Die anliegenden Unternehmer Hassan Kavsak, Ralf Lott, Uwe Schwederski und Ute Hellhammer konnten es nicht glauben, als sie die Nachricht von der Straßensperrung vernahmen. Sie halten die Maßnahme für geschäftsschädigend. © Günther Goldstein
Baumaßnahme Elsa-Brändström-Straße

Unternehmen reagieren fassungslos auf geplante Straßensperrung in Lünen

Fassungslosigkeit und Wut mischten sich am Freitag (4.12.) bei Unternehmen an der Elsa-Brändström-Straße in Lünen. Ab Montag sollte die komplett gesperrt werden. Es kommt anders, aber wie?

Es war eine kleine Mittleitung der Stadt Lünen, die unsere Redaktion am Freitagmorgen online veröffentlichte – und die bei den Betroffenen einschlug wie eine Bombe. Denn es hieß: „Ab dem 7. Dezember ist die Elsa-Brändström-Straße im Einmündungsbereich der Brechtener Straße für die Ein- und Ausfahrt gesperrt. Hier werden Arbeiten an Versorgungsleitungen durchgeführt. […] Die Arbeiten dauern voraussichtlich bis zum 21. Dezember 2020.“

Geplante Aktion wie aus dem Nichts

Eine Nachricht wie aus dem Nichts. Am Freitagvormittag. Eine Sperrung ab dem folgenden Montag für einen Zeitraum von drei Wochen, vielleicht auch länger. Eine Zeit, in der die Unternehmen so gut wie nicht mehr erreichbar sein würden. Denn auch wenn eine Umleitung eingerichtet und ausgeschildert wird, ist diese eine echte Himmelfahrt. Und ob Lastwagen sie nutzen können, ist den Anliegern unklar.

Kanalbrücke auch gesperrt

„Die Kanalbrücke ist ja derzeit auch gesperrt“, sagte Jörn Mathes, Geschäftsführer der Remitec GmbH Recycling und Mineralstofftechnologie. „Wenn jetzt vorne auch noch zugemacht wird, sind wir nicht mehr erreichbar.“ Ein riesen Problem für das Unternehmen, das Staatsaufträge hat und als systemrelevant gilt. „Das ist so als würde man den Weg zur Müllverbrennungsanlage abriegeln“, zog er einen Vergleich. Dieser „Schildbürgerstreich“ in einem Industriegebiet sei „eine Katastrophe. Wir leben von der An- und Ablieferung von Lkw und wir haben Termine, die wir einhalten müssen. Noch wirtschaftsfeindlicher kann eine Stadt doch gar nicht sein. Da überlegt man, ob man nicht woanders ansiedelt“, machte er dem ersten Unmut Luft.

Corona-gebeutelte Kleinunternehmer mit den Nerven am Ende

Auch die Nachbarn verstanden die Welt nicht mehr. „Wir sind mit den Nerven am Ende“, hieß es bei den Betreibern der Fischteiche. „Das ist doch Wahnsinn“, ärgerte sich Hassan Kavsak, Inhaber einer anliegenden KfZ-Werkstatt. „Ich habe doch Kundentermine. Es weiß doch keiner, dass er hier nicht mehr durchkommt.“

Die bereits arg von Anti-Corona-Maßnahmen gebeutelten Unternehmer bangten plötzlich wieder um das Überleben ihrer Betriebe. „Wir hatten uns jetzt auf das Weihnachtsgeschäft gefreut und auf ein bisschen Kompensation dessen gehofft, was wir das ganze Jahr über verloren haben“, sagte Uwe Schwederski, Inhaber von Volle Pulle Zapfgenuss. „Aber man fällt hier von einer Ohnmacht in die andere.“

Riesige Umwege aufgrund der Umleitung nötig

Erste Kunden hätten ihre Bestellungen für die nächsten Wochen schon sofort zurückgezogen, hieß es an den Fischteichen. „Die sagten, die würden doch nicht so einen riesigen Umweg zu uns fahren.“ Denn ist die Verbindung zur Brechtener Straße gesperrt, liegt die einzige Zufahrt zur Elsa-Brändström-Straße aus Lüner Sicht auf der anderen Seite der Autobahn. Und da müssen Autofahrer erstmal hinkommen.

Die Unternehmer, die am Freitag Kenntnis von der geplanten Sperrung erhielten, setzten daher alle möglichen Hebel in Bewegung, um noch etwas erreichen zu können. Vor allem die Stadt war für viele erste Anlaufstelle, nicht nur, weil die Meldung der Sperrung verbreitet hatte. „Die müssen so etwas doch koordinieren. Das betrifft doch Busverkehre, Rettungswege, und und und“, erklärt ein Unternehmer seine Gedankengänge. „So eine Sperrung gibt doch richtig Theater.“

Stadt fühlte sich nicht zuständig

Doch bei der Stadt Lünen fühlte man sich gar nicht zuständig. „Bei den Straßenbauarbeiten auf der Elsa-Brandström-Straße handelt es sich nicht um eine Baumaßnahme der Stadt Lünen“, teilte der stellvertretende Stadtsprecher Alexander Dziedeck mit. Entsprechend ihrer gesetzlichen Pflichten müsse die Stadt die Durchführung aller Straßenbaumaßnahmen genehmigen. „Dabei wird die Genehmigung jeweils mit der Auflage versehen, unter anderem die Anlieger frühzeitig über Beeinträchtigungen zu informieren.“

Baumaßnahme von Gelsenwasser

Warum das nicht passierte, führt Bauträger Gelsenwasser auf ein großes Kommunikationsproblem zurück. Gelsenwasser verlegt dort übergreifend der Stadtgrenzen neue Wasserleitungen – und: „es gibt dort sehr, sehr viele Beteiligte“, erklärte ein Unternehmenssprecher.

Deshalb hat man die Baumaßnahme und damit auch die Sperrung der Straße am Freitagnachmittag auch erst einmal verschoben. Denn am Freitagnachmittag waren viele notwendigen Ansprechpartner nicht mehr greifbar.

Planer übersehen Sperrung der Kanalbrücke

„Es ist wohl bei aller Planung übersehen worden, dass diese Brücke gesperrt ist“, erklärte der Gelsenwasser-Sprecher – und deshalb soll es am Montag ein Treffen aller Beteiligten geben, bei dem nach Lösungen gesucht werden soll. Denn auch die Belange der Anlieger müssen beachtet werden. Deren Hoffnung ist, dass die Maßnahme auf wenige Tage verkürzt und vielleicht auch ein Wochenende dafür genutzt werden kann. Denn vollzogen werden muss die Maßnahme eines Tages – und das in nicht allzu weiter Ferne. Denn für die Erneuerung der Wasserversorgung sollen Fördergelder des Bundes genutzt werden – und dazu müssten die Arbeiten noch in diesem Jahr stattfinden.

Doch bei allem Zeitdruck müssen auch die Belange des naheliegenden Krankenhauses beachtet werden, denn auch das muss für Rettungswagen jederzeit erreichbar bleiben. „Sonst wäre die Provinzposse ja auch perfekt“, sagt ein Anlieger. Remitec-Geschäftsführer Jörn Mathes ist mit dem bisherigen Ergebnis zufrieden. „Sprechenden Menschen kann halt geholfen werden.“

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