Umweg zum Traumberuf: Christopher Köthe aus Lünen feiert Einstand

mlzKirche in Lünen

Das war ein ganz besonderer Gottesdienst am Pfingstsonntag in Lünen Süd. Das hatte nicht nur mit Maskenpflicht, Abstandsregeln und Wiedersehensfreude zu tun, sondern auch mit Christopher Köthe.

Lünen-Süd

, 31.05.2020, 16:40 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der erste Gottesdienst in Lünen-Süd seit der Corona-Zwangspause vor zwölf Wochen fiel auf Pfingstsonntag: das Fest des Heilgen Geistes und der Geburtstag der Kirche. Es gab in der evangelischen Kirchengemeinde Horstmar-Preußen aber noch mehr zu feiern: eine Amtseinführung.

Immer weniger Pfarrer in Deutschland

Bundesweit nimmt nicht nur die Zahl der Kirchenmitglieder ab, es herrscht auch Pfarrermangel - nicht nur in der katholischen Kirche, wo der Zölibat, das Ehe-Verbot gilt, - sondern auch in der evangelischen Kirche: 16 der 20 evangelischen Landeskirchen in Deutschland hatten im vergangenen Jahr auf Anfrage der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung angegeben, den Bedarf an Pfarrstellen bis zum Jahr 2030 nicht mehr decken zu können.

Für junge Menschen ist der Beruf des Pfarrers oder der Pfarrerin zunehmend unattraktiv, insbesondere wegen der wachsenden Gemeinden und Arbeitsbereiche. Für Christopher Köthe war es immer ein Traumberuf - aber er entschied sich dennoch anders.

Ein Ehrenamt mit besonderer Bedeutung

„Meine Familie hatte mit der Kirche eher wenig am Hut.“ Da sei ein Theologie-Studium schwer durchsetzbar gewesen. „Ich bin stattdessen Bestatter geworden“, sagt der Mann aus Lünen-Süd. Auch ein schöner Beruf. Dennoch blieb sein alter Wunsch, öffentlich zu predigen. Jetzt erfüllt er sich - anders als zunächst gedacht.

Neben Sabine Achilles, Hannelore Klusmann und Benedikt Kybala verfügt die Kirchengemeinde seit Pfingstsonntag mit Christopher Köthe (32) über einen weiteren Prädikanten. Das sind Laienprediger, die ohne Theologiestudium auf die Kanzel steigen.

Superintendentin wünscht richtige Worte in der Krise

Prädikanten engagieren sich nicht nur auf Zeit, etwa für ein Projekt, sondern haben einen festen Platz im Gottesdienst:. Sie arbeiten eng zusammen mit den Menschen, die hauptamtlich kirchliche Berufe ausüben: ob Pfarrer, Diakone, Religionspädagogen oder Kirchenmusiker. Dabei können sie ihre Erfahrungen aus der jeweiligen Berufswelt mit einbringen.

„Ich hoffe, er findet in dieser Krisenzeit mit Corona stets gute und verständliche Worte, in seinen zukünftigen Gottesdiensten“, sagte die stellvertretende Superintendentin Andrea Auras-Reiffen. Sie übergab dem 32-Jährigen die Ernennungsurkunde. Dass ihm das Predigen liegt, hatte Köthe nicht erst am Sonntag unter Beweis gestellt: Erst am 1. März hatte er in der Christuskirche Horstmar seine Probepredigt gehalten - Teil der einjährigen Ausbildung.

Winfried Moselewski bahnte den Weg

Pfarrer Winfried Moselewski sei es gewesen, der ihn ermutigt habe, diesen Weg einzuschlagen, sagte er. Als der zum August 2017 nach Unna wechselte als Militärseelsorger, sei Pfarrerin Andrea Ohm seine Mentorin und Begleiterin während der Ausbildung geworden.

Das neue Ehrenamt ist nicht das einzige, das Köthe bekleidet: Er ist Mitglied im Friedhofsausschuss, im Kirchenchor, im Lektorenkreis und seit drei Jahren engagiert er sich als Presbyter.

Nur noch zwei statt fünf Pfarrstellen

Pfarrerin Ohm freut sich über den großen Einsatz: „Christopher Köthe wird ab sofort Gottesdienste in Lünen-Süd und Horstmar leiten. Nachdem in der jüngeren Vergangenheit unsere Pfarrstellenzahl von fünf auf zwei schrumpfte, können wir hier jede Hand gebrauchen.“, sagte sie. Die Prädikanten entwickelten sich zu einer „wichtigen Säule unseres Gemeindelebens“.

Köthes Weg könnte noch weiter gehen: Der Besuch von Aufbauseminaren würde es ermöglichen, später auch Trauungen sowie Beerdigungen zu übernehmen. Fest steht: Der nächste Einsatz wird für den neuen Prädikanten am 2. August sein. Dann hält er die Predigt in Horstmar. Ob die Gottedienstbesucher dann wieder enger zusammenrücken können, ist noch offen. Am Pfingstsonntag durften maximal 48 Menschen in die Kirche - 45 kamen.

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