Verschwendung von Lebensmitteln: Ist wirklich alles für den Müll?

mlzMeinung am Mittwoch

In „Meinung am Mittwoch“ haben Gastautoren das Wort. Sie schreiben über Themen, die ihnen wichtig sind. Heute macht sich Vanessa Bliecke Gedanken über Lebensmittelverschwendung.

von Vanessa Bliecke

Lünen

, 13.02.2019, 06:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Lebensmittelverschwendung ist ein großes Problem und auch in Deutschland kommt viel zu viel in die Tonne – Schätzungen zufolge etwa 18 Millionen Tonnen jährlich.

Zu einem heiß diskutierten Thema wurden diese Tatsachen kürzlich wieder, nachdem zwei Studentinnen wegen des sogenannten „Containerns“ verurteilt wurden. Die beiden hatten einen Abfallcontainer einer Supermarktkette aufgebrochen und Lebensmittel mit einem Neuwert von ca. 100 Euro mitgenommen.

Studenten fordern Verbot für Lebensmittelvernichtung

Während das Gericht hierin einen Diebstahl sah, fühlten sich die Studentinnen im Recht und forderten, zusammen mit zahlreichen Aktivisten, die Entkriminalisierung des Containerns oder sogar Gesetze wie in Tschechien, die Supermärkten das Wegschmeißen von Lebensmitteln gänzlich verbieten.

Verschwendung von Lebensmitteln: Ist wirklich alles für den Müll?

Vanessa Bliecke, Jura-Studentin. © Magdalene Quiring-Lategahn

Unsere Gastautorin Vanessa Bliecke ist Jura-Studentin.

Im Grunde finde ich ihren Kampf gegen die Lebensmittelverschwendung gut. Allerdings glaube ich, dass wir zunächst bei uns, den Verbrauchern, ansetzen müssen. Die meisten Supermärkte spenden auch jetzt schon einen großen Teil ihrer Lebensmittel, die nicht mehr verkauft werden sollen, freiwillig an soziale Einrichtungen und viele der Lebensmittel landen auch erst beim Verbraucher zu Hause im Müll.

Verbraucher sind nicht unschuldig

Der Verbraucher selbst ist es auch, der mit seinem Kaufverhalten und seinen hohen Erwartungen an ein prall gefülltes Supermarktregal und breites Sortiment nicht ganz unschuldig am Wegwerfverhalten der Supermärkte ist. Sowohl die Entkriminalisierung des Containerns als auch besondere Gesetze für Supermärkte werden an unserem eigenen Konsumverhalten nichts ändern. Hier sehe ich eher die Wurzel des Problems und auch den größten Handlungsbedarf.

Löbliche Motive, aber unschuldig?

Um noch einmal auf die zwei „Robin-Hoods der Lebensmittelverschwendung“ zurückzukommen, würde ich dem Richter zustimmen, der ihnen löbliche Motive unterstellt. Dennoch kann ich deren völliges Unschuldsbewusstsein nicht zu 100 Prozent nachvollziehen. Denn wer sich nachts auf ein Privatgrundstück schleicht und einen verschlossenen Container aufbricht, sollte sich nachher nicht über juristische Konsequenzen wundern.

Problembewusstsein schärfen

Dennoch hoffe ich, dass die dadurch erhitzte Debatte über Lebensmittelverschwendung das Problembewusstsein hierfür schärft. Schöner wäre es allerdings, wenn ein solches Bewusstsein aufkommen würde, auch ohne, dass sich vorher jemand strafbar macht.

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