Schauspieler Kobus: „Dem Kinofest wünsche ich viel Publikum aus Lünen und Umgebung“

mlz30 Jahre Kinofest

Er gehört zu den Stammgästen des Lüner Kinofestes. Schauspieler Waldemar Kobus (53) hat in Lünen neue Freunde gefunden und fährt auch schon mal mit dem Liegerad in die Lippestadt.

Lünen

, 23.10.2019, 19:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Er war ein Schornsteinfeger in Mailand oder der Vater einer Tourette-Patientin in den Kinofest-Filmen „Die schwarzen Brüder“ und „Ein Tick anders“. Das große Kinopublikum kennt Waldemar Kobus als Wikingerchef Halvar in Bully Herbigs Realverfilmung von „Wickie und die starken Männer“. In der Fernsehserie „Die Lottokönige“ spielte er eine Hauptrolle, auch in „Alles Atze“ und „Nord Nord Mord“ war er zu sehen. Beim 29. Kinofest im vergangenen Jahr konnte er nicht dabei sein, da stand er kurz vor einer wichtigen Theater-Premiere in Berlin. Aber zum 30. Kinofest im November will er auf jeden Fall kommen.

Können Sie sich noch an Ihren ersten Besuch beim Kinofest und in Lünen erinnern?

Das war mit Dominik Grafs Film „Das Gelübde“ 2007, in dem ich einen Arzt gespielt hab. Ich war mit meinem Wohnmobil da, weil ich schon damals keine Lust auf Hotel hatte. Also hab ich vorsichtig bei der Kinofestleitung nachgefragt und durfte mein Wohnmobil dann an der alten Trafostation abstellen, in dem damals das Kinofestbüro untergebracht war.

Schauspieler Kobus: „Dem Kinofest wünsche ich viel Publikum aus Lünen und Umgebung“

Kinofest 2007: Regisseur Peter Timm und die Darsteller Waldemar Kobus und Maurice Teichert aus "Rennschwein Rudi Rüssel 2". © Frank Bock

Sie kennen ja einige Festivals. Was ist für Sie das Besondere am Lüner Kinofest?

Für mich ist das Allerwichtigste, dass die Filme im Vordergrund stehen. Und die Cineworld mit ihren vielen Kinosälen ermöglicht es, mit kurzen Wegen viele Filme zu sehen und die Konzentration zu behalten. Außerdem stellt sich eine angenehm selbstverständliche Nähe zwischen den Kinofestbesuchern ein, in der man „Filmverrückte“ treffen kann, die man vorher noch nicht kannte und solche, die man immer wieder gerne trifft.

Hatten Sie vor Ihrem ersten Besuch schon etwas vom Lüner Kinofest gehört?

Irgendetwas vage Positives von einem Kollegen, der schon mal da war. Mein damaliger Agent hat gesagt, fahr da mal hin. Seitdem bin ich hartnäckiger Wiederholungstäter. Und ich hole mir, wenn es die Zeit erlaubt, auch meistens den Großteil meiner Jahresdosis an Kinofilmen in Lünen ab. Bei zwei Kinofesten konnte ich nicht dabei sein, weil ich gedreht oder Theater gespielt habe. Aber dieses Jahr, beim 30., will ich unbedingt dabei sein.

Schauspieler Kobus: „Dem Kinofest wünsche ich viel Publikum aus Lünen und Umgebung“

Schauspieler Waldemar Kobus hatte sich auch mal von seinem "Halvar"-Bart wieder getrennt. © Beate Rottgardt

An welche Begegnungen in Lünen erinnern Sie sich noch besonders gerne?

Da gibt es so viele. Beispielsweise die Begegnung mit Regisseur, Schauspieler und Autor Axel Ranisch. Als wir beide Juroren waren, haben wir mal ausführlicher zusammengesessen. Den Filmproduzenten Joachim Ortmanns treffe ich immer wieder gerne, genauso wie Kinofestleiter Mike Wiedemann, mit seinen Stellvertretern Kathrin Bessert und jetzt Sven Ilgner, das komplette Moderatoren- und Organisationsteam. Und ich bin sehr froh über den freundschaftlichen Kontakt zur Lüner Familie von Hundt, der durch das Kinofest zustande kam. (Urte von Hundt ist seit vielen Jahren Gästebetreuerin beim Kinofest, Anm.d.Red.)

Ist für Sie persönlich Lünen die Härte, wie ja ein Regisseur mal meinte?

Nein, weder temperaturmäßig noch zwischenmenschlich. Im Gegenteil, das Kinofest Lünen hat Herzblut und Leidenschaft. Da finde ich eher, dass andere Festivals die Härte sind. Das Wetter in Hof und der kalte Ostwind bei der Berlinale zum Beispiel. In Lünen hab ich mich von der ersten Stunde an willkommen gefühlt.

Schauspieler Kobus: „Dem Kinofest wünsche ich viel Publikum aus Lünen und Umgebung“

Beim Kinofest 2013 stellte Waldemar Kobus den Film „Schwarze Brüder“ vor und traf sich mit Lüner Schornsteinfegern in der Cineworld. © Frank Bock

Sie waren auch schon als Jurymitglied beim Kinofest. Was ist aufregender? Eigene Filme zu präsentieren oder als Juror andere Filme zu beurteilen?

Die Aufgabe als Juror. Natürlich ist es auch spannend, die Fragen bei der Publikumsdiskussion nach den Filmen zu beantworten. Da weicht Lünen auch positiv ab von anderen Festivals. Aber tatsächlich fand ich die Tätigkeit als Juror besser. Man muss sich die Filme konzentriert angucken, eine Haltung dazu entwickeln und die nicht leichtfertig in die eigene Gedankenkiste legen, sondern im Gespräch mit den Mitjuroren überdenken. Und manchmal sieht man dann manche Sachen noch mal ganz anders.

