Der Angeklagte zeigte beim Urteil keine äußere Regung. © Martin von Braunschweig
Gerichtsprozess

Vergewaltigung in Oberaden: Richter spricht Klartext im Urteil

Zehn Jahre Haft plus Unterbringung in der Entziehungsklinik: Als in Dortmund das Urteil im Fall der vergewaltigten 15-Jährigen in Oberaden gesprochen wurde, zeigte niemand eine Regung.

Der Angeklagte hatte offenbar lange genug Zeit gehabt, sich auf diese Situation vorzubereiten. Seit anderthalb Jahren sitzt er nun schon in Untersuchungshaft. Der Prozess dauerte allein fast ein Jahr, in dem die Richter an 27 Tagen verhandelten.

In seinem letzten Wort vor der Urteilsverkündung richtete der 36-Jährige am Donnerstag noch einmal eine Entschuldigung an seine Opfer. „Was passiert ist, tut mir leid“, sagte er. Der Mann betonte außerdem, dass er die kommenden Jahre unbedingt dazu nutzen wolle, an sich und seinen Problemen zu arbeiten.

Haft und Alkohol-Therapie

Sein Umgang mit Alkohol ist sicherlich eines der gravierendsten. Sowohl bei der Vergewaltigung der Schülerin in Oberaden im Sommer 2019, als auch bei einer weiteren versuchten Sexualstraftat im Sommer 2012 in Kamen war der Mann betrunken gewesen. Jeweils aus dem Nichts heraus hatte er Frauen angefallen, sie mit absoluter Brutalität geschlagen, ihnen Knochen im Gesicht gebrochen und sich genommen, was er wollte. „Abscheulich“, nannte der Vorsitzende Richter Alexander Donschen die Übergriffe.

Donschen ist wie Nebenklage-Anwältin Christiane Krause-Schumann der Ansicht, dass am Ende dieses Prozesses ein alter Juristenspruch leider nicht von der Hand zu weisen ist. Der Angeklagte hat eine zeitige Strafe erhalten. Die beiden Opfer werden dagegen lebenslang leiden.

Schmerzensgeld für Schülerin

Die damals 15 Jahre alte Schülerin aus Oberaden soll nach dem Willen der Richter von dem Angeklagten 50.000 Euro Schmerzensgeld erhalten. Natürlich ist überhaupt nicht sicher, dass der Mann jemals in der Lage sein wird, diese Schulden zu begleichen. Und ebenso natürlich sagen die Richter auch: „Wir wissen, dass kein Geld der Welt diese Taten wieder gutmachen kann.“ Der 15-Jährigen sei die Unschuld genommen worden.

Sicherungsverwahrung bleibt ein Thema

Der weitere Fahrplan für den Angeklagten sieht nach dem Urteil nun so aus: In frühestens anderthalb Jahren darf er seine Gefängniszelle gegen ein Zimmer in einer geschlossenen Alkohol-Entziehungsklinik tauschen. Dort wird er rund zwei Jahre lang behandelt werden. Nach dem Abschluss sollte dann also die Hälfte der verhängten Haftstrafe hinter ihm liegen.

Kommt ein Psychiater dann zu dem Urteil, dass der Angeklagte nicht mehr gefährlich ist, könnte er auf seine vorzeitige Entlassung hinarbeiten. Ist eine Gefährlichkeit weiter nicht ausgeschlossen, könnte aber auch dann noch die Sicherungsverwahrung angeordnet werden.

Diese Maßregel haben sich die Richter ausdrücklich vorbehalten. Der Angeklagte habe es nun selbst in der Hand, hieß es.

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