Vater Elsoffer stirbt in Reichsprogromnacht: Mutter und Sohn flüchten

Stolpersteine in Lünen

Der Arbeitskreis Lüner Stolpersteine hat die Geschichte der Familie Elsoffer recherchiert. Der Vater starb während der Reichsprogromnacht. Mutter und Sohn überlebten und wanderten aus.

Lünen

24.04.2020, 20:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
Werner Elsoffer (2.v.l.) mit einem Matrosenanzug. Nachdem er zunächst nach England emigriert war, kämpfte er im zweiten Weltkrieg als Soldat gegen die Deutschen.

Werner Elsoffer (2.v.l.) mit einem Matrosenanzug. Nachdem er zunächst nach England emigriert war, kämpfte er im zweiten Weltkrieg als Soldat gegen die Deutschen. © Stadtarchiv

Der 1888 geborene Waldemar Elsoffer war Jude und betrieb an der Langen Straße ein Schuhgeschäft, das er 1926 aufgab. Danach besaß er eine Agentur für elektronische Artikel und Rasierapparate, die er als Handlungsreisender im Ruhrgebiet vertrieb.

Kurz nach der Machtergreifung 1933 gab er seine Agentur auf, fortan lebte die Familie von der Wohlfahrt. Am 9. November 1938 wurden zwei Zimmer seiner Wohnung vollständig verwüstet.

Der Herd wurde aus der Wand gerissen und auf den Kopf gestellt. Ein Küchenschrank, ein kostbarer Wohnzimmerschrank mit wertvollen Gegenständen aus Kristallglas und eine große Standuhr wurden umgeworfen und zerstört.

Vater ertrinkt in der Reichsprogromnacht in der Lippe

In der folgenden Pogromnacht plünderten Parteigenossen der NSDAP die Synagoge und zündeten die Einrichtungsgegenstände auf dem Marktplatz an.

Elsoffer wurde von zwei Nazis vom Alten Markt zusammen mit seinem Nachbarn Hermann Markus Aronstein in die Lippe getrieben. Aronstein durchschwamm die Lippe zwei Mal und überlebte diese Drangsalierung, während Elsoffer beim ersten Versuch in der Mitte des Gewässers unterging und ertrank. Seine Leiche wurde am 30. November 1938 in der Lippe treibend gefunden.

Für Waldemar Elsoffer wurde in Lünen bereits vor seinem letzten Wohnort ein Stolperstein verlegt. 2020 kommen für seine Frau Martha und seinen Sohn Werner weitere Steine dazu.

Neue Stolpersteine für Werner und Martha Elsoffer

Werner Elsoffer, einziges Kind der Eheleute, wurde am 7. Januar 1921 in Lünen geboren. Er besuchte ab 1932 das Freiherr-vom-Stein-Gymnasium, das er am 31. Juli 1933 wieder verließ.

Von 1935 bis 1938 absolvierte er eine Polsterer- und Innendekorationslehre beim jüdischen Kaufmann Rosenberg, dessen Geschäft an der Langen Straße lag. Er musste die Lehre abbrechen, weil das Geschäft „arisiert“ wurde. Das heißt, es wurde zwangsweise an einen nichtjüdischen Geschäftsmann verkauft.

Noch vor Beginn des zweiten Weltkrieges emigrierte er, genau wie seine Mutter, nach England. Hier wurde er Soldat in einem Arbeiterbataillon, das im Krieg auch gegen Deutschland eingesetzt wurde.

Nach Australien emigriert und neuen Namen angenommen

Nach Kriegsende emigrierte Werner Elsoffer nach Australien, wo er sich in Walter Werner Eltham umbenannte. 1979 starb er in Melbourne. Seine Tochter Margot Pogos besuchte Lünen am 7. September 2009.

Sie war auf persönlicher Spurensuche nach der eigenen Vergangenheit und deshalb bei der Verlegung des Stolpersteins ihres Großvaters Waldemar Elsoffer dabei.

Martha Elsoffer, geborene Asser, emigrierte als 47-Jährige im Juni 1939 nach England. Dort war sie zunächst als Hausangestellte, später als Arbeiterin in einer Fabrik tätig.

Weil das Geld nicht zum Überleben reichte, wurde sie von ihrem Sohn finanziell unterstützt. Im März 1947 emigrierte sie, genau wie ihr Sohn Werner, nach Australien. Hier heiratete sie am 15. Juni 1950 William Mummford. Martha Elsoffer starb am 14. Februar 1954 in Melbourne.

Recherchiert und aufgeschrieben haben die Geschichte der Familie Rose Wolfgang Balzer und Katrin Rieckermann, unterstützt von den weiteren Mitgliedern des Arbeitskreises für Lüner Stolpersteine.

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