Heidi Zemann-Bluhm mit ihrem Impfausweis. Weil dort keine Aufkleber der Impf-Charge zu finden sind, wurde sie im Hilpert-Theater abgewiesen. Jetzt kann sie wieder lächeln, aber an dem Tag war sie den Tränen nahe. © Dirk Bluhm
Charge-Nummer in Handschrift

Weil Aufkleber im Impfpass fehlen: Oma durfte nicht ins Theater

Es sollte ein schöner Theater-Nachmittag für eine Familie werden. Am Ende flossen Tränen bei den Kindern, denn die Oma durfte nicht ins Theater - angeblich war ihr Impfnachweis nicht korrekt.

Zwei Schwestern (5 und 8 Jahre alt) hatten sich so gefreut. Die Mädchen wollten im Heinz-Hilpert-Theater das Märchen vom „Tapferen Schneiderlein“ erleben. Zusammen mit ihrer Mama und Oma Heidi Zemann-Bluhm. „Meine Tochter hatte den Mädchen und mir die Karten geschenkt“, erzählt sie. Als vorweihnachtliche Überraschung.

Weil sie Krankenschwester in einem Altenheim ist und eigentlich Nachtdienst hat, tauschte sie extra den Dienst, um frisch und munter mit Tochter und Enkelinnen das Theater besuchen zu können.

„Außerdem haben wir uns besonders schick gemacht, das gehörte schon zur Vorfreude dazu.“ Doch dann kam alles anders. Bei der Kontrolle der 2G-Regeln durch Mitarbeiter des Kulturbüros erklärte man Heidi Zemann-Bluhm, dass ihr Impfausweis nicht gültig sei. Weil bei den beiden Impfnachweisen aus Januar und Februar der Aufkleber für die Impfstoff-Charge fehlte.

Ärzte trugen Charge-Nummer per Hand ein

Heidi Zemann-Bluhm gehörte Anfang 2021 zu den ersten, die gegen Covid-19 geimpft wurden. Und da die Ärzte in dem Pflegeheim alle Bewohner und nahezu alle Mitarbeiter impften, klebten sie keine Charge-Nummer in die Impfausweise, sondern schrieben die Nummern per Hand hinein.

Damit steht Heidi Zemann-Bluhm nicht alleine da. Auch Geimpfte, die die siebte Dosis aus einer Charge erhielten, bekamen keinen Aufkleber, weil nur sechs Aufkleber vorgesehen waren. Ein Lüner hatte das gleiche Problem – als er eine Flugreise plante, wollte man zunächst auch die händisch eingetragene Charge-Nummer nicht anerkennen.

Dazu erklärt auf Anfrage Stadt-Pressesprecher Alexander Dziedeck: „Es ist richtig, dass eine Dame am 24. November nicht in das Theater durfte. Grund dafür war, dass sie in ihrem Impfpass weder einen Chargen-Aufkleber noch einen Arztstempel zu ihrer Corona-Impfung hatte.“

Schon Anfang des Jahres hatte sich Heidi Zemann-Bluhm gegen den Corona-Virus impfen lassen. © dpa © dpa

„Man steht da wie eine Betrügerin“

Heidi Zemann-Bluhm erklärt: „Bisher bin ich überall mit meinem Impfausweis hereingekommen.“ Doch nach der Diskussion mit den Mitarbeiterinnen des Kulturbüros schaltete sich noch ein Vorgesetzter ein und sagte, ihr Impfausweis sei so nicht gültig. „Meine Tochter ist dann mit den Kindern ins Theater gegangen.“ Bei den Mädchen flossen Tränen, weil die Oma nicht mit ihnen hinein durfte.

„Das Traurige ist, dass ich eine Impf-Verfechterin bin und so glücklich war, ganz früh geimpft zu werden. Ich hab auch schon den Termin für die Booster-Impfung“, so Heidi Zemann-Bluhm. Und dann, so die enttäuschte Frau, „steht man vor seinen Enkelinnen da wie eine Betrügerin.“ Sie hat jetzt, zusammen mit ihrem Mann, in der Apotheke ihre Impfungen in der App Cov-Pass des Handys registrieren lassen, um künftig keine Probleme mehr zu haben.

Digitaler Impfpass hilft

Eine gute Idee, wie auch der Stadtsprecher erklärt: „Schwierig wird es meist, wenn kein digitaler Impfpass vorliegt, der schnell verifiziert werden kann. Die Kollegen bei den Eingangskontrollen müssen dann – vor dem Hintergrund, dass keine Besucherinnen und Besucher gefährdet werden sollen – sehr schnell entscheiden, ob der Impfausweis valide ist.“

Selbst für Apotheker sei es – das könne man verschiedenen Medienberichten entnehmen – sehr schwer zu verifizieren, ob ein Impfpass gefälscht ist oder eben nicht. Dziedeck: „Wenn eine handschriftliche Eintragung im Impfpass mit der entsprechenden Chargennummer vorliegt, entschuldigen wir uns aber ausdrücklich für den Vorfall. Denn dann ist der Impfnachweis ebenso vollständig dokumentiert wie mit einem Aufkleber.“

Stadt bietet Gespräch und Ersatz der Karte an

Der Stadtsprecher erklärt zudem: „Wir würden uns sehr freuen, wenn sich die betroffene Dame für ein persönliches Gespräch bei der Leiterin des Kulturbüros melden würde. Außerdem werden wir ihr dann die Karte ersetzen.“

Die Erinnerung an den ersten Theaterbesuch wird bei den Enkelinnen aber sicher noch lange nachklingen. Nicht wegen des „tapferen Schneiderleins“, sondern weil ihre Oma nicht ins Theater gelassen wurde.

Über die Autorin
Redaktion Lünen
Beate Rottgardt, 1963 in Frankfurt am Main geboren, ist seit 1972 Lünerin. Nach dem Volontariat wurde sie 1987 Redakteurin in Lünen. Schule, Senioren, Kultur sind die Themen, die ihr am Herzen liegen. Genauso wie Begegnungen mit Menschen.
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Beate Rottgardt

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