Ulrike Eul verlässt den Seniorenladen in Lünen nach 22 Jahren

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Der Seniorenladen ist für Ulrike Eul eine Herzenssache gewesen. Nach 22 Jahren geht sie als Leiterin nun in den Ruhestand - und hat gleichzeitig auch eine gute Nachfolgerin gefunden.

Lünen

, 31.07.2020, 09:37 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wenn Ulrike Eul von ihrer Arbeit im Seniorenladen in Lünen erzählt, dann strahlen ihre Augen. Man merkt: Sie liebt und lebt ihren Job. In 22 Jahren hat sie in dem Laden an der Bebelstraße 67 eine Struktur aufgebaut, die in Deutschland womöglich einmalig ist. Ende August geht sie nun in ihre wohlverdiente Rente - und hat auch schon eine Nachfolgerin gefunden.

Britta Klein wird die Leitung übernehmen. Sie ist seit 30 Jahren bei der Diakonie - und auch für sie ist der Seniorenladen eine Herzenssache. Denn die Idee hinter dem Seniorenladen ist simpel: Senioren sollen so lange wie möglich in ihrer eigenen Wohnung wohnen bleiben können. Deswegen bietet der Seniorenladen unter anderem Beratungen an, Hausbesuche, Einkaufs- oder Fahrdienste.

Hinzu kommen noch die vielen sozialen Aktivitäten wie zum Beispiel Spiele- oder Singnachmittage, aber auch die jährliche Freizeit mit den Senioren war immer ein Highlight. „Dann waren wir immer eine spezielle Reisegruppe, selbst in den Kurorten: 30 Senioren mit bestimmt 17 Rollatoren“, lacht Ulrike Eul. Der Seniorenladen biete also alles, was (mobilen) Senioren gefalle.

Ulrike Eul erinnert sich an jeden

In all den Jahren hat Ulrike Eul circa 2500 Senioren betreut. Einige waren nur kurz beim Seniorenladen, andere sogar zehn bis 15 Jahre lang. Vielen ist sie danach in anderen Einrichtungen der Diakonie noch einmal begegnet. Aber an jeden einzelnen von ihnen erinnert sie sich.

Seit der Eröffnung 1997 hat der Seniorenladen sein Angebot immer wieder erweitert: Es sind mehr Versorgungsangebote dazu gekommen, aber Eul hat sich auch auf Demenz spezialisiert. Deswegen bietet sie zum Beispiel Gedächtnisaktivierung und Erinnerungscafés an. Mittlerweile sind sie ein Team aus vier Personen, hinzu kommen fast 30 ehrenamtliche Helfer.

Doch die Corona-Krise hat auch den Seniorenladen getroffen. „Da war schon eine schwierige Zeit“, erklärt Ulrike Eul. Doch sie habe versucht, den Senioren so gut wie möglich beizustehen: Hausbesuche funktionierten durch das offene Fenster. Außerdem haben sie viel telefoniert und auch einen Mittagstisch-Lieferdienst eingeführt, der den Senioren das Mittagessen nach Hause bringt.

Viele Senioren sind einsam

„So haben sie wenigstens einmal am Tag Kontakt zu unserem Fahrer.“ Denn Einsamkeit sei bei den Senioren ein großes Thema. Viele hätten keine Familie oder Verwandten mehr in der Nähe. Da sei der Kontakt zu anderen Senioren umso wichtiger. Viele Senioren haben sich in der Corona-Zeit auch psychisch verändert. Einige hätten auch nicht verstanden, warum sie zu Hause bleiben und auf soziale Kontakte verzichten müssen.

„Viele bei uns sind schon über 90. Die wissen noch, wie es damals im Krieg war und wollen sich jetzt nicht mehr einschränken lassen“. Deswegen sei es umso schwieriger gewesen, die Senioren zu vertrösten. Denn Mittagstisch und Spielnachmittage konnten lange nicht stattfinden. Den Spielnachmittag gibt es erst seit Juli wieder, das aber mit begrenzter Teilnehmerzahl und unter Hygienevorschriften. „Daran merkt man aber gleichzeitig, wie viel Spaß die Senioren hier haben“, sagt Eul.

Mobiles Frühstück in toller Atmosphäre

Sie erinnert sich zum Beispiel an das erste mobile Frühstück vor ein paar Tagen. „Das war so eine tolle Atmosphäre, alle haben sich riesig gefreut“, so Ulrike Eul. Alle hätten gemütlich zusammengesessen und Gedichte vorgetragen. Weil alle Senioren so gerne singen - und das wegen Corona natürlich gar nicht gehe - wurden einige Lieder auch gesummt.

„Die Arbeit macht mir einfach Freunde und wird mir fehlen“, erklärt Ulrike Eul, wenn sie an all diese Aktivitäten denkt. Doch auch auf ihren Ruhestand freut sie sich. Sie möchte die neue Zeit genießen und viel Zeit mit ihrer Familie und ihren Freunden verbringen. Ändern wird sich dann nicht viel.

„Manche Senioren rufen schon an und haben Angst, dass es uns bald nicht mehr gibt“, erzählt Britta Klein. Doch die Angst kann sie schnell nehmen. „Ich möchte hier gar nicht viel verändern, denn Ulrike Eul hat sich hier so große und tolle Arbeit aufgebaut“, erklärt Klein.

„Das wollte ich schon immer machen“

In den letzten Wochen habe sie sich schon ein Bild von allem gemacht und hospitiert. „Da habe ich gemerkt: Ja, das wollte ich schon immer machen, das könnte meins sein!“, so Klein. Denn bei einem sind sich beide Frauen einig: Die Arbeit im Seniorenladen sei sehr wertvoll und täte gut, weil sie so viel zurück bekämen.

Besonders, weil es ähnliche Angebote in Deutschland so gut wie war nicht gibt. „Anfangs haben Senioren aus München bei uns angerufen und gefragt, was der Seniorenladen genau ist“, erinnert sich Ulrike Eul. Doch mittlerweile ist der Begriff „Seniorenladen“ in allen Lüner Stadtteilen ein Begriff.

Eine Neuerung soll es mit Britta Klein im Seniorenladen aber trotzdem bald geben. Denn in das alte Gebäude der Sparkasse direkt nebenan soll eine Tagespflege einziehen. Die gehört dann zu dem Seniorenladen dazu. Durch Corona habe sich der Umbau zwar verzögert, doch Klein hofft, dass die Tagespflege allerspätestens am 1. Januar 2021 eröffnet werden soll.

Serviceangebote des Seniorenladens

Der Seniorenladen ist eine Einrichtung des Ev. Altenzentrums Lünen in Kooperation mit dem Bauverein zu Lünen. Mit einem Sevicevertrag können Senioren alle Serviceangebote nutzen sowie an den sozialen Angeboten zu vergünstigten Preisen teilnehmen. Dieser Vertrag kostet 21 Euro für Einzelpersonen und 31 Euro für Ehepaare. Erreichbar ist der Seniorenladen montags bis freitags von 10 bis 12 Uhr oder unter Tel. (02306) 16 66.

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