Land unter hieß es Sonntag nach dem Starkregen auch an der Dammwiese in Lünen-Süd. Wie in der Straße „Auf dem Eigengrund“ liefen hier etliche Keller voll Wasser. © Ohm
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Voll gelaufene Keller in Lünen-Süd: Nerven von Anwohnern liegen blank

Zum wiederholten Male liefen am Sonntag (4. Juli) in zahlreichen Straßen von Lünen-Süd die Keller voll Wasser - zum Leidwesen der Anwohner. SAL räumt eine gewisse Machtlosigkeit ein.

Dass, was da in weiten Teilen von Lünen-Süd am Sonntag an Regenmassen vom Himmel schoss und etliche Keller überflutete, war mit dem immer mal wieder auftretenden Starkregen der vergangenen Jahre nicht zu vergleichen.

Das erklärte zumindest Daniela Fiege, Vorstand des Stadtbetriebs Abwasserbeseitigung Lünen (SAL), am Montag (5. Juli) bei einem Ortstermin in der Straße „Auf dem Eigengrund“:

„So ein Ereignis findet statistisch gesehen alle 50 bis 100 Jahre statt“, sagte Fiege den Eigengrund-Anwohnern im Beisein von Bürgermeister Jürgen Kleine-Frauns, wohlwissend, dass auch Keller in anderen Straßen vollgelaufen waren. Dazu zählt neben der Bahn- und Kolpingstraße unter anderem auch der Schreberweg und die Straße beziehungsweise das Areal Dammwiese, welches in den kommenden Jahren zum Campus Lünen-Süd umgestaltet werden soll und wo laut Daniela Fiege ein Entlastungskanal gebaut wird.

Dabei handele es sich um eine von mehreren Maßnahmen, die kurzfristig angegangen werden, sagte Daniela Fiege weiter:

„Wir versuchen, die Sache so gut es geht an der Oberfläche zu lösen. Dazu liege auch eine Machbarkeitsstudie vor.“ Fiege stellte aber auch klar, dass gegen Starkregen-Ereignisse wie am Sonntag kein Kraut gewachsen sei: „Da können wir alle gemeinsam machen, was wir wollen.“

Zu den Oberflächen-Maßnahmen zähle auch, „und daran wird wohl kein Weg vorbeiführen“, die Grundstücke im Eigengrund mit einer Mauer zum Schutz vor Hochwasser zu versehen, sagte die SAL-Expertin. Mehr dazu sollen die Anwohner bei einem Termin am Freitag (9.) bei SAL erfahren.

Zum „schrecklichen Hochwasser am Sonntag“ meldete sich derweil auch Andrea Ohm, Pfarrerin der Kirchengemeinde Horstmar-Preußen, Montagabend per Mail in unserer Redaktion. Darin heißt es unter anderem:

„Den Eigengrund hat es wirklich am schlimmsten getroffen. Aber auch die Dammwiese stand komplett unter Wasser und auch hier sind etliche Keller vollgelaufen. Das Problem der Kanalisation ist nicht auf die Jägerstraße und Eigengrund begrenzt, sondern zieht sich weiter durch Lünen-Süd.“

Die Feuerwehr hatte am Sonntag alle Hände voll zu tun und viele Einsätze. Erst nachdem Gullideckel geöffnet worden waren, konnte das Wasser abfließen, schildert Andrea Ohm.
Die Feuerwehr hatte am Sonntag alle Hände voll zu tun und viele Einsätze. Erst nachdem Gullideckel geöffnet worden waren, konnte das Wasser abfließen, schildert Andrea Ohm. © Ohm © Ohm

Damit hat Andrea Ohm wohl recht. Denn immer wieder stößt das 324 Kilometer lange Lüner Kanalnetz an zahlreichen Stellen im Stadtgebiet und speziell in Lünen-Süd an seine Grenzen – überflutete Straßen und vollgelaufene Keller sind die Folge. Dazu hatte SAL-Chefin Fiege beim Ortstermin am Montag erklärt, dass es keinen Sinn macht, einfach größere Rohre in der Straße zu verlegen“, wie das immer wieder von Anwohnern gefordert wurde und wird.

Die Stimmung unter den Anwohnern ist, „wie sollte es auch anders sein, buchstäblich im Keller“, wie Friederike Walf, Vorsitzende der Siedlergemeinschaft Eigengrund, am Rande des Ortstermins im Gespräch mit unserer Redaktion sagte:

„Eine ältere Dame war so geschockt, dass der Keller ihres Hauses mal wieder vollgelaufen ist, dass wir einen Notarzt rufen mussten. Gott sei Dank musste die Dame aber nicht ins Krankenhaus eingeliefert werden.“

Auf der Jägerstraße in Lünen war die Situation besonders schlimm. Laut Angaben eines RN-Lesers kamen Gullideckel hoch und gefährdeten den Straßenverkehr.
Auf der Jägerstraße in Lünen war die Situation besonders schlimm. Laut Angaben eines RN-Lesers kamen Gullideckel hoch und gefährdeten den Straßenverkehr. © Maximilian Mertens © Maximilian Mertens

Auch wenn man es den Menschen hier nicht unbedingt ansehe oder anmerke, betonte die Vorsitzende der Siedlergemeinschaft, „die Nerven liegen schon blank“.

Wie blank die Nerven liegen, dürfte sich wohl bei dem Gespräch von Anwohnern und der SAL-Chefin am kommenden Freitag (9. Juli) zeigen.

In einer ersten Reaktion auf das erneute Regen-Desaster wollte die Siedlergemeinschaft auch rechtliche Schritte gegen SAL nicht ausschließen – obwohl, so Friederike Walf, „Frau Fiege schon Sonntagabend zu einem ersten Gespräch bereit gewesen war, worauf wir aber verzichtet haben. Dafür saß der Schock einfach zu tief“.

Über den Autor
Redaktion Lünen
Jahrgang 1968, in Dortmund geboren, Diplom-Ökonom. Seit 1997 für Lensing Media unterwegs. Er mag es, den Dingen auf den Grund zu gehen.
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Torsten Storks

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