Verteidiger will möglichen Unfall aufwendig nachstellen

Tod des kleinen Nils

Der Prozess um den tragischen Tod des kleinen Nils läuft jetzt schon seit 81 Verhandlungstagen – und wird wohl auch noch länger dauern. Ein Verteidiger der Angeklagten fordert jetzt nämlich, dass ein möglicher Unfall aufwendig nachgestellt wird. Dafür ist sogar ein Modell des Baby-Schädels nötig.

LÜNEN/DORTMUND

, 12.12.2017, 14:11 Uhr / Lesedauer: 1 min
Die Mutter des Kindes steht wegen des Todes ihres Kindes vor Gericht.

Die Mutter des Kindes steht wegen des Todes ihres Kindes vor Gericht. © Foto: Jörn Hartwich

Auch am 81. Verhandlungstag am Dortmunder Landgericht tritt der Prozess um den tragischen Tod des kleinen Nils auf der Stelle. Der Verteidiger der angeklagten Mutter aus Lünen hat am Dienstag weitere Beweisanträge gestellt. Geht es nach Rüdiger Deckers sollen die Richter weitere medizinische Gutachten in Auftrag geben.

Nils starb im Sommer 2010 an den Folgen eines Schädelbruchs mit Hirnblutungen. Die Ursache dieser schlimmen Verletzung ist unklar. Die Angeklagte behauptet, der Säugling sei aus dem Elternbett auf den Boden gestürzt und müsse sich dabei verletzt haben. Die Staatsanwaltschaft ist vielmehr davon überzeugt, dass das kleine Baby heftig geschüttelt und dabei mit dem Kopf gegen einen harten Gegenstand geschlagen wurde.

Nachstellung des Unfalls gefordert

Die Anklage stützt sich im Wesentlichen auf das Gutachten von Rechtsmediziner Bernd Karger aus Münster. Dieser hält auch nach jahrelangem Prozess an seiner Schüttel-Theorie fest. Verteidiger Deckers lässt allerdings nicht locker und fordert nun die Nachstellung eines möglichen Unfalls mit einem Modell eines Baby-Schädels. „Im Zeitalter der 3D-Drucker sollte das kein Problem sein“, sagte er am Dienstag.

Darüber hinaus sollen die Richter nach dem Willen der Verteidigung weitere Gutachten einholen. Ein Augenexperte solle zu der Frage gehört werden, ob die bei Nils festgestellten Einblutungen in die Augen-Netzhäute auch von einer Blutgerinnungsstörung ausgelöst worden sein könnten.

Fest steht: Ein Ende des Mammut-Verfahrens ist weiterhin nicht in Sicht.

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