Umsatz im Juni schwächelt: Kundenverhalten ist heute schwerer einzuschätzen

mlzLüner Einzelhandel

Nicht gerade in Kauflaune waren die Kunden im Monat Juni. Der Umsatz sank landesweit um 1,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Kundenverhalten ist schwer kalkulierbar, heißt es dazu.

Lünen

, 28.08.2019, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Juni hat in den Geschäften nicht gerade für sonnige Stimmung gesorgt. Laut Information und Technik NRW als Statistisches Landesamt waren die Umsätze im Einzelhandel inklusive Onlinegeschäft um 1,5 Prozent niedriger als im Juni 2018.

Den Rückgang kann Tabitha Tegtmeier, Filialleiterin von Schuhhouse, bestätigen:„Es war im Juni schwächer.“ Dafür sei aber im letzten Jahr auch ein Bomben-Sommer gewesen, schon ab Mai. „Bei uns ist jetzt der Juli stärker als im vergangenen Jahr.“

„Das Wetter muss mitspielen“

Das Kundenverhalten sei heute schwer kalkulierbar. „Früher konnte man sagen, dass an Markttagen viel los ist. Das ist heute auch nicht mehr so. Das Wetter muss mitspielen.“ Als es kürzlich regnete, hätten die Kunden schon Herbstware gekauft.

Angesprochen auf den Umsatzrückgang im Juni, erklärte das Unternehmen Peek&Cloppenburg KG, Düsseldorf;: „Die Umsätze in dem 1979 eröffneten Kaufhaus in Lünen verlaufen gemäß Planung.“ Man freue sich über die Treue zahlreicher Stammkunden. Dass Bekleidungshaus scheint auf Lünen zu zählen. Im März seien die Bodenbeläge erneuert und eine Fläche für Sneaker integriert worden.

H&M teilt auf Anfrage mit: „Wir sind mit unserem Geschäft in Lünen sehr zufrieden“. Hervorzuheben sei die gute Struktur und Nachbarschaft vor Ort.

„Es gibt starke und weniger starke Tage“

Karin Faust, Verkäuferin bei Spielwaren Blomenkemper, sagt: „Es gibt starke und weniger starke Tage. Das liegt oft am Wetter.“ Bei Spielwaren sei der Sommer oft schwächer, dafür würde der Umsatz zu Weihnachten stärker.

Umsatz im Juni schwächelt: Kundenverhalten ist heute schwerer einzuschätzen

Weniger Umsätze landesweit im Juni: Karin Faust, Verkäuferin bei Spielwaren Blomenkemper, sagt, es gebe starke und weniger starke Tage. Oft läge es auch am Wetter. © Quiring-Lategahn

Blomenkemper steuert mit Aktionen dagegen: beispielsweise mit Geburtstagsboxen. Kinder suchen sich etwas zum Geburtstag aus. Das kommt in eine Kiste. Verwandte können daraus wählen, was sie schenken möchten. „Das Kind bekommt, was es sich wünscht und Doppelgeschenke fallen weg“, erläutert Karin Faust. Sie hat eine neue Entwicklung ausgemacht: Viele Kunden würden lieber im Geschäft kaufen, wo sie die Ware anfassen und sich beraten lassen können, als im Internet.

Dreieinhalb Stunden Aufwand für einen Tornister

Das bestätigt Kundin Silvia Tkotz: „Ich wohne in Lünen und kaufe auch in Lünen ein.“ Im Internet habe sie noch nie bestellt. Wenn alle dort kaufen würden, wären Geschäfte, Restaurants oder Eisdielen in den Innenstädten bald weg.

Umsatz im Juni schwächelt: Kundenverhalten ist heute schwerer einzuschätzen

Silvia Tkotz hat noch nie etwas im Internet bestellt."Ich wohne in Lünen und kaufe da auch", sagt sie. Im Schuhhouse hat chice Schuhe für eine Hochzeit gefunden. © Quiring-Lategahn

Andere Erfahrungen schildert Michael Semmler auf Facebook. Er wollte einen Schulranzen-Set für die Tochter kaufen, allerdings in Köln. Online hätte ein Klick genügt, und das Set wäre innerhalb von zwei Tagen zuhause gewesen. Doch er entschied sich für den stationären Handel. Die ersten drei Geschäfte hatten das Set nicht, im vierten musste es bestellt werden. Fazit: 3,5 Stunden Aufwand. „Der Handel müsse kundenfreundlicher werden und sich auf modernere Prozesse einstellen“, fordert er. „Gleiche Öffnungszeiten“, merkte ein anderer User auf Facebook an.

Idee einer virtuellen Plattform

Laut Helmut von Bohlen, Vorsitzender des City Rings, sei es in Lünen Thema, wie man mit Online-Handel umgehe. Es gebe die Idee einer virtuellen Plattform. Das Problem sei die Umsetzbarkeit. „Es ist ein Riesenaufwand und alle müssten mitmachen“, so von Bohlen. Er sagt aber auch: Im Moment reden wir nicht über Umsätze. Lünen müsse sich anstrengend. Aber man sei zukunftsorientiert und selbstbewusst. „Wir haben ein tolles Angebot.“

Michael Ristovitch, Vorsitzender der Bramis, nennt die Zukunftswerkstatt Brambauer 2030 und die wöchentlichen Donnerstagstreffen. „Da reden wir auch über Sauberkeit und Zugänglichkeit zu den Geschäften.“ Das Umfeld sei wichtig. Zudem versuchten die Bramis, gezielt Läden nach Brambauer zu holen: Gewünscht werde von den Bürgern ein Schuhladen.

C&A hat sich übrigens nicht zu Umsatzzahlen im Juni geäußert. Standortspezifische Umsatzzahlen würden nicht kommuniziert, hieß es.

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