Wenn die Kinofestleitung Sie fragen würde ...

... würde ich liebend gerne noch mal Juror sein. Da bekomme ich viel davon mit, was Kollegen, Regisseure, Maskenbildner oder Requisiteure so machen.

Gibt es eine Aufgabe, die Sie als Schauspieler noch nicht ausprobiert haben?

Ich bin großer Hörbuch-Fan, die mag ich sogar lieber als Filme schauen. Selber hab ich noch kein Hörbuch eingelesen, Hörspiele schon, aber ich wäre gespannt, ob ich diese besondere Spezialbegabung habe, ein Hörbuch einzulesen. Besonders wenn ich an Kollegen wie Dirk Bach, Volker Niederfahrenhorst, Harry Rowohlt und Jürgen Uter denke, die es schaffen, jeder Figur Leben zu geben und gleichzeitig den Sinn des Textes zu transportieren. Ich bewundere diejenigen, die so Herz und Verstand gleichzeitig ans Pumpen bringen.

Seit dem Wickie-Film sind Sie mit Ihrem Filmsohn Jonas Hämmerle gut befreundet, haben auch eine Radtour für einen guten Zweck absolviert. Auch dabei haben Sie Halt in Lünen gemacht. Könnte es so eine Tour noch mal geben?

Eigentlich hatten wir im vergangenen Jahr eine Tour geplant, das hat nicht geklappt. Stattdessen waren wir zusammen bei einer Segelregatta gegen die Verschmutzung der Meere durch Plastikmüll. Aber ich denke, dieses Jahr werden wir wieder zusammen mit dem Rad unterwegs sein, wahrscheinlich aber eher zugunsten der Bergwacht von Kochel am See, meiner zweiten Herzenssache zusammen mit dem Kinderheim St. Vinzenz in Bochum, für das wir letztes Mal Spenden gesammelt haben.

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Die beiden Schauspieler Waldemar Kobus (l.) und Jonas Hämmerle machten bei ihrer Tour mit den Liegerädern Station in Lünen. © Beate Rottgardt

Wie kam der Kontakt zur Bergwacht zustande?

Ich bin vor 30 Jahren bei einer Bergtour in eine Schlucht gestürzt. Die Bergwacht Kochel hat mich gerettet. Viele Jahre hatte ich keinen Kontakt, aber dann haben wir „Wickie“ auf dem Walchensee gedreht. Ich bin unter vollen Segeln unter dem Berg hergefahren, auf dem ich 19 Jahre vorher verunglückt bin. Da hätte ich fast vor Glück geschrien, das hat mich so überwältigt. Deshalb hab ich dann über die Wasserwacht Walchensee, die uns bei den Dreharbeiten begleitet hat, den Kontakt zur Bergwacht Kochel am See hergestellt und gleich für den nächsten Jahrestag des Unfalls im Januar 2009 ein Treffen vereinbart. Das sind außergewöhnliche Menschen, die so viel von ihrer freien Zeit opfern für Fortbildung und die Rettungsmaßnahmen. Ich war in diesem Jahr noch bei dem ehemaligen Leiter der Bergwacht und seiner Frau zu Besuch. Und könnte mir gut vorstellen, dass wir diesmal bei unserer Radtour Spenden für die Bergwacht sammeln.

Was wünschen Sie dem Lüner Kinofest zum 30. Geburtstag?

Der Leitung weiterhin so eine glückliche Hand bei der Auswahl der Filme und einen Riesensack voller toller Filme, aus denen sie auswählen kann. Dem Kinofest wünsche ich lauter neugierig zuschauende Kinobesucher, gut gelaunte Filmemacher und Schauspieler, die es zu schätzen wissen, dass sie nach Lünen eingeladen werden, und viel Publikum aus Lünen und Umgebung. Und mir selber wünsche ich, dass ich dabei sein kann.

Biographie

Wickies Vater und „Lottokönig“

  • Kobus absolvierte von 1988 bis 1991 eine Schauspielausbildung an der Otto-Falckenberg-Schule in München, anschließend folgten zahlreiche Theaterengagements in Frankfurt, Bochum, Stuttgart, Zürich, Wien und Köln.
  • Seit Anfang der 1990er steht er vor der Kamera, seit 2001 liegt dort der Schwerpunkt seiner Arbeit.
  • Außer durch Auftritte in Fernsehserien ist er einem breiten Publikum durch die Rolle des verfressenen Polizisten Viktor Schimanek in der Comedyserie „Alles Atze“ (RTL) bekannt geworden.
  • International sorgte seine Darstellung des amoralischen SS-Mannes Günther Franken in Paul Verhoevens „Black Book“ für Aufmerksamkeit.
  • 2007 sprach er den Yeti in Michael Herbigs Animationsfilm „Lissi und der wilde Kaiser“ und stand für den Film Speed Racer von Andy und Larry Wachowski, sowie als Polizeichef von Berlin in Bryan Singers „Operation Walküre – Das Stauffenberg-Attentat“ vor der Kamera.
  • In Herbigs „Wickie und die starken Männer“ (2009) und dessen Fortsetzung spielte Kobus den Wikingerhäuptling Halvar von Flake. 2011 spielte er in der Kinokomödie „Ein Tick anders“, 2012 in „Das Haus der Krokodile“.
  • Dem Fernsehpublikum bekannt wurde er durch eine Hauptrolle in der WDR-Serie „Die Lottokönige“.
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