Vergewaltigung in der Ehe? Richter treffen auf Mauer des Schweigens

mlzFreispruch

Eine Frau zeigt ihren Mann wegen mehrfacher Vergewaltigung an. Doch im Prozess gegen den Lüner wird das Schweigen aller Prozessbeteiligten zum Problem für den Richter.

Lünen

, 29.07.2020, 19:15 Uhr / Lesedauer: 1 min

Die Anklage hatte es in sich: Gleich mehrfach sollte ein Mann aus Lünen seine Ehefrau sexuell bedrängt und vergewaltigt haben. Wenn sie „Nein“ sagte – so hieß es – war ihm das egal. Das Verfahren hatte jedoch kaum begonnen, da war es auch schon wieder vorbei.

Die Richter am Essener Landgericht trafen am Dienstag auf eine Mauer des Schweigens. Der Angeklagte wollte sich nicht zu den Vorwürfen äußern. Damit war seine Ehefrau an der Reihe, die schon vor Prozessbeginn sichtlich angespannt war.

Trennung ein Jahre nach der Hochzeit

Es war im vergangenen Jahr, als sie ihren Mann angezeigt hatte. Zu diesem Zeitpunkt war der Zauber der Hochzeit längst verflogen. 2017 hatte sich das Paar das Ja-Wort gegeben, zwei Söhne wurden geboren. Doch schon 2018 kam es zur Trennung. Trotzdem kam es immer wieder zu Treffen. Und dabei soll es dann passiert sein. So hatte es seine fünf Jahre jüngere Frau zumindest der Polizei erzählt.

Im Prozess machte sie nun jedoch von ihrem Schweigerecht Gebrauch. Was auch ihr gutes Recht ist. Zum Schutz der Familie müssen Zeugen nicht gegen Ehepartner aussagen. Der Hintergrund in diesem Fall: Das Paar hat sich wieder versöhnt.

„Wir haben nichts, was wir feststellen können“, so Richter Marc Hunke. „Und wenn man nichts feststellen kann, kann man auch niemanden verurteilten.“ Die Konsequenz: Freispruch.

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