Warten im Lüner Bürgerbüro: So reagiert die Stadt

Geduldsprobe

Wer einen neuen Ausweis braucht oder sich ummelden möchte, der muss mitunter viel Zeit und Geduld mitbringen. Im Bürgerbüro der Stadt Lünen ist der Andrang häufig sehr groß - vor allem am "langen" Donnerstag mit Öffnungszeiten bis 18 Uhr. Die Stadt kennt die Probleme und prüft neue Möglichkeiten.

LÜNEN

, 06.07.2017, 13:02 Uhr / Lesedauer: 2 min
Der Eingang zum Bürgerbüro im Foyer des Rathauses: Hier sind häufig alle Sitzplätze besetzt, denn der Andrang ist groß.

Der Eingang zum Bürgerbüro im Foyer des Rathauses: Hier sind häufig alle Sitzplätze besetzt, denn der Andrang ist groß.

Sergej Plochootnikow hat es zweimal erlebt. Er möchte seinen Ausweis verlängern und kam an zwei Donnerstagen um 16.30 Uhr von der Arbeit. Doch es gab keine Wartemarken mehr im Automaten. „Katastrophe, ich kam nicht dran“, sagt er. Erst dann - an Donnerstag Nummer drei - klappte es. Seine Frau Olga hatte extra für ihn vor seinem Dienstschluss eine Marke gezogen: „Wir wollen nächste Woche in den Urlaub.“

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Um 16 Uhr keine Wertmarken mehr

Einem anderen Lüner erging es ähnlich. Er hat auf Facebook seinem Ärger Luft gemacht. Zum dritten Mal sei er ins Rathaus gekommen. Als Berufstätiger könne er nur den „langen“ Donnerstag nutzen. Obwohl er schon um 16 Uhr gekommen sei, habe es keine Wartemarken mehr gegeben.

15-mal habe er es telefonisch versucht, aber keinen Termin ausmachen können. Erfolgreich war er im dritten Anlauf – allerdings seien noch 50 Leute vor ihm gewesen.

Schon häufiger hat es Beschwerden über langes Warten im Bürgerbüro gegeben. Gestern allerdings sah es anders aus. Vier Besucher saßen um 9.40 Uhr im Wartebereich. „Es dauert nur drei Minuten“, sagte ein Lüner, der einen neuen Ausweis braucht. Doch er habe auch schon mal zwei Stunden dort gesessen. Gegen 14 Uhr waren elf Wartende da. „Ich hatte es mir schlimmer vorgestellt“, sagt eine Lünerin.

Erhöhte Besucherzahl vor den Ferien

Etwa 250 Wartemarken würden täglich im Bürgerbüro vergeben, teilt die Stadt auf Anfrage mit. Häufig nutzten ganze Familien eine Marke. Die Stadt gibt die durchschnittlichen Wartezeiten mit 45 bis 75 Minuten an. Vor den Ferien steige der Besucherandrang, in diesem Jahr kämen besonders viele Bürger aufgrund der für Reisende günstig gelegenen Feiertage, heißt es aus der Pressestelle.

Acht Mitarbeiter seien im Einsatz, ausgeschriebene Stellen könnten nicht besetzt werden. Doch in der kommenden Woche werde ein Auszubildender nach seiner Prüfung als Vollzeitkraft übernommen.

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QR-Codes auf den Wartemarken

„Die Unannehmlichkeiten, die sich aus langen Wartzeiten ergeben, bedauern wir sehr und arbeiten deshalb an Lösungen“, so die Stadt. Ein erster Schritt sei der QR-Code auf den Wartemarken. Den können die Bürger scannen und dann "online jederzeit und ortsunabhängig die aktuelle Wartenummer abrufen". 

Soll heißen: Sie können während des Wartens Besorgungen erledigen und dennoch sehen, wann sie an der Reihe sind. Zudem sei eine Spielecke für Kinder eingerichtet worden.

Die Stadt will künftig Bürger per Anschreiben frühzeitig darüber informieren, wenn ihre Ausweisdokumente ablaufen. Dann könnten flexibel Termine vereinbart werden. Zudem arbeite die Verwaltung daran, an einem Tag früher zu öffnen. Der Vorschlag der Samstags-Öffnung werde noch vor der Sommerpause mit dem Personalrat abgestimmt.

Acht Mitarbeiter kümmern sich um Anliegen

Die Stadt nimmt Bezug auf einen heißen Donnerstag im Juni, als von acht Mitarbeitern fünf im Einsatz waren. „Eine normale Besetzung“, wie es heißt. Durch die Öffnungszeit bis 18 Uhr müssten die Beschäftigten in Schichten arbeiten. Laut Stadt würden die Mitarbeiter auch länger bleiben, um alle Anfragen zu regeln. Doch an dem Tag sei bei 34 Grad Raumtemperatur entschieden worden, um 18 Uhr Schluss zu machen. Daher das Schild an dem Wartemarken-Automaten.

Die Stadt sieht, dass die Situation für Bürger wie Mitarbeiter „dringend verbessert werden soll“. Doch Abteilungsleiterin Yvonne Helgers und Fachdezernent Ludger Trepper sind sich einig: „Wir sind froh, wie flexibel und leistungsbereit unsere Mitarbeiter trotz dieser stressigen Situation sind.“

 

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