Warnstreik im öffentlichen Dienst in Lünen: Kritik am Kalkül der Arbeitgeber

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Zum dritten Streiktag haben sich am Dienstag auch in Lünen die Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes versammelt, um für einen höheren Lohn zu streiken. Die Forderungen sind aber weitreichender.

Lünen

, 20.10.2020, 13:00 Uhr

Trotz des bescheidenen Wetters sammeln sich am Dienstagmorgen (20. Oktober) auf dem Markplatz in Lünen immer mehr Menschen. Sie alle eint der Unmut über die Arbeitsbedingungen und die Bezahlung im öffentlichen Dienst. Am 3. Tag des Warnstreikes wird auch in Lünen vor dem Rathaus demonstriert, bevor die Demonstrierenden nach Dortmund zu den großen Demos fahren.

Florian Popp (56) ist Sozialarbeiter und gehört zu denen, die mit Warnweste demonstrieren: „Wir müssen streiken, weil die Arbeitgeber uns dazu gezwungen haben.“ Er meint damit die Absage der Arbeitgeber, diese Tarifrunde zu verschieben. Wäre die Tarifrunde um ein Jahr verschoben worden, wäre es erst nächstes Jahr wieder an den Verhandlungstisch gegangen und Streiks wären ausgeblieben. Die Arbeitnehmer hatten auf wirtschaftlich bessere Zeiten und damit eine bessere Verhandlungsposition gehofft.

Das Kalkül der Arbeitgeber

„Die Arbeitgeber wollen die Corona-Lage ausnutzen, um nicht auf unsere Forderungen eingehen zu müssen“, erklärt sich Florian Popp das Verhalten der Arbeitgeber. Den Unmut in der Bevölkerung über die Streiks kann er nachvollziehen: „Ich verstehe die Argumente, aber genau damit rechnen und arbeiten die Arbeitgeber doch.“ Man wolle die Streiks so allgemeinverträglich wie möglich gestalten und halte sich bei allen Demos an die Hygienemaßnahmen.

Unabhängig von den Gehaltsforderungen ist Florian Popp besorgt über die Kurzsichtigkeit der Arbeitgeber: „Die Arbeitgeber müssen Nachwuchs gewinnen und gute, neue Fachkräfte anlocken.“ In seinen Augen verpassen die Arbeitgeber gerade den Weg in die Zukunft.

Im Laufe des Tages schlossen sich die Lüner Protestierenden den Streiks in Dortmund an.

Im Laufe des Tages schlossen sich die Lüner Protestierenden den Streiks in Dortmund an. © Nora Varga

Anette Wittemeier (59) gehört zu den Organisatoren des Streikes. Auch sie weiß um die Unzufriedenheit ihrer Mitbürger: „Uns ist bewusst, dass die Öffentlichkeit nicht immer hinter uns steht. Aber wir haben in der Corona-Zeit und darüber hinaus einen guten Job gemacht und wollen dafür anerkannt werden.“ Man müsse einfach einsehen, dass es momentan keine andere Möglichkeit gebe als zu streiken, wenn man den Arbeitgebern nicht das Feld überlassen wolle. Auch ihr ist wichtig, die Hygienemaßnahmen auf allen Aktionen minuziös einzuhalten. Das habe in solchen Zeiten einfach Priorität.

Auf ihrer Internetseite erklärt die Gewerkschaft Verdi zu den Forderungen der Tarifrunde: „Verdi fordert für die 2,3 Millionen Beschäftigten des öffentlichen Dienstes von Bund und Kommunen eine Anhebung der Einkommen um 4,8 Prozent, mindestens aber 150 Euro pro Monat, bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Die Bezahlung von Azubis und Praktikanten soll um 100 Euro pro Monat angehoben werden.“

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