Veruntreuung: Ex-Mitarbeiterin des Bürgerbüros droht Haftstrafe

Staatsanwaltschaft erhebt Anklage

Weil sie rund 276.000 Euro veruntreut haben soll, muss sich eine Ex-Mitarbeiterin des Bürgerbüros vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft hat Anklage erhoben. Für die Frau steht jetzt viel auf dem Spiel.

Lünen

, 30.11.2017, 18:26 Uhr / Lesedauer: 2 min
Der Eingang zum Bürgerbüro im Foyer des Rathauses.

Der Eingang zum Bürgerbüro im Foyer des Rathauses. © Peter Fiedler

Im Frühjahr dieses Jahres flog der ganze Betrug auf: Eine Mitarbeiterin des Bürgerbüros im Rathaus hatte jahrelang Geld unterschlagen, ohne dass die städtische Rechnungsprüfung das bemerkte. Dazu brauchte es eine Routineprüfung durch die nordrhein-westfälische Gemeindeprüfungsanstalt. Die alarmierte Verwaltungsspitze zog die Reißleine. Die Angestellte wurde im April mit sofortiger Wirkung vom Dienst suspendiert, die internen Rechnungsprüfer informiert und die Staatsanwaltschaft Dortmund eingeschaltet.

Nach monatelangen Ermittlungen hat die Staatsanwaltschaft jetzt Anklage gegen die Frau erhoben. Ihr wird vorgeworfen, rund sechs Jahre lang, vom 1. Januar 2011 bis 31. März 2017 exakt 276.374,15 Euro unterschlagen zu haben.

1000 Fälle

„Es geht um 1000 Fälle der Untreue“, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft am Donnerstag dieser Redaktion: „Dafür sieht das Strafrecht theoretisch pro Fall eine Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder eine Geldstrafe vor.“ Strafmildernd könnte sich auswirken, dass die Beschuldigte geständig ist. Was nicht heißt, dass sie mit einer Geldstrafe davon kommt. Denkbar ist laut Staatsanwaltschaft auch, dass die Angeklagte eine Freiheitsstrafe auf Bewährung erhält. Verhandelt wird der Fall vor dem Schöffengericht des Amtsgerichtes Lünen. Einen Verhandlungstermin gibt es noch nicht.

Quittungen gefälscht

Wie bereits von dieser Redaktion berichtet, hat die nunmehr Angeklagte gestanden, Quittungen für die Ausstellung von Ausweispapieren und sonstigen Meldebescheinigungen gefälscht zu haben. Dabei ist sie laut Anklageschrift immer nach dem gleichen Schema vorgegangen. Für die Ausstellung etwa von Reisepässen kassierte die Verwaltungsangestellte von ihren Kunden die entsprechende Gebühr. Von dieser Gebühr verbuchte sie jedoch nur einen Teil im Kassensystem, beziehungsweise landete nur ein Teil in der Barkasse, für die sie verantwortlich zeichnete.

Dadurch entstand der Stadt Lünen für den Anklagezeitraum 2011 bis Ende März 2017 pro Jahr ein Schaden von durchschnittlich 46.000 Euro. Mit diesem Geld finanzierte die Ex-Mitarbeiterin des Bürgerbüros wie bereits berichtet ihre Kaufsucht.

Kleidung gekauft

Das unterschlagene Geld habe sie für Kleidung, Inventar und sonstige Gegenstände ausgegeben, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft weiter. Die Stadt machte am Donnerstag keine Angaben zu dem Fall. Zur Frage dieser Redaktion nach etwaigen Schadensersatzforderungen von Seiten der Stadt gegen die ehemalige Verwaltungsangestellte hieß es: „Die Verwaltung hat alles Erforderliche in die Wege geleitet, damit ihre Rechte gewahrt bleiben.“

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