War die diebische Stadt-Mitarbeiterin kaufsüchtig?

Rund 200.000 Euro fehlen

Bis zu 200.000 Euro sollen im Bürgerbüro Lünen verschwunden sein. Die Staatsanwaltschaft wartet auf die Ergebnisse einer internen Untersuchung der Verwaltung. Recherchen unserer Redaktion haben schon jetzt weitere Details hervorgebracht: Hat die beschuldigte Mitarbeiterin mit dem Geld ihre Kaufsucht finanziert?

LÜNEN

, 03.07.2017, 14:03 Uhr / Lesedauer: 2 min
Das Lüner Rathaus Anfang November 2016.

Das Lüner Rathaus Anfang November 2016.

Die internen Ermittlungen der Verwaltung zur Unterschlagung von bis zu 200.000 Euro im Bürgerbüro dauern an. Wie es bei der Stadt auf Anfrage  hieß, „gehen wir (aktuell) davon aus, dass die Prüfung im August abgeschlossen wird“. Auf diesen Bericht wartet die Staatsanwaltschaft Dortmund. Derweil haben Recherchen unserer Redaktion weitere Details der Unterschlagung ans Tageslicht gefördert.

Wie berichtet, hat die Stadt am 7. April dieses Jahres Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Dortmund gegen eine Mitarbeiterin des Bürgerbüros wegen Untreue und Unterschlagung gestellt und die Betroffene mit sofortiger Wirkung vom Dienst suspendiert.

Die Beschuldigte hat gestanden, Quittungen über die Ausstellung von Ausweisen und Pässen gefälscht zu haben. Konkret soll die Mitarbeiterin von den Bürgern eine Summe x für die Ausstellung der Ausweise und Pässe quittiert haben. Intern habe sie aber eine Quittung über eine niedrigere Summe ausgestellt. Die Differenz soll sie sich in die eigene Tasche gesteckt haben. Laut Staatsanwalt beläuft sich der finanzielle Schaden auf bis zu 200.000 Euro.

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Veruntreuung wohl von 2013 bis 2017

Ob der ermittelte Fehlbetrag in vollem Umfang der Beschuldigten zur Last gelegt werden kann, ist Gegenstand der Ermittlungen von Staatsanwaltschaft und den städtischen Prüfern. „Wir warten auf diesen Prüfbericht“, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft auf Anfrage unserer Redaktion. Die Stadt macht in der Sache nach wie vor keine Angaben, „da es sich um ein laufendens Verfahren handelt.“

Wie unsere Redaktion aus verschiedenen Quellen erfuhr, hat die Beschuldigte in ihrer Funktion als Hauptkassen-Verantwortliche von 2013 bis Anfang 2017 regelmäßig Geld veruntreut beziehungsweise unterschlagen. Mit dem Geld finanzierte die Beschuldigte ihre Kaufsucht. Verantwortlich für die Kasse im Bürgerbüro war die Frau seit August 2007.

Fehler im Computersystem ausgenutzt

Die kriminellen Machenschaften der geständigen Beschuldigten sollen durch die Umstellung des Computersystems im Bürgerbüro im Jahre 2011 begünstigt worden seien. Dem Vernehmen nach verfügt dieses System über keine EDV-Schnittstelle zwischen der Pass- und Quittungsausstellung.

Daneben soll es auch kein „Vier-Augen-Prinzip“ zur Kontrolle der ausgestellten (Ausweis-)Papiere und den damit verbundenen Einnahmen gegeben haben. Wie aus Ermittlerkreisen verlautete, ist es unwahrscheinlich, dass die Beschuldigte mit einer Geldstrafe davon kommt. Im schlimmsten Fall droht ihr eine Haftstrafe von bis zu fünf Jahren.

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