Der verkaufsoffene Sonntag am 29. November kann nach dem Gerichtsurteil nicht stattfinden. © Fröhling
OVG Münster

Verdi gewinnt vor Gericht: Kein verkaufsoffener Sonntag in Lünen

Das OVG Münster hat die Regelung für verkaufsoffene Sonntage im Advent gekippt. Damit werden die Geschäfte auch in Lünen am 29. November nicht öffnen. Der City-Ring ist fassungslos.

Die Corona-Schutzverordnung des Landes NRW sieht eigentlich vor, dass Geschäfte in der Adventszeit sonntags auch ohne das sonst notwendige Brauchtumsfest – wie zum Beispiel einen Weihnachtsmarkt – öffnen können. Das wollte sich der City-Ring zu Nutze machen: Die Gemeinschaft aus Lüner Geschäftsleuten kündigte einen verkaufsoffenen Sonntag für den 1. Advent, den 29. November an. „Es wären ja fünf verkaufsoffene Sonntage möglich gewesen. Wir wollten nur den einen, um den Samstag nach dem Black Friday zu entzerren“, sagt City-Ring-Vorsitzender Helmut von Bohlen.

Der Black Friday ist in den USA traditionell der Tag, an dem das Weihnachtsgeschäft Fahrt aufnimmt. Mit dem wachsenden Online-Handel schwappte das Phänomen auch nach Deutschland und ist mittlerweile auch vom stationären Handel übernommen worden. „Da war schon einiges los in der Innenstadt“, sagt von Bohlen rückblickend. Deshalb sei der Wunsch nach dem verkaufsoffenen Sonntag auch kein Lippenbekenntnis gewesen: „Das war sinnvoll und natürlich genauso gemeint, wie wir es auch gesagt haben.“

Doch die Gewerkschaft Verdi beharrte vor dem OVG Münster darauf, dass eine Sonntagsöffnung nicht zulässig sei. Die Richter folgten der Argumentation. Helmut von Bohlen sieht darin „ein katastrophales Signal“ für den Einzelhandel. „Ich habe jede Menge Anrufe von Lüner Händlern, die mich fragen, ob sie nun am Samstag Security-Dienste einstellen sollen.“ Eine Antwort darauf kann von Bohlen auch nicht geben, er glaubt aber, dass der Samstag in Lünen sehr wohl voll wird und es damit zu Gedränge kommen könnte: „Demgegenüber steht ja die Corona-Schutzverordnung, die klar sagt, wie viele Kunden man in den Laden lassen darf.“

Bürgermeister sieht „kein gutes Signal“

Für die Stadtverwaltung bleibt das Urteil aus Münster erst einmal ohne Folgen. Normalerweise beschließt der Stadtrat die verkaufsoffenen Sonntage – das war im Frühjahr auch geschehen, da allerdings auf der Grundlage, dass der Weihnachtsmarkt stattfindet. Als der wegfiel, wollte die Landesregierung mit der Schutzverordnung eine Möglichkeit schaffen, auch ohne diesen Anlass sonntags die Geschäfte zu öffnen.

Bürgermeister Jürgen Kleine-Frauns reagierte auf die Entscheidung aus Münster mit Unverständnis: „Mir hatte die Argumentation der Landesregierung, dass eine Sonntagsöffnung für Entzerrung sorgen würde, eingeleuchtet. Auch dem Einzelhandel hätte man hier helfen können.“ Er glaube, dass es sinnvoll gewesen, wäre, den Lünerinnen und Lünern eine zusätzliche Möglichkeit für Einkäufe zu bieten. „Ich weiß, dass viele der Händlerinnen und Händler sehr gerne am kommenden Sonntag geöffnet hätten. Natürlich werden sie alle das Urteil des Oberverwaltungsgerichts akzeptieren. Aber dass die Sonntagsöffnung nun nicht möglich ist, ist für die lokale Wirtschaft – vor allem für den Einzelhandel – kein gutes Signal.“

„Verdi hat sich von der Basis entfernt“

Helmut von Bohlen ärgert sich derweil vor allem darüber, dass das Urteil in seinen Augen die Wünsche der Angestellten ignoriere: „Ich weiß von sehr vielen Händlern, dass die Verkäuferinnen und Verkäufer sich über einen Sonntagseinsatz gefreut hätten.“ Bei einigen Betrieben gebe es bis zu 100 Prozent Sonntagszuschlag. „Den können die Angestellten in der Krise gut brauchen, schließlich haben sie zum Beispiel durch den Lockdown im Frühjahr schon arg gelitten.“

Der Vorsitzende ist überzeugt: „Wenn die von Verdi durch Lünen laufen und die Angestellten fragen würden, bekämen sie von fast allen zu hören, dass man diesen Sonntag gerne mitnimmt.“ Stattdessen habe sich die Gewerkschaft seiner Meinung nach von der Basis entfernt: „Die müssen doch auch mal hören, was die Angestellten denken. Und sich Gedanken machen, woher denn das Geld kommen soll, das dann an normalen Tagen ausgegeben werden kann.“

Über den Autor
Redaktion Lünen
Journalist, Vater, Ehemann. Möglicherweise sogar in dieser Reihenfolge. Eigentlich Chefreporter für Lünen, Selm, Olfen und Nordkirchen. Trotzdem behält er auch gerne das Geschehen hinter den jeweiligen Ortsausgangsschildern im Blick - falls der Wahnsinn doch mal um sich greifen sollte.
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Daniel Claeßen

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