Prost auf dem Weihnachtsmarkt: 100.000 Liter Glühwein hätte Getränke Gefromm in diesem Jahr an den Dortmunder Weihnachtsmarkt geliefert, wenn er stattgefunden hätte. Stattdessen wird daheim getrunken. © picture alliance/dpa
Getränkehandel

Weihnachten in der Pandemie: Alkohol als Alternativgeschenk im Lockdown

Keine Weihnachtsmärkte, keine großen Feiern: Getränke Gefromm geht der Verkauf von 100.000 Liter Glühwein durch die Lappen. Doch die Lüner nutzten den Getränkemarkt für Last-Minute-Geschenke.

Eigentlich hätte Jochen Gefromm den Dortmunder Weihnachtsmarkt mit Glühwein und anderen Spirituosen beliefert – nun bleiben alle zuhause. 8 LKW und 40 Kühlanhänger stehen abgemeldet auf dem Hof. „Da wird einem erstmal bewusst, wie viele Autos man hat, wenn sie nicht in alle Winde verstreut sind“, sagt Gefromm scherzhaft. 100.000 Liter Glühwein, jeweils in 1000-Liter-Tanks, nimmt allein der Dortmunder Weihnachtsmarkt jedes Jahr ab.

Auch das Cafè Extrablatt und einige asiatische Restaurants beziehen normalerweise Getränke von Gefromm – nun sind sie ebenfalls im Lockdown. Einnahmen, die in der Kasse fehlen. Immerhin: In den Getränkemärkten der Gefromm-Gruppe läuft das Geschäft gut. Dabei zeichnen sich verschiedene Trends im Alkoholkonsum ab – und doch sei das Geschäft in diesem Jahr überhaupt nicht kalkulierbar, so der Getränkehändler.

Winterbier ist gefragt

„In diesem Jahr wird etwas mehr Glühwein gekauft, aber es hält sich im Rahmen. Was aber auffällig ist: Saisonbiere gehen weg wie warme Semmeln“, berichtet Gefromm und erklärt das durch die ausfallenden Events, zu denen jene Biere normalerweise in den Bierzelten getrunken werden würden. Nun trinken die Lüner zuhause. „Niemand weiß, ob die Veranstaltungen im nächsten Jahr stattfinden. Wenn ich im Februar mehr Maibock bestelle, bleibe ich vielleicht drauf sitzen.“

In diesem Jahr gab es das umgekehrte Phänomen: Etwa 2 Monate Vorlauf für den Druck haben die Aktions-Prospekte. Doch als die Ware annonciert war, war sie im Geschäft bereits vergriffen. „Zum 1. Mai war das Maibier längst ausverkauft, ähnlich mit dem Weihnachtsbier. Das war schon Ende November, Anfang Dezember vergriffen“, schildert er die Lage. Aber: Grundsätzlich könne man nicht sagen, dass in diesem Jahr mehr Bier gekauft wurde. Jahr für Jahr sinken die Verkaufszahlen. Bier sei „out“, die junge Generation trinke hauptsächlich Mischgetränke und ließe das klassische Bier stehen.

Bier-Präsentkorb für Opa

In dieser Weihnachtssaison fungierte der Getränkehandel als Anlaufstelle für Last-Minute-Geschenke. „Im Lockdown bekommen die Leute keine Socken für Oppa mehr. Da ist Alkohol ein Alternativgeschenk“, sagt Gefromm. Bier-Präsentkörbe und Flaschen in besonderen Formen verkauften sich in den letzten Tagen vor dem Fest besonders gut.

Was Gefromm aber auch beobachten konnte: Alle Jahre wieder hamstern die Menschen für die Feiertage. Über das lange Wochenende wollen sie sich versorgt wissen. In diesem Jahr waren die Vorratskäufer etwas früher dran. Allerdings sei hier kein Vergleich zum ersten Lockdown, wo die Menschen massenweise Mineralwasser horteten.

Volle Kästen im Keller, keine leeren Flaschen zum recyceln

„Das Problem beim Hamstern ist für uns, dass wir normalerweise keinen LKW leer fahren lassen. Wenn die Leute zehn Kästen Wasser im Keller stehen haben, bringen sie lange kein Leergut mehr zurück und wir können es nicht gegen volle Kästen tauschen“, gibt Gefromm zu bedenken. Den Getränkeherstellern fehlen dann also auch die leeren Flaschen.

Ein weiterer Trend: Lieferdienste. Für Getränke Gefromm übernehmen das Partnerunternehmen. „Früher, in den 70ern, als es kaum Getränkemärkte gab“, erinnert sich Gefromm, „hatten wir noch einen eigenen Heimdienst, der durch die Stadt gefahren ist. Jetzt kostet es 50 Euro, wenn der LKW einen Zwischenstopp macht und 3 Kisten Wasser abliefert. Das lohnt sich natürlich nicht mehr.“ Deshalb liefern nun Dienstleister mit Bullis die Bestellungen an Privathaushalte aus.

In Sachen Bier gibt Gefromm noch einen Tipp: „Entscheiden Sie sich nicht für das Bier mit dem längsten Haltbarkeitsdatum. Manche Brauereien geben ein halbes Jahr Mindesthaltbarkeit an, manche ein Ganzes. Das Bier, das länger haltbar ist, ist nicht automatisch frischer. Und auch nach einem Jahr ist Bier noch gut.“

Über die Autorin
Volontärin
Geboren in Hamm, dann ausgezogen in die weite Welt: Nach ausgiebigen Europa-Reisen bin ich in meine Heimat zurückgekehrt und berichte nun über alles, was die Menschen in der Gegend gerade bewegt.
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Sylva Witzig

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