Verwirrung um Übergang - ein Drama in neun Akten

Kuriose Geschichte an der Münsterstraße

Ist der Bahnübergang an der Münsterstraße nun gesperrt oder doch nicht? Darüber brach am Montag in Lünen das völlige Informationschaos aus. Mal war der Bahnübergang frei, obwohl er laut Stadt gesperrt sein sollte. Dann teilte die Stadt das Gegenteil mit - und der Übergang war passierbar. Wir skizzieren das Drama in mehreren Akten.

Lünen

, 12.12.2016, 18:48 Uhr / Lesedauer: 2 min
Dieses Foto entstand am Montag kurz nach 16 Uhr. Da war der Bahnübergang wieder befahrbar.

Dieses Foto entstand am Montag kurz nach 16 Uhr. Da war der Bahnübergang wieder befahrbar.

Erster Akt: Die Stadt teilt am 7. Dezember mit, dass der Bahnübergang ab 9. Dezember gesperrt wird. Es ginge um Optimierungsarbeiten an der Grünen Welle Kurt-Schumacher-Straße/Münsterstraße. Weil die Ampelschaltung dort mit der des Bahnübergangs zusammenhänge, müsse der Übergang aus Sicherheitsgründen gesperrt werden. Laut Mitteilung bis „spätestens“ Montag, 12. Dezember, 5 Uhr morgens.

Zweiter Akt: Montagmorgen war der Übergang weiterhin gesperrt. „Was ist die Ursache? Wie lange dauert die Sperrung noch?“ Eine Mail unserer Redaktion mit diesen Fragen geht um 9.24 Uhr an die Pressestelle der Stadt.

Dritter Akt: Als noch keine Antwort von der Stadt da ist, überzeugen wir uns gegen 13 Uhr selbst. Der Bahnübergang ist weiter dicht. In der Redaktion meldet sich ein Leser, der gegen 7.30 Uhr vor verschlossener Schranke stand und bei den Behörden nachfragte. Bei Polizei und Feuerwehr habe es geheißen, man habe keine andere Information, als dass der Übergang seit dem frühen Morgen wieder geöffnet sei. Eine Nachfrage unserer Redaktion bei Polizei und Feuerwehr bestätigt das. Einsatzfahrzeuge hätten somit auf Basis dieser falschen Information wichtige Zeit verlieren können.

Vierter Akt: Bei Facebook meldet eine Nutzerin gegen 15.40 Uhr, dass der Bahnübergang wieder frei ist.

 

 

Fünfter Akt: Die Stadt teilt um 15.55 Uhr (!) per Mail mit, dass der Bahnübergang „aus technischen Gründen“ noch bis Mittwoch, 14. Dezember, 7 Uhr, gesperrt bleiben muss. Hintergrund seien technische Probleme bei der Koordinierung zwischen Ampel und Bahnschranken. Das sei Sonntag spät nachmittags bei Testfahrten der Bahn aufgefallen „und erst heute im Laufe des Tages (Montag, Anmerkung der Redaktion) kommuniziert worden“, so die Stadt. Der Leiter der Straßenbauabteilung, Reinhard Scholz, entschuldigt sich für die Panne: „Es gibt Dinge, die dürfen nicht passieren, sie passieren aber leider trotzdem.“

Sechster Akt: Weil die Nachricht bei Facebook der Meldung der Stadt widerspricht, überzeugen wir uns erneut vor Ort. Und stellen kurz nach 16 Uhr fest: Der Bahnübergang ist frei, der Verkehr rollt ohne Behinderungen. Telefonisch informieren wir die Pressestelle der Stadt und bitten um Aufklärung.

Siebter Akt: Gegen 16.45 Uhr ruft Simone Kötter, Pressesprecherin der Stadt, unsere Redaktion an. Man versuche herauszufinden, was los ist. Das Thema ist offenbar Chefsache geworden. Bürgermeister Jürgen Kleine-Frauns werde sich noch am Abend bei uns melden.

Achter Akt: Um 17.46 Uhr meldet sich statt des Bürgermeisters die Pressestelle per Mail und teilt mit: Alles ein Missverständnis, die Sperrung solle noch Montagabend wieder aufgebaut werden. Hintergrund laut Stadt: Es gibt eine von der Stadt beauftragte Signalbaufirma. Sie „hat eine Verlängerung der Sperrung aus Sicherheitsgründen für notwendig erachtet“, so die Stadt. Daraufhin habe die Stadt die Verlängerung der Sperrung bis Mittwochmorgen genehmigt. Im Auftrag der Signalbaufirma arbeite wiederum eine Verkehrssicherungsfirma, die für die Sperrung zuständig sei. Und die habe wohl „aus Versehen“ die Sperrbaken vorzeitig abgebaut, erklärte die Stadt. Um kurz vor 19 Uhr war der Bahnübergang bei einer erneuten Kontrolle unserer Redaktion tatsächlich gesperrt.

Neunter Akt: Folgt am Dienstag. Wenn die Signalbaufirma die Verlängerung der Sperrung aus Sicherheitsgründen für notwendig hielt, waren dann Autofahrer, Fußgänger und Radfahrer in Gefahr, als der Übergang nicht gesperrt war? Das versuchen wir am Dienstag herauszufinden. Die Stadt sagt, sie sei nur für die Genehmigung der Sperrung zuständig, die Gesamtverantwortung liege bei der Signalbaufirma.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt