Weiche Straßen, trockene Bäume: Stadt und Bürger kämpfen gegen Hitze und Trockenheit

mlzHitzewelle in Lünen

Morgens um sieben schon über 20 Grad - tagsüber 38. Der Donnerstag war der heißeste Tag des Jahres bisher. Für Mensch, Tier und Technik bedeutet das Stress - manchmal helfen Kleinigkeiten.

Lünen

, 25.07.2019, 16:53 Uhr / Lesedauer: 3 min

Mensch, Tier und Technik haben zu kämpfen bei diesen Temperaturen. Viele Geschäfte in der Innenstadt haben ihren Mitarbeitern „Hitzefrei“ gegeben - und früher geschlossen. Am Donnerstag (25. Juli) war bisher der heißeste Tag des Jahres. Die hohen Temperaturen haben Auswirkungen auf viele Bereiche des alltäglichen Lebens.

  • Die Hitze und die Straßen: Die Hitze setzt dort dem Asphalt massiv zu. Die Stadt hat inzwischen eine Rufbereitschaft eingerichtet, um schnell zu reagieren. Problematisch sind vor allem Straßen, die mit Bitumen ausgebessert wurden, denn dieser Stoff wird durch die Sonneneinstrahlung weich. Man achte auf diese Straßenabschnitte, teilt die Stadt mit. Bereits bei der ersten Hitzewelle im Juni musste die Stadt am Heikenberg eingreifen. Dort war man nun bereits wieder. Aktuelle Einsätze gab es außerdem an der Frydagstraße, der Münsterstraße im Bereich des Bahnübergangs, auf der Borker Straße in Höhe Haus Wieneke, auf der Alstedder Straße, am Hünenweg und In der Landwehr.
  • Die Hitze und der Wochenmarkt: Der Wochenmarkt am Freitag ist ein beliebter Treffpunkt der Lüner. Besucher an diesem Freitag müssen sich darauf einstellen, dass der Markt ein wenig früher endet als gewohnt. Thomas Fränzer, Vorsitzender der Marktbeschicker geht davon aus, dass viele ab 11.30 Uhr beginnen werden, ihre Ware einzupacken. „Dann sind wir bei der großen Mittagshitze weg“, sagt er. Die Stadt hatte den Händlern freigestellt, wie sie es handhaben. Fränzer ist über die Flexibilität sehr froh.

Weiche Straßen, trockene Bäume: Stadt und Bürger kämpfen gegen Hitze und Trockenheit

Im Tobiaspark hat es am Donnerstagnachmittag kurz geregnet: Aus dem 1000 Liter Tank von Karl-Joachim Simonsen. Der ist für die Wirtschaftsbetriebe Lünen seit Mai mit seinem Wassertank unterwegs. © Britta Linnhoff





  • Die Hitze und die Bäume: Gießen, gießen, gießen, ist angesagt. Die Stadtverwaltung teilt mit, sie habe die Bepflanzung „im Blick“. Aktuell schicke man einen Bewässerungswagen durch die Stadt. Besonders empfindlich seien junge und neu gepflanzte Bäume. Ein ausgewachsener Straßenbaum verdunstet an einem Sommertag etwa 300 bis 400 Liter Wasser.

Weiche Straßen, trockene Bäume: Stadt und Bürger kämpfen gegen Hitze und Trockenheit

Karl-Joachim Simonsen © Britta Linnhoff

Da das Wasser langsam in den (verdichteten) Wurzelraum eindringen muss, dauert das Wässern dazu auch noch recht lange; je Baum mindestens 20 bis 30 Minuten. Da kommt man kaum nach. Seit Mai schon ist Karl-Joachim Simonsen mit seinem Wassertank unterwegs, um seinen Beitrag zu leisten, dass Lünens Grün überlebt. Beitragen zum Überleben von Bäumen und Sträuchern kann jeder: einfach mal zur Gießkanne greifen.

