betroffen macht: „Wir wussten genau, wo unser Tier war, und haben es trotzdem nicht wieder bekommen. „Und dann noch so unsensibel abgefertigt zu werden, ging gar nicht.“

Mutter Nicole ist fassungslos, dass die Familie keine Nachricht erhalten hat:„Andere suchen ihre Katzen wochenlang, ohne zu wissen dass sie eventuell längst weggebracht wurden.“ Sie fragt sich: „Wozu gibt es überhaupt diese teuren Chips, wenn sie gerade in solchen Fällen nicht ausgelesen werden?“

Aus toten Tieren wird Fett und Mehl

Saria ist die für Lünen beauftragte Firma, um Tierkadaver zu beseitigen. „Nach europaweit geltendem Recht müssen Tierkörper zwingend vollständig beseitigt werden, um Tierseuchen zu vermeiden“, erklärt Unternehmenssprecher Marcel Derichs.

Dann erfolge die Verarbeitung zu Mehl und Fett, welches wiederum von der Zementindustrie und Kraftwerken oder als Biodiesel verbrannt werde. Die Firma folge dabei einer hoheitlichen Aufgabe, komme also den Gesetzesvorgaben nach, so Derichs.

Straßenmeistereien, Landwirte oder Schlachthöfe benachrichtigen die Firma, wenn sie tote oder kranke Tiere oder Tierreste haben, die dann von Saria containerweise abgeholt werden. „Bei den Containern erfolgt keinerlei Sichtung oder Sortierung“, erklärt Derichs. „Wir betreiben diesen Prozess industriell, da können keine Chips mehr ausgelesen werden.“

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