Vergewaltigung in Oberaden: Sicherungsverwahrung bleibt ein Thema

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Haft, Alkoholtherapie, Sicherungsverwahrung: Im Fall des geständigen Vergewaltigers einer 15-Jährigen in Oberaden liegen mehrere Optionen auf dem Tisch. Die Entscheidung fällt nicht leicht.

Lünen, Oberaden

, 20.11.2020, 10:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Am Donnerstag (19.11.) hat der psychiatrische Sachverständige Gerold Asshoff vor der 36. Strafkammer des Dortmunder Landgerichts sein abschließendes Gutachten erstattet. Die wirklich eindeutigen Diagnosen führten dabei aber keineswegs zu ebenso klaren Ratschlägen.

Angeklagter ist alkoholkrank

Tatsache ist: Der 36-jährige Angeklagte ist alkoholkrank. Schon seine Eltern haben deutlich mehr getrunken als gut für sie war. Und auch er bekämpft Problemsituationen seit Jahren, indem er sie herunterspült.

Eine Alkoholtherapie ist aus Sicht von Psychiater Asshoff deshalb absolut erforderlich. Für ihn ist nur fraglich, ob eine solche Behandlung auch wirklich ausreicht. Asshoff sagte den Richtern: „Ihn trocken zu bekommen, ist keine allzu schwere Aufgabe.“ Dafür bringe der 36-Jährige auf jeden Fall das nötige Rüstzeug und die erforderliche Motivation mit.

Risiko weiterer Straftaten

Und doch bliebe aus Sicht des Sachverständigen auch nach einer erfolgreichen Alkoholtherapie ein nicht zu unterschätzendes Restrisiko für die Begehung weiterer Straftaten. Gerold Asshoff formulierte es bewusst krass, als er sagte: „Er hat so viel Wut, so viel Frustration in sich. Über alles, was in seiner Familie schiefgelaufen ist und was er von seiner Mutter nie bekommen hat.“

Wut und Frust

Bleibt also doch nur die Anordnung, den Mann auch nach Verbüßung der zu erwartenden Haftstrafe weiter einzusperren, indem die Richter seine Unterbringung in der Sicherungsverwahrung anordnen? Auch bei dieser Frage ist sich der Sachverständige nicht sicher.

Gerold Asshoff hat schon viele antisoziale Hangtäter begutachtet und kann deshalb sagen: „Das sind ganz andere Kaliber.“ Bei den meisten dauere es ewig, bis sie überhaupt in der Lage seien, das von ihnen begangene Unrecht einzusehen. „Dieser Angeklagte ist da viel weiter und zugänglicher“, sagte Asshoff am Donnerstag. Eine hundertprozentige Garantie, dass er keine Straftaten mehr begehe, gebe es aber natürlich nicht.

Keine hundertprozentige Garantie

Die Richter könnten also die Sicherungsverwahrung wenigstens unter Vorbehalt anordnen und die Entscheidung für einige Jahre vertagen. Der Gutachter glaubt fest daran, dass der Angeklagte dann weiter und reifer ist. „Bei ihm geht was, bei ihm richtig was“, sagte er den Richtern. „Ich bin zuversichtlich, dass die Teile seiner Persönlichkeit, die heute die Sicherungsverwahrung stützen, dann reduziert sind.“

In der kommenden Woche sollen Staatsanwaltschaft, Verteidigung und Nebenklage ihre Plädoyers halten. Mit einem Urteil der Richter ist Anfang Dezember zu rechnen.

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