Werner Müller zeigt die besonderen Streichholz-Etiketten, die an viele Gaststätten in Lünen erinnern. © Goldstein
Sammler Werner Müller

Ungewöhnliche alte Etiketten erinnern an viele Gaststätten in Lünen

Die Sammel-Leidenschaft hat Werner Müller schon als Kind gepackt. Neben Briefmarken hat er noch andere Sammelstücke entdeckt - die an viele frühere Lüner Gaststätten erinnern.

Als er zehn Jahre alt war, begann Werner Müller mit dem Sammeln von Briefmarken. Das ist sechs Jahrzehnte her. Aber die Begeisterung für die kleinen gezackten Kunstwerke ist erhalten geblieben.

Aber der Lüner sammelt nicht nur weiter Briefmarken. „Ich habe auch eine Spardosen-Sammlung.“ Das mag vielleicht sein Beruf mit sich gebracht haben – Müller war viele Jahre bei der Sparkasse an der Lippe tätig. „Ich habe knapp 200 Spardosen, natürlich einige von der Lüner Sparkasse und von fremden Sparkassen. Per Internet hab ich auch sehr schöne von der englischen Postsparkasse ersteigert.“

So sah das Etikett auf den Streichholzschachten des “Lords Inn” aus. © Müller © Müller

Weil er im Internet auch regelmäßig nach Sammelstücken rund um Lünen und die Region sucht, entdeckte er eines Tages ein Angebot, bei dem jemand die Etiketten von Streichholzschachteln anbot. Besondere Etiketten, denn darauf machten Lüner Gaststätten Werbung für sich selbst.

Vater spielte Live-Musik

„Da ich Nichtraucher bin, habe ich auf so etwas nie geachtet oder es gekannt“, so Müller. Es reizte ihn aber und er bot mit, bekam den Zuschlag für die Etiketten. Als er sie bekam, staunte er nicht schlecht. Nicht alle Gaststätten aus früheren Zeiten kannte der Lüner. Einige dafür umso besser, weil sein Vater, der auch Werner hieß, dort oft für Live-Musik gesorgt hatte.

Werner Müllers Vater an seinem Schlagzeug. In einigen der Gaststätten, die auf den Streichholz-Schachteln warben, hat er gespielt. © Müller © Müller

„Mein Vater war begeisterter Hobby-Musiker, spielte Schlagzeug. Noten hat er nie gehabt, aber wenn er ein Lied im Radio hörte, konnte er es sofort nachspielen“, erzählt der Lüner. Er hat sogar noch einen alten Pass seines Vaters, den die Reichsmusikkammer vor dem Zweiten Weltkrieg ausgestellt hatte. Nachdem er 1948 geheiratet hatte, spielte Werner Müller sen. mit Musikerkollegen in Lüner Gaststätten.

Das Etikett, das die Gäste der früheren Gaststätte “Zum Kleeblatt” auf den Streichholzschachteln bekamen. © Müller © Müller

„Meistens am Samstag und Sonntag, da habe ich ihn kaum gesehen. Abends war er weg und weil das Ganze immer bis in die Nacht hinein ging, musste er am Vormittag ausschlafen.“ In Gahmen spielte der Schlagzeuger im Saalbau Diekmann an der Gahmener Straße, in Lünen-Süd im damaligen Bürgerkrug an der Bebelstraße.

Schlagzeug im Goggomobil transportiert

Zuerst war er als Laborant auf der Zeche Gneisenau tätig, später dann im Magazin bei Hoesch. Der 1976 gestorbene Lüner hat bis in die 60er-Jahre noch auf Hochzeiten gespielt. Um sein Schlagzeug zu transportieren, kaufte er sich 1964 ein Goggomobil. „Wenn er da den Beifahrersitz rausnahm, konnte er die große Trommel reinpacken.“

Werner Müllers Vater mit dem Goggomobil, in dem der Hobbymusiker sein Schlagzeug transportierte.
Werner Müllers Vater mit dem Goggomobil, in dem der Hobbymusiker sein Schlagzeug transportierte. © Müller © Müller

Das Goggomobil konnte Müller sen. auch mit seinem alten Führerschein Klasse IV fahren. „Er wollte keinen neuen Führerschein machen, vor allem hatte er keine Lust auf die Theorieprüfung. Deshalb hat er das Goggomobil gekauft.“

Postleitzahlen geben Hinweise

Die Etiketten der Streichholzschachteln brachten dem Sohn viele Erinnerungen an die musikalischen Auftritte des Vaters. Aber längst nicht alle früheren Gaststätten kannte er. Wie alt die Sammelstücke sind, steht zwar nicht auf den Etiketten, aber die Postleitzahlen in den Adressen geben einen Hinweis.

Im früheren Saalbau Diekmann ist Werner Müllers Vater als Musiker aufgetreten. © Müller © Müller

Müller: „1961 wurden die vierstelligen Postleitzahlen eingeführt, Lünen hatte die 4628, dann folgte die 4670 und ab 1993 gibt es die fünfstelligen Postleitzahlen.“ Die meisten Gaststätten gibt es heute nicht mehr. Zu denjenigen, die Müller selbst nicht kannte, konnten Bekannte ihm ein bisschen erzählen.

Von Requisiten rund um Lünen hat Müller sechs Alben voll gesammelt, alleine mehr als 1000 Ansichtskarten gehören zu seiner Sammlung. „So wie andere Leute Bierdeckel oder Milchdöschen sammeln, gibt es auch Sammler von Etiketten auf Streichholzschachteln.“ Seine Haupt-Sammelleidenschaft allerdings bleiben die Briefmarken.

Über die Autorin
Redaktion Lünen
Beate Rottgardt, 1963 in Frankfurt am Main geboren, ist seit 1972 Lünerin. Nach dem Volontariat wurde sie 1987 Redakteurin in Lünen. Schule, Senioren, Kultur sind die Themen, die ihr am Herzen liegen. Genauso wie Begegnungen mit Menschen.
Zur Autorenseite
Beate Rottgardt

Der neue Lokalsport-Newsletter für das Münsterland

Immer dienstags und freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.