Warum das Kirchentag-Motto „Was für ein Vertrauen“ etwas mit unserer Zukunft zu tun hat

mlzMeinung am Mittwoch

In „Meinung am Mittwoch“ haben Gastautoren das Wort. Sie schreiben über Themen, die ihnen wichtig sind. Heute macht sich Dr. Katrin Stückrath Gedanken über das Motto des Kirchentages.

von D. Katrin Stückrath

Lünen

, 27.02.2019, 12:01 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein Mensch liegt in einer grünen Hängematte. Dieses Plakat begegnet uns zur Zeit auf Werbewänden an Straßenecken, auf Plakaten und sogar auf Brötchentüten. Es ist die Werbung, einen Schlafplatz für Kirchentagsbesucher anzubieten. 8000 Privatquartiere für Menschen über 35 Jahren werden gesucht. (Die Jüngeren schlafen in Schulen.)

Fremde Menschen zu beherbergen erfordert Vertrauen

Einem fremden Menschen das Gästezimmer oder die Schlafcouch im Wohnzimmer anzubieten, wenn auch nur für vier Tage, das erfordert Vertrauen. „Was für ein Vertrauen“ ist auch das Motto dieses 37. Evangelischen Kirchentages, der vom 19.-23. Juni in Dortmund und Lünen stattfindet.

Aber was für ein Vertrauen ist hier gemeint? So ein Vertrauen wie „Wird schon werden!“ oder „Weiter so wie bisher!“ kann es nicht sein. Die Schülerinnen und Schüler, die sich für Klimaschutz bei den „Fridays für Future“ engagieren, haben das Vertrauen in solche Parolen verloren. Was für einen Sinn hat es, für die Zukunft zu lernen, wenn die Zukunft auf dem Spiel steht?

Zwei paradoxe Haltungen zur Zukunft

Bezüglich der Zukunft gibt es zur Zeit zwei paradoxe Haltungen, die sich auch bei mir tageweise abwechseln. Die eine ist, zu denken, dass es schon irgendwie weitergehen wird wie gewohnt. Die andere ist die Einsicht, dass es so nicht weitergehen kann auf vielen Ebenen, dass wenn wir nicht radikal handeln zugunsten von Artenschutz und Klima, sozialer Gerechtigkeit und Integration, wir in einer Katastrophe landen.

Die zweite Einsicht ist unangenehm und bedrohlich. Sie macht schlechte Laune und Angst. Ich frage mich deshalb, wie wir Vertrauen in die Zukunft haben können ohne die Augen vor den großen Herausforderungen zu verschließen. Der Kirchentag lädt alle dazu ein, darüber nachzudenken und mitzusprechen. Es wird Veranstaltungen, Diskussionsforen und Workshops zu vielen aktuellen Themen geben. Mal wird das Motto mit Fragezeichen („Was für ein Vertrauen?“) und mal mit Ausrufezeichen geschrieben (Was für ein Vertrauen!“).

Vertrauen stärkt Vertrauen

Wer sich vertrauensvoll darauf einlässt, einen oder mehrere Menschen bei sich zu beherbergen, wird bestimmt nicht enttäuscht werden, wie ich aus eigener Erfahrung weiß. Es wird vermutlich eher das Vertrauen in andere Menschen stärken und zu dem Erlebnis von Gemeinschaft führen. Vertrauen stärkt Vertrauen, so kann es wachsen.

Dr. Katrin Stückrath ist Pfarrerin der Evangelischen Kirchengemeinde Horstmar-Preußen.
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