Die Räume in Lüner Kitas werden seit Anfang der Woche immer leerer. Die Landesregierung hat an die Eltern appelliert, ihre Kinder wenn möglich anderweitig zu betreuen. © Goldstein
Kinderbetreuung

Viele Kita-Kinder in Lünen bleiben nach Appell zu Hause

Im harten Lockdown sollen Eltern ihre Kinder möglichst zuhause betreuen. In vielen Lüner Kitas ist es seit Montag deutlich leerer. Von den Kitas gibt es auch Kritik an der Landespolitik.

Wenn möglich sollen Eltern ihre Kinder nicht in die Kita bringen. So lautet die Empfehlung der NRW-Landesregierung. Der Appell ist allerdings kein Verbot, die Kitas bleiben geöffnet.

Nach den ersten Tagen bleiben mittlerweile viele Kita-Kinder in Lünen zu Hause. „Montag war das noch ganz unterschiedlich. Jetzt liegen wir bei unter 50 Prozent“, sagt Jochen Schade Homann Fachbereichsleiter Jugend und Erziehung im Kirchenkreis Dortmund zur Belegung der evangelischen Kitas am Mittwoch (16.12.). Ähnlich sieht es in den katholischen Kitas aus, wie Verbundleiterin Jutta Beese bestätigt. Bis Weihnachten werden es laut Beese noch weniger sein.

Noch weniger, etwa 30 Prozent der Kinder sind es in der AWO Kita „Lippeaue“, sagt eine Mitarbeiterin. 60 Kinder werden hier normalerweise betreut. Und auch im freien Kindergarten Sterntaler e.V. ist es deutlich leerer als sonst. 9 von 21 Kindern waren am Mittwoch da, sagt Leiterin Sara Köhler.

Weniger Kinder in den Einrichtungen und eine weiter abnehmende Tendenz bestätigt auch die Pressestelle der Stadt Lünen am Freitag (18.12.). Rund die Hälfte aller Einrichtungen in Lünen, darunter alle städtischen Einrichtungen, hätten Auskünfte erteilt. Wie viele Kinder genau gebracht würden, schwanke von Einrichtung zu Einrichtung, die Spannweite sei groß, teilt Stadtsprecher Benedikt Spangardt weiter mit. Ein Durchschnittswert ließe sich kaum ermitteln.

Eltern reagieren meist mit Verständnis, aber auch Ignoranz

Und auch wenn die meisten Eltern auf den Appell mit viel Verständnis reagiert haben, der kurzfristige Aufruf am vergangen Freitag (11.12.) ist nicht bei jedem positiv aufgenommen worden.

Noch am selben Tag habe man die Meldung an die Eltern weitergeleitet, berichtet Beese. Über das Wochenende habe es dann auch Kritik gegeben. „Das hat sich im Laufe der letzten Tage dann aber beruhigt“, so Beese. Man merke, dass die Eltern nicht nur meist Verständnis zeigten, sondern die Kinder auch gezielt tageweise in die Kita schicken, wenn sie selbst keine Betreuungsmöglichkeiten haben.

Insgesamt klingt dieser Tenor bei vielen Verantwortlichen der Kitas an, besonders mit Blick darauf, dass das gesamten Jahr 2020 bereits eine große Herausforderung für Eltern gewesen sei.

„Die Reaktionen reichen von großer Besorgtheit bis zu Ignoranz“, so Spangardt zu den unterschiedlichen Reaktionen der Eltern.

Kritik am knappen Zeitplan

Kritischere Worte findet Köhler von der Kita Sterntaler. Und dabei geht es nicht um das grundsätzliche Verständnis für die Maßnahme selbst, die Infektionszahlen zeigten deutlichen Handlungsbedarf. Aber der Zeitpunkt war „unglücklich“, sagt sie. Über das Wochenende habe es viel zu organisieren gegeben.

„Das kam am Freitagnachmittag und wir mussten das am Montag mit den Eltern kommunizieren. Wir hatten weinende Kinder, traurige Betreuer und geschockte Eltern.“ Es sei spürbar für die Betreuer gewesen, wie wichtig den Kindern die Gemeinschaft ist.

Für die Betreuer sei der Appell durchaus als eine Entlastung wahrgenommen worden sagt Schade Homann. „Wir haben einen relativ hohen Krankenstand gehabt.“ Druck auf die Eltern werde nicht ausgeübt. „Wir fragen auch nicht, warum sie die Kinder schicken.“

Homeoffice absolute Ausnahme

Das der Personalbedarf aber dennoch hoch sei, erläutert wiederum Benedikt Spangardt: „Wegen des Vermischungsverbots kann es beispielsweise durchaus sein, dass auch wenn nur zehn Kinder vor Ort sind, trotzdem vier Gruppen betrieben werden.“ Hinzu kommen coronabedingte Quarantänefälle unter Erzieherinnen und Erziehern, geplante Urlaube oder Krankheit.

Im Homeoffice können laut Spangardt übrigens nur sehr wenige Erzieherinnen und Erzieher arbeiten. Möglich ist das lediglich für konzeptionelle Aufgaben, Bildungsdokumentationen, Jahresplanung oder telefonische Elterngespräche.

Über den Autor
Beruflicher Quereinsteiger und Liebhaber von tief schwarzem Humor. Manchmal mit sehr eigenem Blick auf das Geschehen. Großer Hang zu Zahlen, Statistiken und Datenbanken, wenn sie denn aussagekräftig sind. Ein Überbleibsel aus meinem Leben als Laborant und Techniker. Immer für ein gutes und/oder kritisches Gespräch zu haben.
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Matthias Stachelhaus

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