Die Maske von Holger Eichweber sieht zwar anders aus, als eine OP-Maske, erfüllt aber diegleichen Standards. Sie ist teurer, dafür wiederverwendbar. © Holger Eichweber / privat
Maskenpflicht

Umweltfaktor Maske: Lüner mit nachhaltigem Coronaschutz unterwegs

Schutz vor Corona: Ja. Zur Wegwerfgesellschaft beitragen: Bitte nicht. Holger Eichweber aus Lünen hat eine Maske die den geforderten Standards entspricht, aber wiederverwendet werden kann.

Seitdem FFP2- und OP-Masken in vielen Bereichen der Öffentlichkeit Pflicht sind, ist die selbst genähte Alltagsmaske fast komplett von der Bildfläche verschwunden. Dass die schützende Funktion dabei eine wichtige Rolle spielt, ist das Eine. Dass es sich bei den neuen Masken prinzipiell um Einwegprodukte handelt, das Andere.

„Die benutzten Masken liegen überall herum“, sagt Holger Eichweber aus Lünen. Umweltfreundlich sei das nicht, sondern ein weiterer Faktor für das Müllproblem. Nicht nur in Lünen selbstverständlich, sondern auch andernorts. „Ich bin viel auch an der Nordsee und im Wattenmeer unterwegs“, erzählt Eichweber. Fotos von Tieren, die sich in den weggeworfenen Masken verheddern sind für den Lüner kein schöner Anblick.

Keine Maske zu tragen oder auf die Alltagsmaske zu bestehen kam für den 42-Jährigen allerdings auch nicht in Frage. „Es geht ja nicht ums Leugnen von Corona.“ Er wolle sich schützen, wenn möglich aber eben umweltfreundlicher.

Mehrwegmaske von Firma aus Bayern

Stattdessen habe er nach einer Alternative gesucht. Fündig wurde Eichweber bei der Firma Trans-Textil aus Bayern. Die produziert eigentlich Arbeitskleidung mit bestimmten Schutzmerkmalen unter anderem für die Polizei, Feuerwehr, Krankenhäuser oder die Bundeswehr, wie Inhaber Andreas Haensch im Gespräch mit der Redaktion erzählt.

„Zu Beginn der Pandemie waren wir dazu aufgefordert worden, eine Lösung für das Maskenproblem zu präsentieren.“ Wie viele andere Unternehmen in Deutschland auch, weil medizinische Masken aufgrund der internationalen Lage kaum verfügbar waren.

Weiterer Hersteller

Alternative zur Einweg-Maske mit FFP2-Schutz

  • Auch der Hersteller „Livinguard“ aus der Schweiz hat eine Mehrwegmaske entwickelt, die eine Alternative zu Einweg-Masken bieten soll.
  • Die „Livinguard Pro Mask“ ist zertifiziert und soll zu bis zu 95 Prozent Filterleistung haben. Damit soll sie die Luft genauso wie eine FFP2-Maske filtern.
  • Die Freie Universität Berlin und die RWTH Aach haben Studien durchgeführt, die bestätigen, das die Maske mit ihren drei Lagen bis zu 99,9 Prozent der Viren „inaktivieren“ kann.
  • Das Prinzip der Maske beruht laut Hersteller auf einem speziellen Stoff, der das Virus einfängt, dessen Hülle zerstört und es so unschädlich machen soll.

Fachlich kein besonders großer Sprung, denn Textilien mit virenabweisenden Membranen sind seit Jahren im Programm des süddeutschen Herstellers. „Sie müssen sich das wie eine wasserdichte Membran in Outdoor-Kleidung vorstellen, nur, dass die eben keine Viren durchlässt“, erklärt Haensch.

Entwicklung für Unternehmen auch eine Kostenfrage

Weil das Gewebe bis dato allerdings „nur“ für Bekleidung, nicht für medizinische Masken zugelassen, die Zeit aber knapp war, gab es eine Sonderzulassung nach §11 Medizinproduktegesetz mit Gültigkeit bis in den Sommer. Das Land Bayern selbst orderte seit März 2020 Masken bei dem Unternehmen aus Freilassing. „Wir waren von der Mehrwegmaske aber so überzeugt, dass wir danach den offiziellen Zulassungsweg weiterverfolgt haben“, sagt Haensch.

Innerhalb von Wochen wurde so aus der Notlösung eine medizinische Gesichtsmaske nach der europäischen Norm (EN 14683). „Weil wir auf unserer Erfahrung aufbauen konnten, ging das so schnell. Für andere Unternehmen kann das durchaus Monate oder noch länger dauern.“

Und auch eine Kostenfrage. Bis zu 30 Mal soll die Maske von Transtextil bei 60 Grad waschbar sein. Auf die Frage, warum genau diese Zahl und nicht auch 40 oder 50 mal sagt Haensch: „Weil wir es so häufig im Labor haben testen lassen. Am Ende ist das dann auch eine Kostenfrage.“

Zertifikat immer mit dabei

Apropos Kosten: Je nach Ausführung kann die Maske in Internet für 15 bis 20 Euro gekauft werden. Sie ist also um einiges teurer, als eine FFP2-Maske oder eine „normale“ medizinische Einwegmaske. „Der Preis relativiert sich natürlich, weil man die Maske für längere Zeit tragen kann“, sagt Haensch.

Ein Zertifikat gibt es inklusive. Dass hat Holger Eichweber jetzt immer mit dabei. „Viele Menschen sind primär visuell geprägt und die Maske sieht natürlich etwas anders aus.“ Probleme habe er damit bislang eigentlich nicht gehabt. Im Gegenteil „Beim Einkaufen waren mehrere Sicherheitsdienste sogar sehr interessiert. Zu Infozwecken wollte die eine Kopie haben.“

Werbung machen wolle Eichweber nicht. Jedenfalls nicht konkret für „seine“ Maske, auch wenn er damit zufrieden sei. Es gehe um Aufklärung und eben Nachhaltigkeit. Der Schutz vor Corona müsse den Umweltgedanken nicht ausschließen.

Über den Autor
Beruflicher Quereinsteiger und Liebhaber von tief schwarzem Humor. Manchmal mit sehr eigenem Blick auf das Geschehen. Großer Hang zu Zahlen, Statistiken und Datenbanken, wenn sie denn aussagekräftig sind. Ein Überbleibsel aus meinem Leben als Laborant und Techniker. Immer für ein gutes und/oder kritisches Gespräch zu haben.
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Matthias Stachelhaus

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