Weiche Straßen, trockene Bäume: Stadt und Bürger kämpfen gegen Hitze und Trockenheit

Das war am 25. Juni: Die Straße am Heikenberg in Alstedde war nicht mehr passierbar. Jetzt war man dort wieder im Einsatz. © Foto Blaszczyk (A)

  • Die Hitze und das Kraftwerk: Das Kraftwerk fährt aufgrund der Hitze derzeit mit leicht verminderter Leistung, um die 700 Megawatt statt der möglichen knapp 750 MW. Damit soll eine Überhitzung und ein Warmwerden des Kühlwassers vermieden werden, teilt Maik Hünefeld, Sprecher des Trianel-Kraftwerks, mit. Aktuell sei es in Deutschland sehr windstill, sodass das Kraftwerk zur Deckung des Strombedarfs benötigt werde. Bei Trianel werde das Kühlwasser aus dem Datteln-Hamm-Kanal entnommen, im Kraftwerk zur Kühlung genutzt und anschließend im Kühlturm wieder abgekühlt und in die Lippe zurückgeleitet. Das zurückfließende Wasser darf dabei nur max. 0,1 Grad wärmer als die Lippe sein.
  • Die Hitze und die Busse: Auf den Linien der Verkehrsbetriebe Unna (VKU) sind laut VKU-Sprecherin Inga Fransson alle Busse mit Klimaanlage unterwegs. Alle VKU-Busse seien grundsätzlich mit Klimaanlage ausgestattet. Die Subunternehmer, die im Auftrag von VKU auf den Linien unterwegs sind, dürften auch nur Busse einsetzen, die eine solche Anlage haben. Dennoch stoßen die Klimaanlagen bei diesen Temperaturen an ihre Grenzen: Dadurch, dass natürlich an den Haltestellen immer wieder die Türen aufgehen, hat die Hitze alle Chancen, auch das Innere des Busses zu erreichen. „Da haben die Klimaanlagen schon zu kämpfen“, sagt Fransson. Die geöffneten Türen seien ein riesiges Einfallstor für die Hitze.
  • Die Hitze und das Rathaus: Im denkmalgeschützten Rathaus gibt es übrigens keine Klimaanlage. Da ist Schwitzen angesagt. Nach Auskunft der Stadt können sich die Beschäftigten inzwischen im Rathaus kostenlos mit Mineralwasser versorgen.
  • Die Hitze und die Altenheime: Bei solch rekordverdächtiger Hitze gibt es auch in Altenheimen in Lünen entsprechende Maßnahmen, um es den Bewohnern und auch dem Personal so erträglich wie möglich zu machen, so Michaela Schwarz vom Caritasverband Lünen, Selm, Werne, der u.a. das Altenzentrum St. Norbert und die Tagespflege Am Christinentor betreibt. Die Senioren sollen sich überwiegend innerhalb der Räume befinden und keine lange Zeit in der direkten Sonne. Ausflüge, Spaziergänge und Marktbesuche gibt es derzeit aufgrund der Hitze nicht. Gemeinschaftliche Aktivitäten und Veranstaltungen finden innerhalb des Gebäudes statt. Michaela Schwarz: „Wir schreiben Flüssigkeitsprotokolle, um die notwendige Flüssigkeitsmenge von Tagespflege-Besuchern und Altenheim-Bewohnern zu kontrollieren.“ Außerdem gebe es mehr Getränkepausen und neben Wasser biete man auch diverse Säfte an. Außerdem würden immer wieder auch Eis und kühle Umschläge verteilt. Die neue Tagespflege befinde sich in dem neuen, gut gedämmten Caritas-Gebäude.
  • Die Hitze und die Feuerwehr: Während im Kreisgebiet die Feuerwehren schon mit Trockenheits-bedingten Feldbränden zu tun hatten, ist es in Lünen bisher ruhig, teilte ein Sprecher am Donnerstagnachmittag mit.
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