Selfie-Leichtsinn? Darum verspäteten sich am Sonntagabend drei Regionalzüge in Lünen

mlzFernzüge umgeleitet

Am Sonntagabend (7.7.) gegen 22 Uhr kam der Bahnverkehr in Lünen kurzzeitig zum Erliegen. Ein Zeuge hatte die Polizei alarmiert - der Grund für das Chaos könnten Selfies gewesen sein.

Lünen

, 08.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Der Regionalzug 51 fährt pünktlich um 21.52 Uhr Richtung Coesfeld ab. Kurz nach 22 Uhr gehen Fahrgäste schon zu den Türen, denn gleich soll der Zug im Lüner Hauptbahnhof halten. Er hält - auf freier Strecke. Durchsage vom Lokführer: „Es sind Kinder im Gleis, wir müssen auf unbestimmte Zeit hier halten.“

Die Fahrgäste nehmen es hin und hoffen, dass es schnell weitergeht. Das hofft auch die freundliche Zugbegleiterin, die Gummibärchen an die beiden jüngsten Fahrgäste verteilt. Die kleinen Mädchen sind mit ihren Eltern unterwegs. Die Familie wollte in Lünen aussteigen.

Strecke wurde genau abgesucht

Doch die Hoffnung, dass der Zug schnell weiterfahren kann, ist trügerisch. Spätere Durchsage: „Die Polizei hat die Strecke gesperrt, es wird alles abgesucht.“

Erst kurz vor 23 Uhr setzt sich der Zug wieder in Bewegung. Nach Angaben einer Bahnsprecherin waren von der Sperrung zwei weitere Regionalbahnen betroffen, die deshalb Verspätungen einfuhren.

Aufmerksamer Zeuge alarmierte die Polizei

Vier Fernzüge, die über Lünen fahren sollten, wurden umgeleitet. Auslöser der Streckensperrung waren drei Jugendliche, die immer wieder in die Gleise am Bahnsteig 2 des Lüner Hauptbahnhofs sprangen.

Ein aufmerksamer Zeuge, der das beobachtet hatte, alarmierte daraufhin um 21.59 Uhr die Polizei, die die Bundespolizei verständigte. Denn die Bundespolizei ist normalerweise für Vorfälle rund um die Bahn zuständig.

Es muss schnell gehen, wenn Menschen im Gleis sind

Da aber die Lüner Polizeiwache in der Nähe des Bahnhofs liegt, schickte die Polizei-Leitstelle in Dortmund in Absprache mit der Bundespolizei einen Streifenwagen zum Bahnhof.

Außerdem wurde entschieden, den Streckenabschnitt zu sperren. „Generell ist es so, dass es schnell gehen muss, wenn Menschen in Gleisanlagen sind“, so ein Sprecher der Bundespolizei.

Personalien der Jugendlichen festgestellt

Laut Angaben der Polizei-Pressestelle waren die betroffenen Lokführer durch die Deutsche Bahn zunächst angewiesen worden, verlangsamt auf Sicht zu fahren, um so in der Lage zu sein, Personen im Gleis zu erkennen und rechtzeitig zu reagieren. Es wurde allerdings immer dunkler und schwieriger, auf den Gleisen etwas zu erkennen.

Der RB 51 nach Coesfeld sollte anhalten. Den Polizisten gelang es, die drei Jugendlichen zu finden und deren Personalien festzustellen.

Um 22.56 Uhr wurde der Einsatz beendet, die Züge konnten weiterfahren. Leider, so die Bahnsprecherin, kommt es immer öfter vor, dass Jugendliche in die Gleise springen - um Selfies im Gleis zu machen.

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